Ratgeber Steuer & Recht - November 2015

Ohne Planung geht nichts

Der Businessplan ist der Kern jedes Gründungsvorhabens

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Quelle: DATEV eG

Nürnberg, 24. November 2015: Es gibt in der Wirtschaftsgeschichte legendäre Beispiele über das Gelingen und Scheitern junger Unternehmer. Zum Beispiel von Coca-Cola. Durch Zufall hatte der Drogist John S. Pemberton 1886 die geniale Formel für das Erfrischungsgetränk entwickelt. Doch Pemberton verkaufte kaum mehr als 15 Gläser pro Tag und gab nach einiger Zeit resigniert auf. Für bescheidene 2.300 Dollar kaufte fünf Jahre später der Geschäftsmann Asa G. Candler die alleinigen Nutzungsrechte für den Soft-Drink. Candler hatte den nötigen Weitblick und den unternehmerischen Instinkt, er erkannte sofort das enorme Potenzial, das hinter diesem Getränk steckte. Unter seiner Regie entwickelte sich Coca-Cola binnen kurzer Zeit zu einem der erfolgsreichsten Produkte der Welt.

Heute können wir wohl davon ausgehen, dass sich weder Pemberton noch Candler die Mühe gemacht hatten, einen detaillierten Business-Plan zu entwickeln. Unternehmerisch denkende Menschen sollten beim Start in die Selbstständigkeit aber besser ihre Ideen und ihre Strategien genau kennen und analysieren. Sonst kann die Firmengründung zu einem unkalkulierbaren Risiko werden. Zwar gehört ein Quäntchen Glück zu jedem erfolgreichen Firmenstart, aber mit der richtigen Vorbereitung lassen sich die Risiken mindern und kalkulieren.

"Der Businessplan ist nicht ohne Grund als das Herzstück der Planung einer Selbständigkeit zu sehen", betont Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender der DATEV. Ein solches Gedanken- und Konzeptpapier gebe den Ausschlag, ob eine Geschäftsidee auch von potenziellen Geldgebern als realisierbar eingeschätzt werden kann.

Ein Businessplan geht der Frage nach, die jeden Gründer umtreibt: Ist die eigene Geschäftsidee erfolgversprechend? Im Aufbau folgt er stets demselben Muster: Vorweg eine Zusammenfassung der Kernaussagen und dann Produkt- und Geschäftsbeschreibung, Markteinschätzung und Vertriebsmodell, Chancen- und Risikoanalyse und - als wichtigster Punkt zum Schluss - die Finanzplanung.

In erster Linie muss der Business-Plan aussagekräftig sein und alle Informationen enthalten, die für das Vorhaben relevant sind. Er sollte in verschiedene Kapitel unterteilt sein, dabei sollte eine "ExecutiveSummary" - also eine Zusammenfassung aller Inhalte auf ein bis zwei Seiten - als erstes Kapitel vorangestellt werden. Diese Zusammenfassung dient zur Orientierung und soll das Interesse zum Weiterlesen wecken. Dr. Dieter Mehnert, Präsident der Steuerberaterkammer Nürnberg, erklärt: "Der gesamte Business-Plan sollte leicht verständlich geschrieben, gut lesbar, klar gegliedert und nicht länger als 30 Seiten sein. Auch die Optik zählt - er sollte professionell gestaltet sein - nicht zu bunt oder verspielt."

In einen aussagekräftigen Business-Plan gehören zudem folgende Inhalte: eine gute Beschreibung der Geschäftsidee, welches Produkt oder welche Dienstleistung angeboten werden soll, eine Darstellung des Gründerprofils (welche Erfahrungen und Qualifikationen bringen die Gründer mit?), eine Markteinschätzung (Größe und Zusammensetzung der Zielgruppe), Informationen zur Marktsituation (Marktvolumen, Wettbewerb, Preisstruktur), eine Standortanalyse sowie Angaben zu Lieferanten, Personal und Vertrieb.

Auch Planungen für die Außendarstellung, also Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen, gehören dazu. "Natürlich spielt auch die Wahl der Rechtsform und die Begründung dieser Wahl eine Rolle. Sowie der Kapitalbedarf", ergänzt Mehnert.

Dass die Erstellung eines Businessplans ein aufwändiges Unterfangen ist, steht außer Frage - aber je genauer und durchdachter dieser erstellt wird, desto einfacher werden die Gespräche mit Investoren. Und Existenzgründer haben einen "Fahrplan" an der Hand, durch den sie in den ersten Jahren ihre Gedanken und Ideen bei der Gründung mit dem tatsächlichen Verlauf vergleichen können. Zahlreiche Existenzgründer machen es sich allerdings zu leicht, sie handeln bei der Erstellung ihres Business-Plans mitunter sehr schnell und dadurch teilweise unüberlegt. Kempf gibt zu bedenken "dass die Recherchen des zukünftigen Marktes, die Prüfung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten und die Kontaktaufnahme zu potenziellen Lieferanten und Partnern viel Zeit kosten." Wichtige Entscheidungen müssen ebenfalls vor dem Unternehmensstart getroffen werden. Steuerberater Mehnert rät: "Grundsätzlich sollte man für die komplette Vorbereitung durchaus einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten einplanen. Das eigentliche Schreiben des Business-Plans nimmt hierbei nur etwa ein Viertel der Zeit ein."

Ein erster Ansprechpartner für den Existenzgründer ist der Steuerberater mit seinem steuerlich-betriebswirtschaftlichen Fachwissen und entsprechenden Anregungen für den jungen Unternehmer. Er ist neutral und zur Verschwiegenheit verpflichtet. In der Regel ist er auch der einzige Berater aus der Gründungsphase, der den Gründer auch in der Zukunft über Jahre hinweg betreut. Zu den wichtigsten Grundlagen gehört aber auch die absolute Ehrlichkeit der potentiellen Existenzgründer sich selbst gegenüber.

Nach den Erfahrungen von Gründungsspezialisten scheitern noch immer viele Selbstständige aufgrund haarsträubender Qualifikations- und Informationsmängel. Mehnert: "Da werden einfachste Buchführungspflichten und Steuerregeln missachtet, übermächtige Mitbewerber und fehlende Kaufkraft nicht berücksichtigt oder die realen Ertragschancen maßlos überschätzt." Er warnt auch vor jedem "Schönrechnen" - "Verschaffen Sie sich von Anfang an einen realistischen Überblick, welche Ziele Sie mit Ihren Fähigkeiten, Plänen und Möglichkeiten realisieren können." Angehende Unternehmer sollten sich auch darüber im Klaren sein, ob ihre Beziehung und ihr Familienleben den zeitlichen Belastungen einer beginnenden Selbstständigkeit standhalten. Wenn der Lebenspartner nicht mitzieht, wird es in der Regel schwierig, die Motivation für die Selbstständigkeit zu erhalten.

Und keinem Existenzgründer ist damit gedient, in der Start-Euphorie den Überblick zu verlieren. Erfolgreiche Gründer wissen: Einen Business-Plan schreibt man vor allem für sich selbst.

Die Reihe "Ratgeber Steuer & Recht" ist ein Angebot der Steuerberater- und Rechtsanwaltskammern Nürnberg sowie der DATEV eG.

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Thomas Kähler

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