Ratgeber Steuer & Recht - Mai 2015

Schüler und Studenten: Auf Steuern und Sozialversicherung achten

Nach Erhebungen des Studentenwerks verdienen sich rund zwei Drittel der Nachwuchs-Akademiker etwas dazu

Nürnberg, 8. Juni 2015: Meistens kommen die Eltern für den Lebensunterhalt von Studierenden auf. Nach Erhebungen des Studentenwerks verdienen sich aber rund zwei Drittel der Nachwuchs-Akademiker etwas dazu. Drei Viertel davon geht es darum, sich etwas mehr leisten zu können. Und 60 Prozent sagen, durch das eigene Einkommen unabhängiger von ihren Eltern werden zu wollen.

"Grundsätzlich können erwachsene Studierende selbst darüber entscheiden, ob sie einen Nebenjob ausüben möchten. Sie benötigen keine Genehmigung einer Institution oder Person, um neben ihrem Studium jobben zu dürfen", betont Hans Link, Präsident der Rechtsanwaltskammer Nürnberg. Bei Schülern oder Studenten unter 18 Jahren ist das in der Regel etwas komplizierter. Generell gilt, dass Kinder unter 13 Jahren überhaupt nicht arbeiten dürfen. Diese Grundsatzbestimmung kommt aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Link mahnt: "Jugendliche, die über 13 Jahre alt sind, dürfen mit Einwilligung ihrer Eltern zwar an Werktagen zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten, aber nicht länger als zwei Stunden täglich und keinesfalls während der Schulzeit." Ein solcher Job muss allerdings einer leichten und für Kinder geeigneten Tätigkeit entsprechen. Beispiele hierfür sind die klassischen Schülerjobs wie das Austragen von Zeitungen, Babysitten oder das Erteilen von Nachhilfe. Schwerere Arbeiten wie zum Beispiel die Arbeit am Fließband sind, selbst wenn die Eltern einwilligen würden, untersagt.

Insbesondere Studierende werden von vielen Unternehmen jeder Größenordnung gern als Aushilfe eingesetzt. Zum einen liegt der Grund sicherlich darin, dass viele Studenten nicht nur während der Semesterferien, sondern auch während des Semesters zeitlich relativ flexibel einsetzbar sind.

Da sich "ordentliche Studierende" im Wesentlichen um ihr Studium kümmern sollten, dürfen sie nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten. Aber das Studium stellt auch noch den Schwerpunkt der Arbeitsleistung des Studenten dar, wenn die Beschäftigung von vornherein auf nicht mehr als zwei Monate bzw. drei Monate in den Jahren 2015 bis 2018 befristet ist oder die Beschäftigung ausschließlich während der Semesterferien ausgeübt wird.

Um Steuern müssen sich Schüler und Studenten in der Regel keine Gedanken machen. Wenn sie neben dem Studium oder Schulunterricht sowie in den Ferien arbeiten, liegt ihr Einkommen häufig unter dem einkommensteuerlichenGrundfreibetrag. Wenn keine weiteren Einkünfte vorliegen, fällt bei ledigen Arbeitnehmern bis zu einem Jahresarbeitslohn von 10.679 Euro keine Einkommensteuer an.

Falls der Arbeitgeber vom Arbeitslohn Steuern einbehalten hat, können Schüler oder Studenten diese Beträge vom Finanzamt zurückfordern. Der Antrag auf Einkommensteuerveranlagung kann allerdings erst nach Ablauf des Kalenderjahres gestellt werden, in dem der Arbeitslohn bezogen wurde. Für den Antrag haben Studenten oder Schüler mit Nebenjob sogar vier Jahre lang Zeit.

Auch über die Sozialversicherung müssen sich Schüler keine Gedanken machen, denn sie sind in einer neben dem Schulbesuch ausgeübten Beschäftigung versicherungsfrei, wenn der Neben- oder Ferienjob als geringfügig anzusehen ist. In der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung besteht für sie ohnehin Versicherungsfreiheit, von der grundsätzlich bestehenden Rentenversicherungspflicht können sich Schüler befreien lassen.

Studierende kommen dagegen nicht immer an der Sozialversicherung vorbei. Ist ihr Arbeitsverhältnis von vornherein auf maximal zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage befristet, dann ist der Student unabhängig von Arbeitsentgelt und Arbeitszeit sozialversicherungsfrei (auch in der Rentenversicherung). Dabei spielt es keine Rolle, ob der Student während des Semesters oder in den Ferien arbeitet. Im Zusammenhang mit der Einführung des Mindestlohns gilt für die Jahre 2015 bis 2019 sogar eine befristete Ausweitung der kurzfristigen Beschäftigung auf 70 Tage. Im Rahmen einer solchen kurzfristigen Beschäftigung kann ein Student während des Semesters sogar 30 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten, ohne seinen Status als Student zu verlieren und sozialversicherungspflichtig zu werden.

In der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sind Studenten selbst außerhalb des Rahmens einer geringfügigen Beschäftigung versicherungsfrei, wenn sie als Werkstudenten zählen (Personen, die während ihres Studiums als ordentlich Studierende gegen Arbeitsentgelt beschäftigt werden) und das Studium die überwiegende Zeit und Arbeitskraft des Studenten in Anspruch nimmt. Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender der DATEV, warnt allerdings: "Wenn Studenten eine mehr als geringfügige Beschäftigung aufnehmen, unterliegen sie grundsätzlich der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung."

Aufpassen müssen Studenten auch, damit sie sonstige finanzielle Leistungen nicht gefährden. So wird das Einkommen aus einem Nebenjob grundsätzlich auf den Bafög-Bedarf angerechnet. Unter Berücksichtigung der üblichen Abzüge und einem nach dem Bafög gewährten Freibetrag bleiben in einem Bewilligungszeitraum von einem Jahr für Studierende nur 4.880 Euro anrechnungsfrei. Dies entspricht einem durchschnittlichenMonatsverdienst von 406 Euro. Für Bewilligungszeiträume ab dem 1. August 2016 steigt der Betrag auf 5.400 Euro (450 Euro monatlich). Mit Abzügen müssen auch die Empfänger vonWaisenrenten rechnen, denn ihnen wird das eigene Einkommen angerechnet. Von dem Einkommen, das diese Anrechnungsgrenzen übersteigt werden 40 Prozent auf die Waisenrente angerechnet.

Die Reihe "Ratgeber Steuer & Recht" ist ein Angebot der Steuerberater- und Rechtsanwaltskammern Nürnberg sowie der DATEV eG.

Pressekontakt

DATEV eG

Thomas Kähler

Telefon +49 911 319-51210
thomas.kaehler@datev.de