Ärzte

Mindestsprechstunden - was will die Politik?

Im Durchschnitt arbeiten niedergelassene Ärzte 52 Stunden pro Woche für gesetzlich krankenversicherte Patienten. Nun haben die politischen Groko-Verhandler in ihre Koalitionsvereinbarung geschrieben, die Mindestzahl der Sprechstunden von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen.

Der Koalitionsvertrag enthält hierzu folgenden Hinweis: „Das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte für die Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten wird von 20 auf 25 Stunden erhöht". Doch was ist damit gemeint? Fünf Stunden on top zur Durchschnittsarbeitszeit von 52 Wochenstunden je Arzt? Oder eher eine Umverteilung ärztlicher Arbeitszeit?

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) schlug vor, dass sich die Politik dafür einsetzt, dass nicht immer mehr Bürokratie auf die Praxen zukommt. „Gegenwärtig wenden Niedergelassene fast 54,2 Millionen Arbeitsstunden im Jahr für administrative Pflichten auf. Hier liegt ein enormes Sparpotenzial, damit Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten haben", so Gassen.

Weniger Zeit für Diagnostik und Therapie

„Wenn die Politik die Zahl der Sprechstunden für gesetzlich krankenversicherte Patienten von 20 auf 25 Wochenstunden erhöhen will, muss sie erklären, wie sie das meint", erläuterte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. „Kommen fünf Stunden on top drauf? Dann wären es durchschnittlich 57 Wochenarbeitsstunden – oder aber soll Arbeitszeit umverteilt werden? Das hieße dann: Wir hätten weniger Zeit für diagnostische oder therapeutische Inhalte. Ein Mehr von 25 Prozent an Sprechstundenzeit stellt einen dramatischen Eingriff ins Praxisgeschehen dar", lautete sein Fazit.

Beide Vorstände erteilten der Behauptung mancher Politiker eine Abfuhr, die niedergelassenen Ärzte könnten die Zeit ja von der Behandlung von Privatpatienten abziehen.