Pressemeldung

Gründer und Ehrenvorstandsvorsitzender der DATEV wird 90

Kempf: "IT-Pionier und Unternehmerpersönlichkeit, die ihresgleichen sucht"

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DATEV-Gründer Dr. Heinz Sebiger. Foto: DATEV eG

Nürnberg, 04. März 2013: Der langjährige Vorstandsvorsitzende und Gründer der DATEV eG, Dr. h.c. Heinz Sebiger, wird am 9. März 2013 90 Jahre alt. Der Dipl.-Volkswirt und Steuerberater hat 1966 zusammen mit weiteren fünf Steuerberatern und einem Rechtsanwalt das genossenschaftliche Unternehmen DATEV gegründet, das zu einem der wichtigsten IT-Dienstleister für die steuerberatenden Berufe und mittelständische Unternehmen geworden ist. Sebiger leitete das Unternehmen, das heute die Nummer 4 im deutschen Softwaremarkt ist, bis 1996. "Dr. Heinz Sebiger zählt zusammen mit Konrad Zuse und Heinz Nixdorf zu den Pionieren in der deutschen IT-Geschichte und ist eine Unternehmerpersönlichkeit, die ihresgleichen sucht", so Prof. Dieter Kempf, Vorstands-vorsitzender der DATEV. "Auch wenn von Cloud-Technologien noch lange nicht die Rede war, so hat er mit der Idee der zentralen Datenverarbeitung in einem berufsständischen Rechenzentrum bereits vor 47 Jahren den Weg dafür bereitet."

Mitte der 1960er Jahre steckte die IT-Technologie noch in den Kinderschuhen. Große Rechenzentren waren mit Speicherkapazitäten von wenigen hundert Kilobyte ausgestattet. Um die Kapazität von Buchhaltern deutlich zu erhöhen hatte der damalige Steuerbevollmächtigte Sebiger, der bereits hohe Erwartungen an diese Technologie knüpfte, eine zündende Idee: Die elektronische Verarbeitung von Buchführungsdaten in einem eigenen Rechenzentrum zu bündeln und durch eine Genossenschaft selbst zu verantworten, denn für jeden Einzelnen wäre die Technik zu teuer gewesen.

Auslöser für die Gründung der "Datenverarbeitungszentrale der steuerberatenden Berufe" Anfang 1966 war der zunehmende Aufwand für die Steuerabwicklung in Deutschland vor dem Hintergrund einer boomenden Wirtschaft. Daher wollten viele mittelständische Unternehmen ihre Buchführung an die steuerlichen Berater auslagern. Wegen massivem Arbeitskräftemangel konnten die Kanzleien die entsprechenden Arbeiten aber nur mit technischer Unterstützung übernehmen.

Entsprechend stürmisch verlief die Entwicklung der DATEV vor allem in den 1970er Jahren. Mit der Verarbeitung von Buchführungs-, Gehaltsabrechnungs- sowie Jahresabschluss- und Steuererklärungsdaten verachtfachte sich der Umsatz auf 139 Mio. DM (71 Mio. Euro). Durch die hohe Nachfrage nach Dienstleistungen rund um das Rechenzentrum und der Ausweitung der Geschäftsfelder nahm die Beschäftigtenzahl rasant zu und überschritt die 1.000-Mitarbeiter-Marke zum Ende des Jahrzehnts. Auch technologisch machte der IT-Dienstleister bereits früh von sich reden: Mit der elektronischen Datenfernübertragung 1974 auf der Hannover Messe, zwölf Jahre vor Beginn der CeBIT als eigenständiger Messe. Als Sebiger 1996 den Vorstandsvorsitz an Dieter Kempf übergab, hatte der Umsatz des genossenschaftlichen Unternehmens knapp die DM-Milliardenschwelle erreicht und die DATEV beschäftigte mehr als 4.700 Mitarbeiter.

Heute zählt das IT- und Softwarehaus für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer sowie deren Mandanten mehr als 40.000 Mitglieder. Mit Softwarelösungen, Rechenzentrumsdienstleistungen, Weiterbildungs- und Consultingangeboten rund um die Themen Rechnungswesen, Personalwirtschaft, betriebswirtschaftliche Beratung, Steuern, Enterprise Resource Planning (ERP) sowie Organisation und Planung erwirtschaften 6.400 Mitarbeiter für das genossenschaftliche Unternehmen im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von 760 Mio. Euro. Neben Deutschland ist DATEV in Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Spanien am Markt für Kanzlei- und Unternehmenssoftware aktiv.

"Von Beginn hat das Unternehmen ökonomisch sinnvoll und nachhaltig im Sinne von Mitgliedern und Kunden gewirtschaftet - und dies gleichzeitig mit den Interessen von Mitarbeitern und Gesellschaft in Einklang gebracht. Die DATEV, deren Grundlage Dr. Heinz Sebiger gelegt hat, ist damit ein hervorragendes Beispiel dafür, dass auch ein modernes IT-Unternehmen in der Wirtschaftsform einer Genossenschaft möglich ist", so Kempf.

Energisch und mit großer Neugier für technische Neuerungen trieb Sebiger die Nutzung der Informationstechnik im steuerberatenden Beruf und in mittelständischen Unternehmen voran. Neben seinen beruflichen Aufgaben übernahm er zahlreiche Ehrenämter. Zum Beispiel als Präsident der Steuerbevollmächtigtenkammer Nürnberg und der heutigen Steuerberaterkammer Nürnberg, denen er zusammen 30 Jahre lang vorstand und deren Ehrenpräsident er ist. Von 1975 bis 1995 gehörte er dem Präsidium der Bundessteuerberaterkammer an. Im Jahr 1980 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden, 1988 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Universität Erlangen Nürnberg verlieh ihm 1986 die Ehrendoktorwürde, und 1997 wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Nürnberg ernannt. Außerdem erhielt er als Auszeichnungen die Ehrennadel in Gold des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes sowie den Ehrenring in Gold der Bundessteuerberaterkammer, der 2007 erstmals für ein Lebenswerk vergeben wurde. 2008 erhielt der Japanfreund und -kenner den Orden der Aufgehenden Sonne am Band im Namen des japanischen Kaisers für seine Verdienste um die IT-Unterstützung des Steuerberater-Berufsstands in Japan.

Zu Sebigers Lebenswerk gehört auch sein steter Kampf gegen den Steuerdschungel. Immer wieder erinnerte er die jeweiligen Bundesregierungen an deren Versprechen, die Steuergesetze vereinfachen und professionalisieren zu wollen. Unter anderem war er von 1965 bis 69 Mitglied des Arbeitskreises zur Reform der Abgabenordnung beim Bundesfinanzministerium sowie 1997 Teilnehmer der Kommission zur Erarbeitung der Petersberger Steuerbeschlüsse.

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DATEV eG
Andreas Fischer, Telefon +49 911 319-1210, andreas.fischer@datev.de