Pressemeldung

Rede des Vorstandsvorsitzenden Prof. Dieter Kempf

Jahrespressekonferenz der DATEV eG am 4. Juli 2013, 10 Uhr in Nürnberg

Einleitung

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Prof. Dieter Kempf. Quelle: DATEV eG

Sehr geehrte Damen und Herren,

Grüß Gott und herzlich Willkommen zur Jahrespressekonferenz der DATEV eG in Nürnberg.
Heute nun zum zweiten Mal in Folge in unserem Standort in der Virnsberger Straße.

Ich werde Ihnen zunächst kurz die Eckpunkte des Abschlusses für das Geschäftsjahr 2012 und die Entwicklung im ersten Halbjahr 2013 erläutern sowie die wichtigsten Herausforderungen des laufenden Geschäftsjahres darlegen.

Details zur Geschäftsentwicklung wird Ihnen unser Finanzvorstand, Michael Leistenschneider, erläutern.

Wirtschaftliche Lage 2012

Lassen Sie mich gleich zu Beginn einmal zusammenfassend sagen: Uns geht es gut. Und das belegen auch die Zahlen. Die DATEV hat 2012 wieder ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr abgeschlossen:

  • Der Umsatz ist absolut um 28,7 Mio. Euro auf 759,5 Mio. Euro gewachsen.
  • Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 3,9 Prozent.
  • Das Betriebsergebnis betrug 45,8 Mio. Euro. Davon werden 33,9 Mio. Euro als genossenschaftliche Rückvergütung an die Mitglieder ausgeschüttet.
  • In 2012 gelang es der DATEV erstmalig in ihrer Geschichte, die Marke von 40.000 Mitgliedern zu überspringen. Bis Ende 2012 stieg die Zahl auf 40.013.

1. Halbjahr 2013 und Ausblick

Sie wird nun sicherlich interessieren, ob wir diese Erfolgszahlen auch in 2013 fortschreiben können. Diese Frage kann ich Ihnen mit einem klaren "Ja" beantworten. Gestatten Sie mir, Ihnen nun einen aktuellen Zwischenstand zum laufenden Geschäftsjahr zu geben.

DATEV setzte im ersten Halbjahr 2013 401,9 Mio. Euro (Vorjahr: 382,6 Mio. Euro) um. Das bedeutet ein Wachstum von 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Angestellten stieg bis Ende Juni auf 6.487. Damit haben wir das neue Geschäftsjahr sehr erfolgreich begonnen. Der Umsatzanstieg resultiert aus der durchgängig regen Nachfrage in allen Produktgruppen.

Für das Gesamtjahr 2013 trauen wir uns zu, das Wachstumsniveau bei 5,0 Prozent zu halten. Bei einer für 2013 prognostizierten Steigerung des Marktvolumens im IT-Sektor von 2,2 Prozent ist das ein ausgesprochen gutes Signal für unsere Genossenschaft. Zudem rechnet DATEV für 2013 mit etwas mehr als 400 Neueinstellungen.

Dass wir für unsere Mitarbeiter nach wie vor auch ein attraktiver Arbeitgeber sind, zeigen uns die Auszeichnungen, die wir nun zum wiederholten Male durch renommierte Institutionen erhalten haben. So haben wir im Wettbewerb "GreatPlacetoWork 2013" bei den Großunternehmen nicht nur als zweitbester Arbeitgeber in der IT abgeschnitten, sondern auch im branchenübergreifenden Wettbewerb den 2. Rang belegt. Die Ergebnisse des GreatPlacetoWork-Wettbewerbs finden ihre Entsprechung auch in der ganz frisch entgegengenommenen Zertifizierung "berufundfamilie", die wir mittlerweile zum vierten Mal durchlaufen haben. Wir sehen in diesen Wettbewerben und Audits auch ein Management-Tool, das uns dabei hilft, unsere Attraktivität als Arbeitgeber weiter zu steigern.

Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Teilzeit-Varianten auch für Führungskräfte, aber ebenso mit modernen, innovativen Bürokonzepten und Arbeitsplätzen, möchte die DATEV auch zukünftig für qualifizierte Fach- und Führungskräfte attraktiv bleiben.

DATEV-Challenge

Wie Sie sicherlich schon erfahren haben, ist die DATEV neuer Titelsponsor des Challenge Roth, der mit über 5.000 Teilnehmern und ca. 200.000 Zuschauern zu einer der größten Triathlon-Veranstaltungen weltweit zählt. Verbindende Idee der Genossenschaft und der Challenge-"Familie" ist: Gemeinschaft zu fördern, um sie fit für die Zukunft zu machen. Wir sind schon sehr gespannt darauf, wie sich speziell auch unsere 16 DATEV-Teams schlagen werden und freuen uns auf dieses spannende Event.

IT-Campus / KITA Champini Höfen

Gestatten Sie mir, dass ich noch ein paar Worte zur aktuellen Entwicklung unserer Standorte in Nürnberg verliere.

Wer die Fürther Straße entlang fährt, sieht, dass die Arbeiten an unserem DATEV IT-Campus 111 in den vergangenen Wochen rasant vorangeschritten sind. Anfang April wurde mit einem feierlichen Akt der Grundstein für den Neubau des Software-Entwicklungszentrums gelegt. Mit der Errichtung des Rohbaus wurde bereits begonnen und er soll noch im Laufe des Jahres 2013 abgeschlossen werden. Ab 2015 sollen im neuen Gebäudekomplex die derzeit an verschiedenen Standorten verteilten Entwicklerabteilungen unter einem Dach zusammengenführt werden, um Synergieeffekte zu nutzen. Besonders erfreulich ist, dass es trotz der Größe und Komplexität des Bauvorhabens bisher nur zu unwesentlichen Abweichungen vom Zeitplan kam. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir auch im budgetierten Kostenrahmen bleiben werden. Auch der Bau unseres zweiten - wenn auch deutlich kleineren - Projektes, der KITA Champini Höfen, schreitet erfreulich voran. Die Kindertagesstätte wird voraussichtlich Ende 2013 ihren Betrieb aufnehmen. Schon zum jetzigen Zeitpunkt gibt es mehr Anmeldungen als Betreuungsplätze. Es zeigt uns, dass hier tatsächlich Handlungsbedarf bestand.

Trotz der überaus positiven Geschäftsentwicklung müssen wir uns gerade als IT-Dienstleister in der Zukunft auch zahlreichen Herausforderungen stellen. Im Folgenden möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick zu den anstehenden Herausforderungen für DATEV und unsere Mitglieder geben.

Digitale Prozessabwicklung zwischen Mitgliedern und Mandanten

Die Arbeitsteilung zwischen den Berufsträgern und deren vor allem mittelständischen Mandanten wird intensiver - und dies muss dementsprechend auch in den IT-Prozessen abgebildet werden. Für die Berufsstände - also Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte - und die Genossenschaft bleibt die digitale Prozessabwicklung in den kommenden Jahren daher das entscheidende Thema. Unser Bestreben kann es aber nicht sein, nur das Ersichtliche abbilden zu wollen. Vielmehr wollen wir gemeinsam mit dem Steuerberater Zukunftsgestalter sein und Themen weiter voranbringen, die entbürokratisierend wirken und zu effizienteren Abläufen in mittelständischen Unternehmen führen.

Für eine Optimierung und Vereinfachung von Prozessen mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechniken ist zudem auch ein effizientes Zusammenspiel mit den Behörden entscheidend.

Im Folgenden möchte ich Ihnen daher einen kurzen Status zu aktuellen E-Government-Projekten geben.

ELStAM-Übermittlungen erfolgreich gestartet

Mit einem Jahr Verspätung ist zum 1. November 2012 nun ELStAM - also die Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale - gestartet. Arbeitgeber haben nun die Möglichkeit, ihre Beschäftigten im ELStAM-Verfahren anzumelden und seit 1. Januar 2013 die gültigen Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (also zum Beispiel Lohnsteuerklasse und Kinderfreibeträge) abzurufen. Bis Ende Juni 2013 sind bereits über 860.000 Arbeitgeber über DATEV in das elektronische Verfahren eingestiegen. Damit wurde die Datenübermittlung für mehr als 7,8 Mio. Arbeitnehmer über unser Rechenzentrum abgewickelt - Tendenz steigend. Spätestens mit der Lohnabrechnung Dezember 2013 ist der Wegfall der Lohnsteuerkarte aus Papier endgültig besiegelt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Arbeitgeber im Rahmen der Kulanzregelung verpflichtet, die ELStAM erstmalig abzurufen.

Verpflichtende E-Bilanz naht

Unternehmen können der Verwaltung immer mehr Auskünfte in digitaler Form übermitteln. 2014 kommt die E-Bilanz, also die elektronische Buchführung und Bilanzierung, hinzu. Jahresabschlüsse für die Wirtschaftsjahre ab 2013 (mit wenigen Ausnahmen) müssen dann elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt werden. Viele Unternehmen arbeiten mit Unterstützung der steuerberatenden Berufe bereits mit Hochdruck an der Einführung der E-Bilanz. Mit rechtzeitiger Beratung durch den Steuerberater ist die Umstellung oftmals auch nur eine Formsache. DATEV hat frühzeitig entsprechende Entwicklungen begleitet und stellt die notwendige technische Unterstützung zur Verfügung.

SEPA-Umstellung

Nach ELStAM und E-Bilanz steht jetzt auch noch SEPA vor der Tür. SEPA (Single Euro Payments Area) vereinfacht Zahlungen über Ländergrenzen hinweg, weil die entsprechenden Überweisungen und Lastschriften im europäischen Zahlungsverkehrs-Raum standardisiert werden. Damit wird eine Hürde für internationale Geschäftsaktivitäten abgebaut. Doch erst einmal bedeutet dies für Unternehmen, Kanzleien, Vereine und Kommunen, dass sie ihre kaufmännischen Prozesse an die neuen SEPA-Anforderungen anpassen müssen, um weiterhin Überweisungen und Lastschriften ausführen zu können. Da es keine Übergangsfrist gibt, drohen bei Nicht-Umstellung ernsthafte Liquiditätsprobleme.

Leider wird der Umstellungsaufwand vielfach noch immer unterschätzt, denn er bringt mehr mit als nur neue Kontonummern und Bankleitzahlen, beispielsweise neue Fristen: So müssen künftig Zahlungspflichtige bis zu 14 Tage vor dem Zahlungseinzug über die Höhe der Lastschrift und den Einzugstermin informiert werden. DATEV unterstützt daher tatkräftig mit umfassenden Informationen und Anwendungen, um Steuerberater und deren Mandanten "fit für SEPA zu machen".

Selbstverständlich sind wir auch als Unternehmen selbst von der Umstellung betroffen, denn wir wickeln unter anderem jeden Monat 40.000 Kunden-Lastschriften ab. Betroffen sind aber auch die Bankkonten der Mitarbeiter für die monatlichen Gehaltszahlungen. Deshalb haben wir bereits entsprechende Vorkehrungen getroffen.

DATEV Unternehmen online/eRechnung - für mehr Effizienz in Unternehmen

Die DATEV kümmert sich seit vielen Jahren um den Einsatz moderner kaufmännischer IT-Lösungen in mittelständischen Unternehmen. Bereits seit 2005 haben wir mit "Unternehmen online" eine Lösung sehr erfolgreich auf dem Markt, über die Belege digitalisiert und dann im DATEV-Rechenzentrum gespeichert werden können. Sowohl das Unternehmen wie auch der jeweilige Steuerberater können auf die in diesem geschützten Umfeld hinterlegten Belege jederzeit zugreifen. Vor vier Jahren haben wir zudem eine Möglichkeit geschaffen, mit der sich elektronische Rechnungen auf einfache und rechtssichere Art sowohl akzeptieren als auch versenden lassen. Die Lösung "Belegverwaltung online" nutzen mittlerweile über 70.000 Unternehmer. 70.000 Unternehmer haben sich damit von Schuhkartons und Pendelordnern voller Belege verabschiedet.

Auch mit eigenen Lösungen möchte die Genossenschaft weiterhin Standards für effiziente kaufmännische Prozesse im Mittelstand setzen. So engagiert sich die DATEV im Rahmen des Forums elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) bereits seit einigen Jahren für die Akzeptanz und Verbreitung elektronischer Rechnungen im Mittelstand. Ein Meilenstein bildet die Entwicklung eines neuen PDF-Standards "ZUGFeRD", der das automatische Erfassen der Belegdaten etwa für die Finanzbuchführung und den Zahlungsverkehr ermöglicht.

ZUGFeRD hat viele Vorteile: Der neue Standard ist branchenübergreifend und konzentriert sich auf den Kern relevanter Rechnungsbestandteile. Er wird somit auch in kleinen und mittleren Unternehmen einsetzbar. Der elektronische Austausch von Rechnungen in Deutschland könnte so auf ein neues, effizienteres Niveau gehoben werden.

Wir hoffen, dass der neue Standard künftig auch in der Kommunikation mit Behörden und großen Unternehmen genutzt werden kann. Das neue PDF-Format für elektronische Rechnungen hat dann das Potenzial, wirklich zum Zugpferd für die sichere und effiziente unternehmensübergreifende Kommunikation rund um die betriebswirtschaftlichen Prozesse aller Unternehmen zu werden.

Eine Pilotversion eines Tools für die Annahme von eRechnungen mit diesem Standard wird es voraussichtlich 2014 geben.

GoBD vs. GoBIT - Buchführung im digitalen Zeitalter

Last but not least möchten wir noch ein Thema ansprechen, das für den steuerberatenden Berufsstand von besonderer Bedeutung ist und gerade heiß diskutiert wird. Es geht um die Anforderungen an die elektronische Buchführung. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat im April einen Entwurf für die Nachfolgenormen der GoBS ("Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme") und der GDPdU ("Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen") vorgelegt: die GoBD ("Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff").

Es steht außer Frage, dass die heute noch geltenden Grundsätze aktualisiert und an den modernen Stand der Technik angepasst werden müssen, stammte doch die letzte Fassung der GoBS aus dem Jahr 1995. Der hierzu vorgelegte Entwurf der Finanzverwaltung kann aber von der Wirtschaft auch in seiner überarbeiteten Fassung vom Juni 2013 so noch nicht akzeptiert werden. Die Anforderungen müssen die Wertungen des Handelsrechts und die Arbeitsweise moderner Buchführungssysteme berücksichtigen, dürfen aber nicht zusätzliche bürokratische Lasten auf die Unternehmen und ihre Berater abladen. Genau das ist jedoch nach wie vor der Fall.

Der von der Wirtschaft, genauer: der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung (AWV) erstellte Entwurf für "Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beim IT-Einsatz" (GoBIT) wurde seitens der Finanzverwaltung völlig ignoriert. Darin werden aber die eben bereits angemahnten wichtigen handelsrechtlichen Vorschriften mit Hinblick auf die zeitgemäße Organisation einer EDV-Buchführung festgehalten. Es werden so zum Beispiel die Anforderungen an digitale Belege formuliert oder Erläuterungen zur Verantwortung bei der Auslagerung von IT-Buchführungssystemen gegeben.

Es kann nicht sein, dass nun Grundsätze für den Berufsstand und Unternehmen zum Tragen kommen sollen, die auf einem IT-Verständnis beruhen, wie es noch vor 20 Jahren vorzufinden war.

Es kann nicht sein, dass Forderungen an das Belegwesen gestellt werden, die Bürokratie nicht ab- sondern aufbauen.

Es kann nicht sein, dass die Finanzverwaltung im Alleingang Anforderungen an die elektronische Buchführung definiert, die weder zeitgemäß noch zur Erfüllung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung notwendig sind.

Bürokratiekostenabbau ist etwas anderes als die Verlagerung bürokratischer Aufwendungen von den Behörden auf die Privatwirtschaft!

Wir bauen nach wie vor darauf, dass Wirtschaft und Verwaltung solche weitreichenden Grundsätze gemeinsam erarbeiten und dann auch gemeinsam tragen. Das Konzept der von der Wirtschaft entwickelten GoBIT besteht in der behutsamen Fortentwicklung der GoBS und deren Anpassung an die neuen Technologien, so dass eine Fortentwicklung, aber keine grundlegende Umstellung der aktuellen Buchführungssysteme erforderlich wird. Dass die gemeinsame Kritik von Berufskammern und Berufsverbänden, den Branchenverbänden und auch der DATEV nicht ganz wirkungslos war, zeigt ein Blick in den vom BMF in der letzten Woche vorgestellten, überarbeiteten Entwurf. Hier ist immerhin schon das leidige Thema Kontierung auf dem Beleg vom Tisch. Ein Teilerfolg - ja! Aber noch zu weit entfernt von sinnvollen, zukunftsgerichteten Grundsätzen für ein modernes IT-gestütztes Rechnungswesen.

Ein Beispiel: Bislang besteht in der Praxis Unsicherheit darüber, wann Originaldokumente nach dem Scannen vernichtet werden dürfen. Die Aussage im GoBD-Vorschlag zum ersetzenden Scannen von Dokumenten, dass "Papierdokumente vernichtet werden können, soweit sie nicht nach steuerlichen und außersteuerlichen Vorschriften im Original aufzubewahren sind", ist zwar in sich logisch, bringt aber wenig Klarheit. Vor allem kleinere Unternehmen und der steuerberatende Berufsstand brauchen hier endlich eine klare und handhabbare Regelung. Dazu wollen wir als DATEV beitragen.

Im Oktober werden wir gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel eine Simulationsstudie zum "Ersetzenden Scannen" durchführen. Wir möchten damit herausfinden, ob neue technisch-organisatorische Lösungen, die in Kanzleien und Unternehmen entbürokratisierend wirken würden, auch juristisch möglich sind. Neben Vertretern der Judikative sowie betroffenen Verbänden und Kammern werden viele weitere Praktiker für die Studie, bei der unter anderem ein Gerichtsverfahren simuliert wird, nach Nürnberg kommen.

Das Thema ersetzendes Scannen ist für Unternehmen und Kanzleien von besonderer Relevanz, weil es hier um die Vermeidung hoher und überflüssiger Kosten geht. Wir hoffen, mit dieser Simulation zu einer besseren rechtlichen Orientierung beitragen zu können. Durch praxistaugliche und rechtssichere Methoden zum ersetzenden Scannen könnten dann auch im Mittelstand mittelfristig die Papier-Archive deutlich reduziert werden.

Schlussbemerkungen

Meine Damen und Herren,

es klingt so einfach: Abläufe müssen vereinfacht, Bürokratie abgebaut und dadurch verursachte Kosten eingespart werden! Die fortschreitende Digitalisierung bietet hierfür die besten Voraussetzungen.

Doch so einfach ist es eben doch nicht: Komplexe Zusammenhänge, unterschiedliche Interessen und rechtliche Anforderungen müssen unter einen Hut gebracht werden. Die Tücke liegt oftmals im Detail. ELENA lieferte hierfür den besten Beweis. Bevor Effizienzpotenziale realisiert werden können, ist in vielen Fällen erst einmal ein erheblicher Mehraufwand erforderlich. Viele Unternehmer empfinden den Umstellungszwang seitens der Bundesregierung als Belastung und befürchten, dass sie mehr und mehr zum gläsernen Unternehmen mutieren. Auch darum sind hohe Standards bei Datenschutz und Datensicherheit wie sie bei DATEV gelebt werden so wichtig - und das nicht erst, seit der amerikanische und der britische Geheimdienst mit ihren Datensammel-Programmen PRISM und Tempura für Schlagzeilen sorgen.

Mit dem Anfang Juni vom Bundesrat verabschiedeten E-Government-Gesetz sollen nun auch die Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen an die digitale Welt angeschlossen werden. Mit dem Abbau bundesrechtlicher Hemmnisse wird ein wichtiger Beitrag zur Erleichterung der elektronischen Kommunikation mit der Verwaltung geleistet - und davon profitieren wir letztendlich alle. Um jedoch effizientere Abläufe insbesondere in mittelständischen Unternehmen zu schaffen, benötigen wir integrierte Lösungen und medienbruchfreie Prozesse. Und hier ist die Wirtschaft gefordert zu handeln, denn sie kennt die Praxis. Schließlich muss sie tagtäglich damit arbeiten. Beispiele, wie der Vorstoß der Finanzverwaltung mit dem unzureichenden GoBD-Entwurf, zeigen, dass alltagstaugliche Lösungen nur zu finden sind, wenn Politik, Verwaltung und Wirtschaft an einem Strang ziehen.

Und lassen Sie mich am Ende vielleicht noch eine kurze Bemerkung machen angesichts einer intensiv geführten Debatte um geheimdienstliche Ausspähungsmaßnahmen von Internetdaten. Als DATEV sehe ich unmittelbar keine Auswirkungen auf unsere Geschäfte mit den über 40.000 Mitgliedern und deren Mandanten. Hohe Sicherheitsstandards und Datenschutz gehören schon seit fast 50 Jahren sozusagen zur DNA der DATEV. Vor allem mit Blick auf die Wahrnehmung in kleinen und mittelständischen Unternehmen brauchen wir von Politik und Sicherheitsbehörden schnell größtmögliche Transparenz und Aufklärung, um das Vertrauen in Cloud- und Internetdienste nicht dauerhaft zu erschüttern. Es gibt aus meiner Sicht keine Alternative zur Nutzung von IT in allen Lebensbereichen, also brauchen wir deren breite gesellschaftliche Akzeptanz.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!