Rede Dr. Robert Mayr, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, DATEV eG

DATEV-Jahrespressekonferenz 2015
Nürnberg, 10. Juli 2015

(es gilt das gesprochene Wort)

Einleitung

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich darf Sie heute zu unserer Jahrespressekonferenz in Nürnberg sehr herzlich begrüßen und freue mich, Ihnen ein paar Highlights aus dem Jahresabschluss 2014 sowie einige weitere Informationen aus dem ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres vorstellen zu dürfen.

Insgesamt blicken wir auch dieses Mal auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück: Die DATEV konnte auch 2014 ihre positive Geschäftsentwicklung fortsetzen und erneut eine deutliche Umsatzsteigerung erzielen. Damit konnten sogar die sehr guten Umsatzzahlen des Vorjahres noch einmal gesteigert werden.

Unter dem Strich haben wir wieder ein erfreuliches Geschäftsergebnis erwirtschaftet, an dem unsere Mitglieder durch Ausschüttung einer genossenschaftlichen Rückvergütung partizipieren.

2014: Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Marktsituation

(siehe auch beiliegende Tabelle über die Eckwerte zur Geschäftsentwicklung 2010 bis 2014 am Ende der Seite)

Die deutsche Wirtschaft hat sich trotz internationaler Krisen im Jahresdurchschnitt 2014 insgesamt als stabil erwiesen: Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) war um 1,6 Prozent höher als im Vorjahr und lag damit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 1,2 Prozent.

Der Markt für Informationstechnologie hat sich weiterhin positiv entwickelt und stieg nach Angaben des Branchenverbandes BITKOM um 4,2 Prozent auf 77,8 Milliarden Euro.

Mit einem Umsatzwachstum von 5,1 Prozent konnte unsere Genossenschaft sowohl das Wachstum der deutschen Gesamtwirtschaft als auch das Branchenwachstum wieder einmal deutlich übertreffen.

Woher kommt dieses Wachstum?

Stetiges Umsatzwachstum

Die Genossenschaft erwirtschaftete einen Umsatz von 843,5 Millionen Euro.

Wie die Grafik zeigt, hat sich unser Wachstum in der zurückliegenden Dekade kontinuierlich fortgesetzt, mit einer steigenden Tendenz in den letzten Jahren. Mit einer Wachstumsrate von 5,1 Prozent (Vorjahr 5,7 Prozent) verlangsamte sich der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht, liegt mit +40,6 Millionen Euro absolut betrachtet fast auf dem Niveau des Vorjahres mit +43,4 Millionen Euro.

Dieses stetig positive Wachstum ist für DATEV eine Bestätigung des nachhaltig ausgerichteten, genossenschaftlichen Wirtschaftsmodells.

Ein besonders deutliches Wachstum verzeichneten die Produktgruppen Rechnungswesen, Personalwirtschaft, IT-Sourcing und Steuern. Sie erwirtschafteten fast 90 Prozent des gesamten Umsatzwachstums.

Der Umsatz der Produktgruppe Rechnungswesen stieg um 16,3 Millionen Euro (2013: 10,2 Millionen Euro) und verzeichnete im Produktgruppenvergleich das höchste absolute Umsatzplus. Dabei konnte die DATEV die Umsätze bei den Leistungen rund um die Datendrehscheibe Rechenzentrum erneut ausbauen. Hier wirkte sich insbesondere das neue Angebot E-Bilanz deutlich auf das Wachstum aus. Die Online-Lösungen waren weiter im Aufwind und gewannen generell in deutschen Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Die Produktgruppe Personalwirtschaft erwirtschaftete ebenfalls wieder ein erfreuliches Umsatzwachstum und erzielte die zweitstärkste absolute Zunahme. Sie hat allein 10,7 Millionen Euro (2013: 8,6 Millionen Euro) zu unserem gesamten Umsatzwachstum beigetragen. Grund hierfür war nicht zuletzt die anhaltend gute konjunkturelle Lage auf dem Arbeitsmarkt und die damit verbundene erfreuliche Entwicklung der Anzahl der über DATEV-Software abgerechneten Arbeitnehmer.

Im IT-Sourcing stieg der Umsatz um 4,8 Millionen Euro (2013: 4,4 Millionen Euro) und verzeichnete mit 20 Prozent im Produktgruppenvergleich das höchste relative Umsatzplus. Das Wachstum resultierte fast ausschließlich aus dem DATEV-Druck- und Versandservice für Dritte.

Mit einem Umsatzplus von 4,3 Millionen Euro (2013: 7,4 Millionen Euro) konnte die Produktgruppe Steuern ebenfalls ein starkes Wachstum verzeichnen. Die positive Entwicklung basierte auch in diesem Jahr auf unseren Angeboten zur elektronischen Übermittlung - bekannt unter dem Schlagwort "E-Steuern".

Bei Betrachtung des Umsatzwachstums nach Zielgruppen waren die Lösungen für Kanzleien mit einem Umsatzplus von 25,7 Millionen Euro weiterhin das absolut betrachtet am stärksten wachsende Segment. Der Anstieg kam dabei hauptsächlich von den Steuerberatern.

Das Umsatzplus im Segment Lösungen für Unternehmen lag bei 9,4 Millionen Euro. Damit hat dieses Marktsegment rund ein Viertel zur gesamten Umsatzsteigerung der DATEV beigetragen.

Auch das Nicht-Mitgliedergeschäft (Lösungen für Dritte) machte mit 5,4 Millionen Euro einen bedeutsamen Umsatzanteil aus.

Beim Blick auf den absoluten Anteil der Segmente am Gesamtumsatz zeigt sich eine ähnliche Verteilung: Mit 642,4 Millionen Euro wurde der Umsatz im Wesentlichen im Segment der Lösungen für Kanzleien erwirtschaftet. Zusammen tragen die Lösungen für Unternehmen mit 163,4 Millionen Euro und die Lösungen für Dritte mit 37,7 Millionen Euro insgesamt rund ein Viertel zum Gesamtumsatz bei.

2014: Eckwerte

Und nun noch ein paar weitere Eckwerte für das Jahr 2014: Das Betriebsergebnis des Jahres 2014 betrug 52,4 Millionen Euro. Im Vorjahr belief es sich auf 51 Millionen Euro.

Das Betriebsergebnis 2014 kann zum Großteil als genossenschaftliche Rückvergütung an die Mitglieder ausgeschüttet werden.

Das Finanzergebnis verbesserte sich geringfügig um 0,3 Millionen Euro auf -6,9 Millionen Euro. Es besteht im Wesentlichen aus Zinsaufwendungen für die Finanzierung des DATEV IT-Campus 111 sowie die Verlustübernahme aus dem Ergebnisabführungsvertrag mit der DATEV IT Dienstleistungs- und Service GmbH.

Der nach Rückvergütung und Steuern verbleibende Jahresüberschuss von 6,3 Millionen Euro wird den Rücklagen zugeführt und stärkt das Eigenkapital. (Bei der Interpretation des Jahresüberschusses der DATEV eG ist eine genossenschaftliche Besonderheit zu beachten. Der Jahresüberschuss wird durch die genossenschaftliche Rückvergütung reduziert, da sie eine Aufwandsposition darstellt. Das führt nach derzeitiger Unternehmenspolitik dazu, dass das Betriebsergebnis im steuerlich zulässigen Rahmen fast vollständig an die Mitglieder in Form einer Rückvergütung ausbezahlt wird. Infolgedessen fällt der Jahresüberschuss der Genossenschaft stets vergleichsweise sehr niedrig aus.)

Durch Investitionen mit einem Volumen von 107,9 Millionen Euro (Vorjahr: 66,0 Millionen Euro) investierte DATEV in die Zukunft und sicherte erneut ihre künftige Ertragskraft.

Der deutliche Anstieg der Investitionen im Jahr 2014 war wesentlich durch den Neubau des DATEV IT-Campus 111 geprägt. Nach fast genau zwei Jahren Bauzeit wurde im April 2015 der neue Entwicklerstandort eröffnet.

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach DATEV-Dienstleistungen stieg die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 174. Die Erhöhung erfolgte primär in den Bereichen Service und Vertrieb sowie Entwicklung. Damit erhöhte sich die Belegschaft auf 6.780 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch die Zahl der Mitgliedschaften hat sich erneut erhöht. DATEV hatte zum Jahresende 40.393 Genossenschaftsmitglieder. Das waren 119 Mitglieder mehr als im Vorjahr.

Investitionen

Wenden wir uns nun der Vermögenslage zu und sehen uns die wesentlichen Investitionen in unsere Zukunft an:

DATEV investierte im vergangenen Geschäftsjahr 107,9 Millionen Euro. Bezogen auf den Umsatz ergab sich ein Investitionsanteil von fast 13 Prozent. Der kräftige Anstieg der Investitionen im Jahr 2014 war ganz wesentlich von unserem Neubau, dem DATEV IT-Campus 111, geprägt.

Auslandsmärkte

An dieser Stelle möchte ich auch kurz auf unsere Auslandsmärkte eingehen:

Die Vertriebsgesellschaften in Italien, Österreich, Polen und der Tschechischen Republik erzielten im Jahr 2014 planmäßige Ergebnisse. Auch 2014 blieb der italienische Markt, bezogen auf das Umsatzvolumen, weiterhin das bedeutendste Auslandsengagement der DATEV eG.

Alle Vertriebsgesellschaften, vor allem DATEV KOINOS S.r.l. (Italien) und DATEV.at GmbH (Österreich), konnten die Umsätze im Kerngeschäft Software-Vertrieb steigern und so ihre Marktposition stärken. Die modernen Lösungen DATEV Suite (Italien) und DATEV pro (Österreich) sind weiterhin die Eckpfeiler des Geschäfts und damit Basis für weiteres Wachstum.

Eine Veränderung gab es dagegen in Spanien: Da wir zu der Überzeugung gekommen sind, dass die bestehenden Chancen und Potenziale, die sich in Lateinamerika, Portugal und Spanien bieten, mit einer unabhängigen Struktur besser ausgeschöpft werden können, haben wir zum 28. November 2014 sämtliche Anteile an der bisherigen Tochtergesellschaft DATEV SINFOPAC an einen ihrer Geschäftspartner veräußert - und damit die unternehmerische Verantwortung für den Vertrieb von Softwareprodukten für Wirtschaftsprüfer in Spanien, Portugal und Lateinamerika übertragen. Das Unternehmen wird die bestehenden Kunden nahtlos und in gewohnter Qualität mit noch stärker lokalisierten Lösungen weiter betreuen.

Solide Finanzlage

Auch die Finanzlage zeigt ein solides Bild: Die hohen Investitionsausgaben mit einem Mittelbedarf von 113,8 Millionen Euro (Cashflow aus Investitionstätigkeit) konnten fast vollständig aus dem laufenden Geschäft finanziert werden. DerCashflow aus laufender Geschäftstätigkeit belief sich auf 105,8 Millionen Euro.

Im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit wirkten wie im Vorjahr zwei wesentliche Effekte. Dem Mittelabfluss aus der Auszahlung der Rückvergütung 2013 standen die letzten Teilauszahlungen langfristiger Darlehen zur Finanzierung des Neubaus DATEV IT-Campus 111 gegenüber. Insgesamt lag derFinanzmittelfonds zum Bilanzstichtag mit 12,1 Millionen Euro nur geringfügig überVorjahresniveau.

Die Mitglieder haben Anteil am Ergebnis

Auch in diesem Jahr partizipieren die Mitglieder wieder am Erfolg ihrer Genossenschaft. Das Betriebsergebnis 2014 kann wie in den Vorjahren zum Großteil als genossenschaftliche Rückvergütung ausgeschüttet werden.

Nach Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat beträgt die Rückvergütungsquote 5,0 Prozent des rückvergütungsfähigen Umsatzes. Dementsprechend wird für das Geschäftsjahr 2014 eine Rückvergütung von 36,8 Millionen Euro ausgeschüttet.

Der nach Rückvergütung und Steuern verbleibende Jahresüberschuss von 6,3 Millionen Euro wird entsprechend dem Beschluss der 46. ordentlichen Vertreterversammlung den Rücklagen zugeführt.

Soweit der erfreuliche Blick in den Rückspiegel.

Erstes Halbjahr 2015

Nun möchte ich Ihnen noch einen aktuellen Wasserstandsbericht zum ersten Halbjahr und einen Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr 2015 geben:

Aufgrund der grundsätzlich günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwarten wir für 2015 wiederum einen erfreulichen Geschäftsverlauf.

Die Umsatzzuwächse im ersten Halbjahr bestätigen diese Einschätzung. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielte DATEV im ersten Halbjahr 2015 eine Steigerung bei den Umsatzerlösen von 3,6 Prozent.

Im ersten Halbjahr besonders erfolgreich waren die Produktgruppen

  • Rechnungswesen (7,7 Millionen Euro)
  • Eigenorganisation (1,8 Mio. Euro)
  • Personalwirtschaft (1,5 Millionen Euro)
  • IT-Sourcing (0,8 Millionen Euro)
  • Steuern (0,7 Millionen Euro)
  • Cloud Software (0,7 Millionen Euro)

Das Betriebsergebnis liegt nach sechs Monaten mit 36,7 Mio. Euro (-4,1 Prozent) etwas unter dem Vorjahreszeitraum. Dies liegt vor allem an den sonstigen betrieblichen Erträgen, die im ersten Halbjahr 2014 höher ausgefallen sind.

Auf Grund der positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwarten wir auch für das gesamte Geschäftsjahr 2015 ein erfreuliches Umsatzwachstum. Daher wird DATEV ihre positive wirtschaftliche Entwicklung unverändert fortsetzen.

Gegenüber den Vorjahren pendelt sich das Umsatzwachstum wieder in der langjährigen Relation ein. In den Jahren 2013 und 2014 konnten wir insbesondere die Chancen, die sich aus dem E-Government ergeben, nutzbringend für die Genossenschaft umsetzten, wie z.B. die Einführung der E-Steuern (vorausgefüllte Steuererklärung) und der E-Bilanz.

Der Personalstand hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 90 Mitarbeiter erhöht. Schwerpunkte sind die Entwicklung von Zukunftsthemen, die Verstärkung unseres Serviceangebotes und der Ausbau moderner Technologien.

Die Anzahl der Mitglieder steigt weiter, und hat sich im Jahresvergleich um 90 Mitglieder erhöht.

Für das Jahr 2015 prognostizieren die einschlägigen Institutionen in der Gesamtschau für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ein Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt von 1,8 Prozent [Quelle: IWF (04/2015): 1,6 %; Bundesbank (06/2015): 1,7 %; Bundesregierung (04/2015): 1,8 %, EU-Kommission (05/2015): 1,9 %; IW Köln (04/2015): 2,3 %]. Auch die IT- Branche zeigt eine ungebrochene Innovationsdynamik mit einerWachstumserwartung von 3,2 Prozent. Diese Dynamik möchte die DATEV nutzen und erwartet daher für das laufende Geschäftsjahr ein Wachstum in mindestens dieser Größenordnung.

Schlussbemerkungen

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich die wirtschaftliche Lage der DATEV kurz zusammenfassen.

Mit dem Geschäftsverlauf der DATEV im Jahr 2014 waren wir insgesamt sehr zufrieden. Die Genossenschaft hat auch 2014 die positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre weiter fortgesetzt und damit ihre Ziele erreicht bzw. sogar übertroffen. Bei fast allen Produktgruppen war ein erfreulicherWachstumskurs zu verzeichnen.

In unseren Planungen gehen wir weiterhin von einer positiven Entwicklung aus. Wir wachsen nachhaltig und stabil - im Kerngeschäft und in weiteren Wachstumsfeldern.

Mit unseren wichtigsten Zukunftsthemen rund um sichere Cloud-Lösungen, E-Government, Digitalisierung von Geschäftsprozessen sowie IT- und Datensicherheit werden wir auch in Zukunft effizienzsteigernde und vor allem sichere Lösungen für unsere Mitglieder, deren Mandanten und unsere Kunden entwickeln.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.