Wachstum bei Hausarztverträgen

Zu Beginn des Jahres 2017 sind bundesweit 4,28 Millionen Versicherte in die Vollversorgungsverträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) eingeschrieben.

Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von knapp 380.000 Versicherten. Dies entspricht einer Steigerungsrate von ca. zehn Prozent. Insgesamt nehmen aktuell fast 17.000 Hausärztinnen und Hausärzte an den Verträgen teil. Dies schließt die Teilnehmer an den so genannten Add-On-Verträgen nicht mit ein.

Neben Baden-Württemberg und Bayern, wo die Hausarztverträge bereits seit vielen Jahren flächendeckend umgesetzt werden, haben sich im Verlauf des Jahres in immer mehr Regionen Versicherte für die HZV entschieden. Allein in Nordrhein-Westfalen sind inzwischen über 600.000 Versicherte eingeschrieben.

„Die Entwicklung der HZV in den letzten Jahren zeigt deutlich, dass es bei den Versicherten und den Hausärzten einen großen Bedarf nach dieser besseren Form der Versorgung gibt, die jenseits der maroden Strukturen der Kassenärztlichen Vereinigungen umgesetzt wird“, so Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. „Es gab in Deutschland noch nie einen Selektivvertrag, der auch nur annähernd so erfolgreich war wie die HZV und das, obwohl wir nach wie vor von einigen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen massiv behindert werden.“

Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 forderte Weigeldt eine Stärkung der Verträge. „Die HZV ist die größte Innovation für Hausärzte und ihre Patienten in den letzten Jahren. Fast sämtliche Fortschritte, beispielsweise bei der Vergütung der Hausärzte, sind vor allem auf die HZV zurückzuführen“, so Weigeldt. Er kritisierte, dass einige Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen versuchen würden, die flächendeckende Umsetzung zu verschleppen und das, obwohl Patienten und Hausärzte ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf eine Hausarztzentrierte Versorgung haben.

„Während einige Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen partnerschaftlich mit uns zusammenarbeiten, versuchen andere, die Umsetzung der HZV mit allen Mitteln zu verschleppen. Da wird vereinzelt sogar mit schmutzigen Tricks gearbeitet. Hier muss im Zweifel auch gesetzgeberisch noch einmal nachjustiert werden“, sagte Weigeldt.

Weigeldt bekräftigte erneut die Forderung des Deutschen Hausärzteverbandes, dass es an der Zeit sei, auch die Versicherten an den finanziellen Vorteilen der HZV zu beteiligen, beispielsweise über Zuzahlungsbefreiungen bei Medikamenten. Vergleichbare Modelle werden bereits von der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK erfolgreich umgesetzt.

Hintergrund

Seit 2009 sind die Krankenkassen gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Versicherten einen Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung anzubieten. Vertragspartner sind dabei die regionalen Hausärzteverbände. Die HZV-Vollversorgungsverträge werden von den Hausärzteverbänden unabhängig von den Strukturen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) umgesetzt und abgerechnet.

In der HZV ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner bei sämtlichen medizinischen Beschwerden. Er koordiniert bei Bedarf die Behandlungen durch weitere Fachärzte und Kliniken. Wissenschaftliche Evaluationen, zuletzt in Baden-Württemberg, haben gezeigt, dass die Versicherten in der HZV von einer qualitativ besseren Versorgung profitieren. Gleichzeitig können die Krankenkassen Versichertengelder einsparen, da in der HZV unnötige Doppeluntersuchungen und überflüssige Krankenhauseinweisungen reduziert werden können. Die Teilnahme ist für Versicherte und Hausärzte freiwillig.