Rede Prof. Dieter Kempf, Vorsitzender des Vorstands, DATEV eG

DATEV-Jahrespressekonferenz 2015
Nürnberg, 10. Juli 2015

(Es gilt das gesprochene Wort)

Einleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

guten Morgen und herzlich Willkommen zur Jahrespressekonferenz der DATEV, zum ersten Mal in unserem neuen IT-Campus.

Ich möchte Ihnen eingangs nur kurz die Eckpunkte des Abschlusses für das Geschäftsjahr 2014 und die Entwicklung im ersten Halbjahr 2015 erläutern und dann auf die wichtigsten Herausforderungen des laufenden Geschäftsjahres zu sprechen kommen.

Alle weiteren Details zu der Geschäftsentwicklung wird Ihnen dann gleich mein Kollege und Finanzvorstand Dr. Robert Mayr erläutern.

Wirtschaftliche Lage - DATEV erzielt starkes Jahreswachstum

DATEV hat 2014 die positive Geschäftsentwicklung weiter fortgesetzt und erneut ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr abgeschlossen:

  • Dies belegt ein starkes Umsatzwachstum um gerundet 40,6 Millionen Euro auf 843,5 Millionen Euro.
  • Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 5,1 Prozent. Damit kann die DATEV auch die erwartete Fünf vor dem Komma verzeichnen.
  • Das Betriebsergebnis betrug 52,4 Millionen Euro. Davon werden 36,8 Millionen Euro als genossenschaftliche Rückvergütung an die Mitglieder ausgeschüttet.
  • Die Genossenschaft ist 2014 weiter stabil gewachsen: Die Zahl unserer Mitglieder stieg auf 40.393 an. Wir rechnen mit einer Fortsetzung des Trends in diesem Jahr.
  • Das neue Geschäftsjahr 2015 haben wir wieder sehr erfolgreich beginnen können. Im ersten Halbjahr 2015 setzte die DATEV 438,9 Millionen Euro (im Vorjahr: 423,7 Millionen Euro) um.
  • Das bedeutet ein Wachstum von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatzanstieg resultiert aus der durchgängig regen Nachfrage in nahezu allen Produktgruppen.
  • Die Zahl unserer Mitarbeiter stieg bis Ende Juni auf 6.803 an.
  • Das erste Halbjahr 2015 lässt uns positiv in die Zukunft blicken. Für das Gesamtjahr 2015 prognostizieren die einschlägigen Institutionen in der Gesamtschau für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ein Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt von 1,8 Prozent [Quelle: IWF (04/2015): 1,6 Prozent; Bundesbank (06/2015): 1,7 Prozent; Bundesregierung (04/2015): 1,8 Prozent, EU-Kommission (05/2015): 1,9 Prozent; IW Köln (04/2015): 2,3 Prozent.]. Auch die IT- Branche zeigt eine ungebrochene Innovationsdynamik mit einer Wachstumserwartung von 3,2 Prozent. Diese Dynamik möchte die DATEV nutzen und erwartet daher für das laufende Geschäftsjahr ein Wachstum in mindestens dieser Größenordnung.

Soweit zu den wichtigsten Finanzkennzahlen.

Im Folgenden gebe ich Ihnen einen kurzen Abriss über die wichtigsten Herausforderungen, vor denen nicht nur unser genossenschaftliches Unternehmen derzeit steht. Kurz zusammengefasst: Die Digitalisierung von Prozessen im Dreiklang von Berufsstand, Unternehmen und Verwaltung.

Ausbau digitaler Geschäftsprozesse

Gemeinsam mit den Mitgliedern setzt die DATEV weiterhin auf den zielgerichteten Ausbau arbeitsteiliger Lösungen zwischen unseren Mitgliedern, also den Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten und deren Mandanten. Dabei geht es um eine bestmögliche Verbindung der IT-Prozesse der Kanzleien mit denen der Unternehmen. Die digitale Zukunft liegt in durchgängigen, medienbruchfreien Prozessen und integrierten Cloud-Lösungen. Die DATEV setzt dabei vor allem auf ihr Rechenzentrum. Im Rahmen einer Cloud-Komplettlösung können unsere Anwender auf Programme für Rechnungswesen, Personalwirtschaft, Steuerdeklaration und Kanzleisicherheit zugreifen.

Neue Regeln für die digitale Buchführung: GoBD

Zunächst ein Thema, das zwar sperrig klingt, aber für alle Unternehmen in Deutschland bedeutsam ist: Die "Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff". Oder besser kurz GoBD. Nach deren Veröffentlichung Mitte November 2014 gab es zunächst wenig Widerhall, mit Ausnahme einzelner Fachkreise. Mittlerweile nimmt die Wahrnehmung im steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufsstand massiv Fahrt auf.

Diese intensive Auseinandersetzung mit den Änderungen und zahlreichen Verschärfungen der GoBD ist auch dringend geboten. Sie gelten nämlich schon seit dem 1. Januar 2015 und sind dennoch bisher kaum bis zu den eigentlichen Adressaten, den Steuerpflichtigen, durchgedrungen. Daher ist es höchste Eisenbahn, sich mit dem Thema zu befassen. Eine Nichtbeachtung der neuen Regelungen kann spätestens bei einer Betriebsprüfung erhebliche Probleme verursachen.

In den neuen Regelungen der GoBD wird konkret beschrieben, wie sich die Finanzverwaltung die Buchführung und die sonstigen steuerrelevanten Aufzeichnungen in Unternehmen - und ich wiederhole nochmal: das gilt für alle Unternehmen in Deutschland - vorstellt, wenn diese mit Hilfe von Software und IT-Systemen erstellt wurden. Die GoBD machen daher eine Überprüfung und Anpassung der kaufmännischen Prozesse der Unternehmen notwendig, insbesondere in der Buchführung, bei der digitalen Aufbewahrung und bei der Protokollierung an Schnittstellen. Die konkretisierten Anforderungen an die Unveränderbarkeit von elektronischen Buchungen und Aufzeichnungen bedeuten hier vor allem, dass Anwender jederzeit einen entsprechenden Nachweis erbringen können müssen.

Zudem sind viele praktische Auswirkungen auf die Prüfungspraxis in Gebieten zu erwarten, die nicht im Bereich von Softwarefunktionalitäten liegen. Die GoBD legen auch einen Zugriff der Prüfer auf Daten aus Vor- und Nebensystemen der Finanzbuchführung fest. Dazu gehören Systeme wie Warenwirtschaft, Materialwirtschaft und Kostenrechnung, aber auch Zeiterfassungssysteme, Kassensysteme, Geldspielautomaten, Taxameter und elektrische Waagen. Allerdings sind in diesen Systemen in der Regel auch vielfältige Daten enthalten, die nicht für die Finanzbehörden bestimmt sind, dem Datenschutz oder gar Berufsgeheimnissen unterliegen. Die Differenzierung zwischen aufzeichnungs- und aufbewahrungspflichtigen Unterlagen, die dem Datenzugriff unterliegen, und solchen, die davon nicht betroffen sind, obliegt der Verantwortung des Steuerpflichtigen. Insoweit ist es ratsam, geeignete Zugriffs- oder Schwärzungsmechanismen einzurichten.

Das Ausmaß der GoBD wird aktuell noch deutlich unterschätzt. Die GoBD müssen von allen Buchführungs- bzw. Aufzeichnungspflichtigen beachtet werden. Sie gelten nicht nur für die doppelte Buchführung, sondern explizit auch für sonstige Aufzeichnungen steuerrelevanter Daten, z. B. auch für Einnahmenüberschussrechner. Von den GoBD sind damit nicht nur bilanzierungspflichtige Unternehmen betroffen, sondern auch Kleinstunternehmen und die meisten Freiberufler, also zum Beispiel Ärzte, Architekten, Fotografen oder auch Journalisten.

Insbesondere auf kleine und mittelständische Unternehmen haben die neuen Vorgaben unmittelbare Auswirkungen. Trotz einschlägiger Aufklärungsarbeit über den aktuellen Zustand in weiten Teilen des Mittelstands hat die Finanzverwaltung ihre Einstellung zu revisionssicherenArchivsystemen eher noch verstärkt. Beim Einsatz leicht änderbarer Office-Formate oder der Ablage in Dateisystemen anstelle von revisionssicheren Archiven ist somit erhebliche Vorsicht geboten, weil die ersatzweisen Maßnahmen zur Einhaltung der Ordnungsmäßigkeitsanforderungen schwer einzuhalten sein werden.

Aktuell ist die Finanzverwaltung zwar bemüht, eine einheitliche Interpretationslinie in den eigenen Reihen zu sichern, um Fehl- oder auch Überinterpretationen zu vermeiden. Dennoch brauchen wir in vielen Punkten Klarheit über den praxisorientierten Umgang mit den Themen Einzelaufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten.

Die nächste Zeit sollte darauf gerichtet sein, die Betroffenen über die zu erwartenden Änderungen in der Prüfungspraxis auf Basis der GoBD zeitnah aufzuklären, damit es am Ende keine bösen Überraschungen gibt. Als dessen IT-Dienstleister wird die DATEV den steuerberatenden Berufsstand bei der Umsetzung der neuen Normen unterstützen und die notwendigen Änderungen in den Programmen integrieren.

Vernichten von Originalunterlagen unter bestimmten Umständen erlaubt

Sehr erfreulich dagegen ist, dass im Zeitalter von digitalen Dokumenten das Ersetzende Scannen - also das Scannen von Papierbelegen und deren anschließende Vernichtung - unter bestimmten Voraussetzungen von der Finanzverwaltung akzeptiert wird. Das Verfahren wurde nun offiziell in die GoBD aufgenommen. Am besten, man hält sich aber an die Muster-Verfahrensdokumentation, die gemeinsam von der Bundessteuerberaterkammer und dem Deutschen Steuerberaterverband herausgegeben wurde.

E-Government-Aktivitäten führen zu Veränderungen

Angetrieben durch E-Government-Aktivitäten des Bundes beteiligt sich die DATEV an allen E-Government-Projekten, die für den steuerberatenden Berufsstand und deren meist mittelständische Mandanten von Bedeutung sind. Gemeinsam mit den berufsständischen Kammern und Verbänden sowie der Verwaltung werden beispielsweise Themen wie die E-Bilanz sowie die Vorausgefüllte Steuererklärung und die Vollmachtsdatenbank vorangetrieben.

E-Bilanz erfolgreich umgesetzt

Mit Beginn des Jahres 2014 mussten sich Unternehmen auf den neuen Standard E-Bilanz einstellen. Bis Dezember 2014 erstellten DATEV-Anwender für das Geschäftsjahr 2013 rund 700.000 Jahresabschlüsse und übermittelten diese in elektronischer Form über das DATEV-Rechenzentrum an die Finanzbehörden. Ab dem Wirtschaftsjahr 2015 werden die Anforderungen an den Umfang der zu übermittelnden E-Bilanz-Bestandteile für Personen und Personenhandelsgesellschaften zunehmen. Die DATEV steht ihren Anwendern in bewährter Weise bei der der Erfüllung der steigenden Anforderungen der E-Bilanz zur Seite.

Vollmachtsdatenbank (VDB): Auf dem Weg zur Vorausgefüllten Steuererklärung

Die Vollmachtsdatenbank ist eine Online-Anwendung für die elektronische Erfassung und Übermittlung der Daten rund um die Vollmachten zur Vertretung in Steuersachen. Die VDB wird von der DATEV als Dienstleiter im Auftrag der Steuerberaterkammern für Steuerberater bereitgestellt. Dem Berufsstand der Wirtschaftsprüfer steht die VDB seit Anfang 2015 ebenfalls zur Verfügung. Auch hier agiert die DATEV als technischer Dienstleister im Auftrag der Wirtschaftsprüferkammer. Ebenso ist für Rechtsanwälte die Nutzung der VDB seit dem 01. Juli 2015 möglich. Die regionalen Rechtsanwaltskammern legen selbst fest, wann sie ihren Mitgliedern die Nutzung der VDB anbieten wollen. Mit Erweiterung der Daten, die seitens der Finanzverwaltung für das Ausfüllen der Steuererklärung elektronisch zur Verfügung gestellt werden, wird die VDB weiter an Bedeutung gewinnen.

Cloud-Nutzung mit Unternehmen online

Unternehmen greifen verstärkt zu sicheren Lösungen aus der Wolke - auch bei kaufmännischen Anwendungen. Wie der von KPMG und BITKOM in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge herausgegebene Cloud-Monitor belegt, setzen inzwischen nahezu die Hälfte der deutschen Unternehmen (44 Prozent) Cloud-Lösungen ein. Neben Office-Diensten, wie E-Mail und Kalender, bilden ERP-Anwendungen gemeinsam mit Telefonie-Diensten die zweithäufig genutzte Kategorie.

Diesen allgemeinen Wachstumstrend können wir auch für unsere Lösungen aus dem Cloud- und Outsourcing-Umfeld bestätigen: Sowohl im Geschäftsjahr 2014 wie auch im ersten Halbjahr 2015 ist die Nachfrage nach sicheren Cloud-Angeboten für kaufmännische und steuerliche Prozesse kontinuierlich gestiegen. So nutzen beispielswiese rund 56.000 Unternehmen zurzeit unser browserbasiertes Anwendungspaket DATEV Unternehmen online, mit dem sich die wesentlichen kaufmännischen Anforderungen in der Cloud erledigen lassen. Die Kernanwendung zur Online-Belegarchivierung verwenden sogar schon rund 112.000 Unternehmen. Gemeinsam mit ihren steuerlichen Beratern verwalten und bearbeiten sie ihre Buchführungsbelege in elektronischer Form. Digitalisierte Bilder der Originaldokumente werden dabei sicher im DATEV-Rechenzentrum archiviert, wo sie sowohl der Kanzlei als auch dem Unternehmen jederzeit zur Verfügung stehen. Rund 340 Millionen digitalisierte Belege werden inzwischen im DATEV-Rechenzentrum verwahrt - und jeden Monat kommen weitere sieben Millionen hinzu.

ZUGFeRD: Vereinfachung der Rechnungsdatenerfassung

ZUGFeRD ist der neue Rechnungsstandard, welcher vollständig elektronisch verarbeitet und archiviert werden kann. Bei der Entwicklung des ZUGFeRD-Standards hat die DATEV ihre Expertise eingebracht, um die Vorteile, die sich hieraus für Mitglieder und deren Mandanten ergeben, auch rechtzeitig nutzbar machen zu können: Als eines der ersten deutschen Softwarehäuser stellt DATEV ihren Kunden seit Herbst 2014 ein wachsendes Spektrum an Anwendungen mit integrierter Verarbeitung von ZUGFeRD-Rechnungen zur Verfügung. Inzwischen können Unternehmen auch ZUGFeRD-Rechnungen aus DATEV-Systemen heraus erstellen und versenden. Das Standardformat kommt langsam im Alltag der deutschen Unternehmen an - dies können wir aus eigener Beobachtung sagen. Aktuell verzeichnen wir knapp 200 Anwender unserer Systeme, die seit Umsetzung des Standards Mitte des vergangenen Jahres insgesamt etwa 4.200 ZUGFeRD-Rechnungen empfangen und verarbeitet haben. Dabei gingen allein im Mai 2015 rund 1.400 ZUGFeRD-Belege ein. Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick nicht eben spektakulär erscheinen, bestärkt uns aber insbesondere ihre Dynamik in der Annahme, dass ZUGFeRD eine Erfolgsgeschichte wird. Nach sehr zögerlichen Anfängen im vergangenen Jahr sprechen die Zuwachsraten der letzten Monate eine klare Sprache. Schließlich lehrt die Erfahrung, dass solche Neuerungen immer eine gewisse Zeit brauchen, um zum Durchbruch zu gelangen. Dabei wäre es natürlich wünschenswert, wenn zukünftig noch mehr Rechnungs- bzw. Beleginformationen - am besten direkt am Ort des Entstehens, zum Beispiel etwa an Tankstellen oder in Hotels - den digitalen Weg finden würden.

Digitale Arbeitsplattform Arbeitnehmer online

Bereits seit 2013 existiert die digitale Arbeitsplattform "Arbeitnehmer online". Damit setzt unsere Genossenschaft weiterhin auf den Ausbau von Self-Service-Lösungen aus der Cloud, zur Unterstützung der Kanzleien und deren Mandanten. Unternehmen können ihren Arbeitnehmern die Brutto/Netto-Abrechnung, die Lohnsteuerbescheinigung und den Sozialversicherungsnachweis online zur Verfügung stellen. Der sichere Zugriff auf das Portal mit Hilfe des neuen Personalausweises wurde in 2014 um das smsTAN-Verfahren erweitert. Aktuell sind mehr als 35.500 Arbeitnehmer im System registriert - Tendenz stark steigend. Auch bei DATEV selbst nutzen derzeit 13 Prozent der Belegschaft diese Anwendung.

DATEV SmartLogin: Authentifizierungsverfahren via Smartphone-App

Eine neue Lösung für die mobile Authentifizierung ist die in der Pilotphase befindliche App DATEV SmartLogin. Mit dem Smartphone als Besitzkomponente wurde ein praktikables Verfahren für den Zugriffsschutz realisiert, der bei gleich hohem Sicherheitsfaktor einfacher zu handhaben ist als die Verwendung einer SmartCard. Das erste Einsatzszenario bei DATEV ist die Freizeichnung online. Darüber können Mandanten des Steuerberaters per Mausklick die eigene Steuererklärung für die elektronische Übermittlung an das Finanzamt freigeben. Der sichere Zugriff auf das Freizeichnungsportal funktioniert mit Hilfe eines QR-Codes, der innerhalb des Programms am PC angezeigt wird. Übrigens kann auch die E-Bilanz in diesem Verfahren den Mandanten elektronisch zur Prüfung bereitgestellt werden. DATEV SmartLogin wird im Laufe des Jahres 2015 für weitere ausgewählte Cloud-Anwendungen zur Verfügung gestellt werden.

Rechtsanwälte: das besondere elektronische Anwaltspostfach als Chance für bessere Kanzleiabläufe

Auch die Anwaltschaft steht vor einem wichtigen Schritt in Richtung konsequenter Digitalisierung ihrer Arbeitsabläufe. Mit der Einführung des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs (beA) zum 1. Januar 2016 sollen Kommunikationsmaßnahmen mit der Justiz rechtssicher abgewickelt werden.

Die Anwender von DATEV Anwalt classic pro werden bei der Einführung des beA technisch begleitet. Denn die DATEV wird eine entsprechende Anbindung aus der Kanzleisoftware zur Verfügung stellen, mit der Zielsetzung einen effektiven Workflow zu ermöglichen.
Bereits jetzt sollte sich jeder Rechtsanwalt Gedanken darüber machen, wer auf sein individuelles Postfach zugreifen darf. Zu klären ist insbesondere, wer Krankheits- und Urlaubsvertretungen wahrnimmt. Denn damit ist die sensible Frage verbunden, wer E-Mails lesen und im Namen des jeweiligen Anwalts versenden darf. Diese Frage sollte bis Ende 2015 von jedem Anwalt und in jeder Kanzlei geklärt sein. Dabei sind sowohl datenschutzrechtliche als auch berufsrechtliche Vorgaben zu beachten.

Eine wichtige Neuerung ist hierbei auch, dass die bisherige Übermittlung von Schriftsätzen, wie z. B. Mahnanträgen, über das Elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP) künftig auch über beA abgewickelt werden. Für die Umstellung ist eine Übergangsfrist bis Oktober 2016 vorgesehen.

Insgesamt bietet die Einführung des beA allen Rechtsanwälten die Chance, Ihre Arbeitsabläufe noch stärker zu digitalisieren. Hierbei möchte DATEV ihre Mitglieder begleiten, um so die digitalen Prozesse in der Rechtsanwalts-Kanzlei rechtssicher und effizienter zu gestalten.

DATEV-Stiftung Zukunft: vom Genossenschaftsgedanken getragen

In Vorbereitung auf das 50-jährige Bestehen unseres Unternehmens im Frühjahr 2016 wurde die DATEV-Stiftung Zukunft gegründet. Stiftungszweck ist die Förderung und Weiterentwicklung von Maßnahmen im Bereich der Informationstechnologie, der Steuer- und Rechtswissenschaften, des Rechts der freien Berufe - vor allem natürlich der Steuerberatung, der Anwaltschaft und Wirtschaftsprüfung - sowie des Genossenschaftswesens. Zielsetzung soll die zukunftsorientierte und nachhaltige Weiterentwicklung sowie Vernetzung von IT-Technologien und -Lösungen sein. Als Modell nachhaltigen Wirtschaftens legt die Stiftung ihren Fokus zudem auf den Ausbau des Genossenschaftsgedankens.

Nachdem bereits vier Wochen nach dem ersten Aufruf zahlreiche Vorschläge für Förderprojekte vorliegen, haben Stiftungsvorstand und Kuratorium schon drei Konzepte angenommen, mit denen die Stiftung ihre Fördertätigkeit aufnehmen wird. Sie beschäftigen sich mit Sensibilisierungsmaßnahmen für das Thema Datenschutz sowie Nachwuchsforschung und -förderung für den steuerberatenden Berufsstand. Außerdem befassen sich Vorstand und Kuratorium derzeit mit der Prüfung weiterer Anträge. Deren Varianz reicht von der Förderung von Hochschulen und Lehrstühlen über Wünsche nach Finanzierung von Start-ups und Stipendien bis hin zu Gesuchen auf Fördermitgliedschaft in gemeinnützigen Vereinen. Der Stiftungsvorstand setzt sich aus meinen beiden Kollegen aus dem Vorstand, Eckhard Schwarzer und Jörg von Pappenheim sowie Dr. Markus Algner zusammen. Wer sich näher informieren möchte, kann dies auch auf der neuen Internetseite der Stiftung tun: www.datev-stiftung.de

Nachwuchsförderung Berufsstand - die Kampagne "Rock Deine Zukunft" geht in die Verlängerung

Zur Steigerung der Attraktivität des Berufsstandes Steuerberater/Steuerberaterin bei den jungen Erwachsenen geht die im letzten Jahr mit großem Erfolg eingeführte Kampagne "Rock Deine Zukunft" in die Verlängerung. Im Mittelpunkt der Initiative steht nach wie vor das Video "Rock deine Zukunft und werde Steuerberater" auf YouTube. Dieses wurde mittlerweile über eine Million Mal aufgerufen. Wir hoffen, damit auch einen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des steuerberatenden Berufes leisten zu können.

DATEV IT-Campus 111 - das "Herzstück" von DATEV

Gestatten Sie mir an dieser Stelle ein paar Worte zu unserem neuen Gebäude, dem DATEV IT-Campus 111. Dieser wurde am 17. April 2015 feierlich eingeweiht. Mittlerweile sind alle entwickelnden Mitarbeiter in das Gebäude an der Fürther Straße 111 eingezogen. An 1.800 Arbeitsplätzen wird nun an der Weiterentwicklung unserer Software, dem Herzstück von DATEV, gearbeitet. Damit ist der Neubau der größte und auch modernste Standort der DATEV.

Das größte Argument für den Bau eines neuen Bürogebäudes war und ist die Veränderung, die sich in der Softwareentwicklung vollzieht. Die Entstehung von Software ist ein hochgradig arbeitsteiliger Prozess. Die Beteiligten müssen vernetzt denken und schnell auf sich wandelnde Anforderungen - sei es wegen Kundenwünschen oder gesetzlichen Änderungen - reagieren. Mit dem Neubau schafft die DATEV einen Raum für bessere Vernetzung und Kooperation über alle Teams hinweg.

DATEV stärkt die Region als attraktiver Arbeitgeber

DATEV macht sich auch in Zukunft für ein attraktives Angebot an Ausbildungsplätzen in der Metropolregion Nürnberg stark. Aus diesem Grund hat die DATEV zum Ausbildungsstart 2015 das Angebot um zwei neue gewerbliche Ausbildungsberufe, zum Medientechnologen Digitaldruck und zum Elektroniker für Gebäude und Infrastruktursysteme, erweitert. Vorausgegangen war eine eingehende Analyse der demografischen Entwicklung in Deutschland und der aktuellen Arbeitsmarktsituation in den jeweiligen Berufsfeldern. Wir sind überzeugt, dass wir damit junge Menschen in Berufsfeldern ausbilden, wo sie in Zukunft auch gebraucht werden.

Von den für den Ausbildungsjahrgang 2015 zu vergebenden Stellen konnten fast alle 53 Stellen besetzt werden. Dennoch spürt auch DATEV, dass die Gewinnung junger Nachwuchskräfte schwieriger wird. Frühzeitige Aktivitäten an Schulen und regionale Veranstaltungen sind notwendig, um auf das Unternehmen mit dem grünen Quadrat aufmerksam zu machen. Haben sich Berufseinsteiger für DATEV entschieden, gefällt es den Meisten sehr gut bei uns. So wurden 2014 93 Prozent der Auszubildenden in eine Festanstellung übernommen.

Schlussbemerkungen

Meine Damen und Herren,

die Beachtung der neuen Regeln für die digitale Buchführung, den GoBD, macht eine Überprüfung aller kaufmännischen Prozesse in den deutschen Unternehmen notwendig. Zudem führen E-Government-Aktivitäten zu weiteren Veränderungen im Rahmen der Arbeitsprozesse. Die E-Bilanz sowie die Zentrale Vollmachtsdatenbank werden bereits erfolgreich angewendet. Darüber hinaus gilt es, die Wichtigkeit des Ausbaus digitaler Geschäftsprozesse mit Hilfe von Cloud-Anwendungen zu erkennen. Das neue RechnungsformatZUGFeRD tut sein Übriges dazu. Folglich muss die Digitalisierung in Deutschland als Chance begriffen werden.

Insbesondere gesellschaftliche Veränderungen sind Treiber dieses digitalen Wandels - denn kaum einer wird in Zukunft noch bereit sein, Flexibilität hinsichtlich Zeit- und Ortsgebundenheit einzubüßen. Dies gilt sowohl im privaten als auch im beruflichen Leben. Die DATEV wird auch künftig Wegbereiter für ihre Mitglieder sein und lösungsorientierte Software und Dienstleistungen in der sich digitalisierenden Welt anbieten. Auch bei der Gewinnung von Nachwuchskräften durch die Verlängerung der Kampagne "Rock Deine Zukunft" unterstützt DATEV ihre Mitglieder. Und das Unternehmen selbst wird versuchen, sich auch zukünftig als attraktiver Arbeitgeber zu platzieren - sowohl für Auszubildende, Hochschulabsolventen als auch Fach- und Führungskräften in Zeiten des demografischen Wandels.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!