Nachruf

Dr. h.c. Heinz Sebiger

Mitgründer und Ehrenvorstandsvorsitzender der DATEV

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Dr. h.c. Heinz Sebiger, Steuerberater, Ehrenvorstandsvorsitzender DATEV eG Quelle: DATEV eG

Nürnberg, 25. August 2016: Der Mitgründer und Ehrenvorstandsvorsitzende der DATEV eG, Dipl.-Volkswirt und Steuerberater Dr. h.c. Heinz Sebiger ist in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 93 Jahren verstorben. Sebiger hatte die Genossenschaft von einer kleinen Selbsthilfeorganisation im Jahr 1966 zu einem der größten deutschen Softwarehäuser und IT-Dienstleister aufgebaut. Als er Mitte 1996 den Vorstandsvorsitz nach 30 Jahren an seinen Nachfolger Prof. Dieter Kempf übergab, galt er bereits als einer der drei deutschen IT-Pioniere neben Konrad Zuse und Heinz Nixdorf.

"Mit Heinz Sebiger verlieren die DATEV, der steuerberatende Berufsstand und die IT-Branche einen ihrer großen Pioniere. Mit seinem Weitblick, seinem Mut und seiner Entschlossenheit hat Heinz Sebiger es geschafft, vor 50 Jahren den Grundstein für ein sehr erfolgreiches Unternehmen zu legen und mit einer anschließenden stürmischen Entwicklung der genossenschaftlichen Idee in einem bis dahin neuen Marktumfeld zum Durchbruch zu verhelfen.", so Dr. Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der DATEV. "Wir sind unendlich traurig, dass unser Gründervater nun nicht mehr unter uns ist. Er wird nicht nur seiner Familie, sondern auch allen Mitgliedern und Mitarbeitern der DATEV sehr fehlen.“

Sebigers Hauptverdienst war es, mit der bis dahin noch in den Kinderschuhen befindlichen Datenverarbeitung, Programme für betriebswirtschaftliche Aufgaben und zur Steuerberechnung für steuerliche Berater und deren Mandanten zur Verfügung zu stellen und praktisch nutzbar zu machen. Mit der Gründung der DATEV verwirklichte der damalige Steuerbevollmächtigte 1966 – nicht ohne Skepsis in den eigenen Kreisen – mit einigen Kollegen seine Vision: Die elektronische Verarbeitung von Buchführungsdaten in einem eigenen Rechenzentrum zu bündeln und durch eine Genossenschaft selbst zu verantworten. Dieser freiwillige Zusammenschluss freiberuflich tätiger Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte in einer berufsständischen Organisationsform trug maßgeblich dazu bei, dass sich die DATEV zu einem der größten Softwarehäuser und IT-Dienstleister in Europa mit heute rund 40.500 Mitgliedern und mehr als 6.900 Beschäftigten entwickeln konnte.

Entsprechend stürmisch verlief die Entwicklung der DATEV vor allem in den 1970er Jahren. Mit der Verarbeitung von Buchführungs-, Gehaltsabrechnungs- sowie Jahresabschluss- und Steuererklärungsdaten verachtfachte sich der Umsatz auf 139 Millionen DM (71 Millionen Euro). Durch die hohe Nachfrage nach Dienstleistungen rund um das Rechenzentrum und der Ausweitung der Geschäftsfelder nahm die Beschäftigtenzahl rasant zu und überschritt die 1.000-Mitarbeiter-Marke zum Ende des Jahrzehnts. Auch technologisch machte der IT-Dienstleister bereits früh von sich reden: Mit der elektronischen Datenfernübertragung 1974 auf der Hannover Messe, zwölf Jahre vor Beginn der CeBIT als eigenständiger Messe. Als Sebiger 1996 den Vorstandsvorsitz an Dieter Kempf übergab, hatte der Umsatz des genossenschaftlichen Unternehmens knapp die DM-Milliardenschwelle (989 Millionen DM) erreicht und die DATEV beschäftigte mehr als 4.700 Mitarbeiter.

Energisch und mit großer Neugier für technische Neuerungen trieb Sebiger die Nutzung der Informationstechnik im steuerberatenden Beruf und in mittelständischen Unternehmen voran. Neben seinen beruflichen Aufgaben übernahm er zahlreiche Ehrenämter. Zum Beispiel als Präsident der Steuerbevollmächtigtenkammer Nürnberg und der heutigen Steuerberaterkammer Nürnberg, denen er zusammen 30 Jahre lang vorstand und deren Ehrenpräsident er war. Von 1975 bis 1995 gehörte er dem Präsidium der Bundessteuerberaterkammer an. Im Jahr 1980 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden, 1988 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Universität Erlangen Nürnberg verlieh ihm 1986 die Ehrendoktorwürde, und 1997 wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Nürnberg ernannt, worauf er besonders stolz war. Außerdem erhielt er als Auszeichnungen die Ehrennadel in Gold des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes sowie den Ehrenring in Gold der Bundessteuerberaterkammer, der 2007 erstmals für ein Lebenswerk vergeben wurde.

2008 erhielt der Japanfreund und -kenner den Orden der Aufgehenden Sonne am Band im Namen des japanischen Kaisers für seine Verdienste um die IT-Unterstützung des Steuerberater-Berufsstands in Japan.

Zu Sebigers Lebenswerk gehört auch sein steter Kampf gegen den Steuerdschungel. Immer wieder erinnerte er die jeweiligen Bundesregierungen an deren Versprechen, die Steuergesetze vereinfachen und professionalisieren zu wollen. Unter anderem war er von 1965 bis 69 Mitglied des Arbeitskreises zur Reform der Abgabenordnung beim Bundesfinanzministerium sowie 1997 Teilnehmer der Kommission zur Erarbeitung der Petersberger Steuerbeschlüsse.

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