Dr. Robert Mayr, Vorsitzender des Vorstands, DATEV eG

Strategische Ausrichtung und Entwicklung der DATEV

Rede anlässlich der DATEV-Jahrespressekonferenz 2018
Nürnberg, 13. Juli 2018

(es gilt das gesprochene Wort)

Herzlich willkommen zur diesjährigen Jahrespressekonferenz der DATEV.

Ich weiß, Sie alle haben die Diskussionen und auch das Abstimmungsergebnis über die Änderung unserer Genossenschaftssatzung verfolgt. Bevor ich aber auf dieses Thema zu sprechen komme, auf das Sie sicher alle warten, möchte ich zunächst ein paar Themen anreißen, die auch für ein Verständnis in dieser Sache notwendig sind.

Seit drei Jahren werde ich nicht müde, über die digitale Transformation und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft, unsere Mitglieder und die DATEV zu sprechen und diese voranzutreiben. An meinem Befund von vor drei Jahren hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, ich fühle mich in meinen Erwartungen bestätigt. Und inzwischen prophezeie ich dem Berufsstand mehr denn je ein goldenes Zeitalter – vorausgesetzt er stellt sich den Herausforderungen der digitalen Transformation. Denn die Auswirkungen von Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung in kaufmännischen und deklaratorischen Prozessen sind für Unternehmen heute so herausfordernd wie nie und sie brauchen einen verlässlichen Partner und Berater an ihrer Seite.

In meinen Augen ist der steuerliche Berater dafür ideal positioniert: Als Digitalisierungs-Coach, der – mit uns als seinem genossenschaftlichen IT-Dienstleister an der Seite – im Dschungel der technischen und regulatorischen Entwicklungen den Überblick behält.

DATEV-Branchenmonitor

Für uns ist natürlich immer wichtig: Wie geht es dem Berufsstand sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht wie auch in Hinblick auf eine digitale Zukunft? Als Instrument haben wir hierfür den DATEV Branchenmonitor für Steuerberater eingeführt – bestehend aus dem Branchenbarometer, einem Geschäftsklimaindex für den Berufsstand, den ich Ihnen schon im letzten Jahr vorgestellt habe, und dem Digitalisierungsindex für die Steuerberater, also dem Stand der Digitalisierung in der Branche unserer Mitglieder.

Lassen Sie mich zunächst die Ergebnisse der jüngsten Auswertung des Barometers zusammenfassen: Erfreulich ist die nach wie vor sehr gute wirtschaftliche Entwicklung in der Branche. Mit einem Wert von 126,1 Punkten liegt das Branchenbarometer um 2,2 Punkte über dem Ergebnis des dritten Tertials 2017 auf weiterhin sehr hohem Niveau. Beide Teile des Branchenbarometers – also aktuelle Lage und Erwartung – sind ebenfalls gestiegen. Kurzum: Die Kanzleien blicken mit großer Zuversicht auf ihr Geschäft.

Spannend ist natürlich die Frage, wie die Branche mit der digitalen Transformation umgeht. Mit einem Gesamtindexwert von 99,3 von 200 möglichen Punkten bewegen sich die Kanzleien bei der Digitalisierung auf einem mittleren Niveau. Bei einem Blick in die Details wird deutlich, dass viele Kanzleien schon konkrete Überlegungen und Planungsszenarien für die Zukunft haben. Insbesondere bei den datenbasierten Diensten stellt man fest, dass offensichtlich viele – auch kleine – Kanzleien einen Ausbau ihres Portfolios planen.

Ich lese aus den Zahlen, dass in der Branche die Notwendigkeit erkannt und akzeptiert ist, sich der Transformation zu stellen. Und ich kann jedem nur Mut machen, die Digitalisierung anzugehen – und zwar sofort. Lieber mit kleinen Schritten jetzt schon vorwärtsgehen als in Erwartung einer umfassenden Lösung den Status Quo zu bewahren. Jeder Schritt in die digitale Zukunft zählt!

Jetzt wird es ein wenig wissenschaftlich: Wirklich spannend wird der Branchenmonitor erst, wenn man sich die Korrelationen zwischen den beiden Teilstudien genauer ansieht. Was ich besonders aufschlussreich fand: Wir haben erste Zusammenhänge finden können zwischen dem Digitalisierungsindex und dem wirtschaftlichen Erfolg einer Kanzlei sowie zwischen dem Grad der Digitalisierung der Kanzleiprozesse und dem Anteil betriebswirtschaftlicher Beratung am Gesamtumsatz. Vor allem Letzteres ist Ausdruck für den Wandel, den der Berufsstand derzeit erfährt: Die Digitalisierung stellt nicht das grundsätzliche Geschäftsmodell der Branche in Frage, sondern verschiebt, differenziert und ergänzt es hin zu Aufgaben mit einer höheren Wertschöpfung.

Digital-Recht üben

Ich habe es eingangs gesagt: Die digitale Transformation ist für alle eine Herausforderung. Auch der Gesetzgeber stellt sich – ich bin versucht zu sagen: endlich – der Mammutaufgabe, das Recht an die digitalen Anforderungen von heute anzupassen. Aber: Ganz offensichtlich müssen wir Digital-Recht noch üben! Nicht alles gelingt schon beim ersten Wurf – und das muss auch so sein dürfen! Schließlich erfordert eine digitalisierte Welt ganz neue Ansätze zur Regulierung – und das auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene.

Beispiel DSGVO: Es wird momentan heiß über Mängel und unerwünschte Nebeneffekte diskutiert. Wir sollten an diese Debatte mit mehr Gelassenheit herangehen. Das Ziel kann nicht sein, wegen etwaiger handwerklicher Mängel oder nicht absehbarer Nebeneffekte gleich das ganze Gesetz zu verteufeln. Wir brauchen ein modernes, harmonisiertes europäisches Datenschutzrecht unbedingt – und dafür ist die DSGVO ein erster wichtiger Schritt.

Aber eben nur ein erster Schritt. Wir müssen künftig Gesetze zügig, sachgerecht und geordnet nachbessern können. Nachbesserungen sind kein Eingeständnis des Scheiterns, sondern vielmehr Produkt eines Lernprozesses. Und eine Folge der Veränderungsdynamik: Was heute stimmig ist, kann schon in einem Jahr nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.

Bei zukünftigen Projekten wie beispielsweise dem Gütesiegel für Software und der Updatepflicht für IT müssen wir zügig zu vernünftigen und qualitativ guten Regelungen kommen. Und dann müssen wir vor dem Hintergrund von Praxistauglichkeit und etwaigen künftigen Regulierungsbedarfen nachbessern, was nachgebessert werden muss.

Digitalisierungs-Coach

Auch in den Kernaufgaben der steuerlichen Berater sehen wir: Der Gesetzgeber hat grundsätzlich die Aufgabe angenommen, Recht und Verwaltung an die Anforderungen der Digitalisierung anzupassen. Aber Beispiele wie XRechnung und Kassen-Nachschau zeigen: Kleine und mittelständische Unternehmen tun sich häufig schwer, die notwendigen Veränderungen zeitnah und sinnvoll umzusetzen. Häufig genug suchen sie Beratung bei ihrem Steuerberater, der als Vertrauensperson und Finanzexperte geschätzt wird.

Ich sehe hier ein interessantes zusätzliches Aufgabenfeld für die steuerlichen Berater: Sie haben die rechtlichen Fachkenntnisse und mit uns einen berufsständischen IT-Partner, der Ihnen intelligente und rechtssichere Lösungen bietet. So können sie sich als Digitalisierungs-Coach sowohl für die technischen wie rechtlichen Entwicklungen positionieren.

Ich möchte hier auf zwei Beispiele eingehen, die jeweils auf eines der genannten Themen einzahlen: Erstens auf SmartTransfer als Lösung für das Dilemma der elektronischen Rechnungsformate. Kurz zur Erinnerung: Die XRechnung wird das neue Rechnungsformat für die öffentliche Verwaltung. Leider hat sich der Gesetzgeber gegen die Integration einer Sichtkomponente – also einer für den Menschen einfach lesbaren Visualisierung – in dieses Format entschieden, so dass es für den Alltagsgebrauch in vielen Unternehmen unattraktiv ist. Doch wer mit der öffentlichen Verwaltung Geschäfte machen will, muss das Format bedienen können. Unsere Plattform SmartTransfer bietet die Lösung: Mit DATEV SmartTransfer werden die Dokumente des Absenders automatisch und rechtssicher in das Wunschformat des Empfängers konvertiert – inklusive Papier und XRechnung.

Nun haben wir gemeinsam mit WÜRTH und dem Handwerk Magazin eine Initiative für den einfachen elektronischen Rechnungsaustausch mit Handwerksbetrieben gestartet. DATEV liefert mit SmartTransfer und Unternehmen online die Lösungen für den sicheren elektronischen Workflow zwischen Lieferanten, Handwerkern und deren Steuerberatern. Durch die Kooperation wird die Lösung ab Herbst rund 540.000 WÜRTH-Kundenbetrieben aus Handwerk, Bau und Industrie zur Verfügung stehen.

Mein zweites Beispiel ist Kassenarchiv online für das Thema Kassen-Nachschau. Bargeld und Kassen sind für die Finanzverwaltung eine risikobehaftete Angelegenheit. Deshalb wurden die Vorgaben für die Kassenführung deutlich verschärft. Seit Anfang 2018 gibt es nun auch die unangekündigte Kassen-Nachschau. Das bedeutet für Betriebe in bargeldintensiven Branchen: Sie müssen ihre Strukturen und Prozesse rund um die Kasse unter die Lupe nehmen. Steuerberater sind hier vielfach gefragte Gesprächspartner.

DATEV unterstützt sie dabei: Zum heutigen Tag haben wir das Portal DATEV Kassenarchiv online freigeschaltet. Nach einer Anmeldung in diesem Portal können Einzelhändler, Gastwirte und andere Betriebe mit Kassen dort einfach und unkompliziert ihre Einzelaufzeichnungen aus Kassensystemen revisionssicher archivieren. Damit sind Unternehmen und Kanzleien bei der Archivierung auf der rechtlich und technisch sicheren Seite. Im Fall einer Kassen-Nachschau oder einer Betriebsprüfung sind die Daten jederzeit verfügbar. Sie können manuell hochgeladen werden. Komfortabler geht es natürlich direkt und automatisiert über das Kassensystem. Damit das möglich ist, müssen Kassenhersteller entsprechende Schnittstellen in ihre Systeme implementieren. Dazu sind wir schon mit zahlreichen Herstellern im Gespräch. Diese werden wir dann in unserem DATEV-Marktplatz auflisten.

Unser Ziel ist es, dass diese Kassendaten zukünftig strukturiert an unser Rechenzentrum geliefert werden. Denn dann können sie komfortabel in DATEV Unternehmen online, Kassenbuch online und die DATEV-Lösungen für die Finanzbuchführung sowie weitere nachgelagerte Systeme übernommen und dort automatisiert verarbeitet werden. Derzeit wird in der Branche intensiv an einer entsprechenden Taxonomie gearbeitet.

SmartTransfer und Kassenarchiv online sind schöne Beispiele dafür, wie sich mit intelligenten und einfach gestalteten Lösungen für Unternehmen und Steuerberater administrative Prozesse effizient und rechtssicher gestalten lassen. Damit bieten Steuerberater echten Mehrwert für kleine und mittlere Unternehmen: Sie erhalten Funktionen und Rechtssicherheit auf einem Niveau, das sich sonst eher Konzerne leisten können.

Digitale Transformation in der Finanzbuchführung

Wie Sie wissen, haben wir mit DATEV 2025 die strategischen Leitplanken für unser künftiges Portfolio definiert. Die wichtigen Schlagworte sind Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung. Wenn ich auf unsere Produktneuerungen der letzten Monate schaue und die Roadmap der nächsten Monate einbeziehe, bewegt sich eine ganze Menge.

Ich möchte das am Beispiel Finanzbuchführung einmal durchspielen. Wenn ich nochmal unseren Digitalisierungsindex zitieren darf: Immer noch liefern 60 Prozent der gewerblichen Mandanten ihre Daten überwiegend in Papierform an die Kanzleien. Wenn wir bei der Digitalisierung im Berufsstand, aber auch in der mittelständischen Wirtschaft substanziell vorankommen wollen, dann ist hier ein großer Hebel zu sehen: Wir müssen dafür sorgen, dass kaufmännische Prozesse durchgängig, ohne Medienbruch, funktionieren.

Deswegen haben wir in den letzten Monaten große Anstrengungen unternommen, um digitale Schnittstellen zu den Vorsystemen zu schaffen. Beispiel PayPal: Bislang mussten Webshops bzw. ihre Steuerberater die Zahlungsdaten aus PayPal mit hohem manuellen Aufwand in die Buchführungssysteme übertragen. Wir haben nun gemeinsam mit PayPal die Datenqualität optimiert und eine direkte Schnittstelle realisiert, über die diese Daten automatisch übermittelt und weiterverarbeitet werden.

Auch mit weiteren Partnern haben wir entsprechende Schnittstellen geschaffen, unter anderem zu Salesforce, der weltweit führenden Plattform für Vertrieb, Service, Marketing, Handel und Datenanalysen. Insgesamt finden sich auf unserem Marktplatz mittlerweile fast 150 Lösungen, also knapp eine Verdoppelung innerhalb von 12 Monaten.

Nun ist die Digitalisierung der eingehenden Daten aber erst der erste Schritt. Liegen die Daten erstmal digital vor, dann können sie natürlich auch ganz anders verarbeitet werden: Über unsere Machbarkeitsstudie zur Automatisierung der Finanzbuchführung habe ich im vergangenen Jahr bereits berichtet. Seitdem hat sich viel getan: Wir sind mit dem ganzen Projekt von der Forschung in die Umsetzung übergegangen. Die technische Basis läuft mittlerweile im produktiven Rechenzentrum und wir haben mit dem Anlernen der künstlichen Intelligenz bereits große Fortschritte erzielt. Im Laufe des zweiten Halbjahres werden wir mit einem ausgewählten Kreis an Anwendern in eine Art Prä-Pilotierung starten – mit Echtdaten, im Echtbetrieb. Ich möchte jetzt noch nicht über den Zeitpunkt einer allgemeinen Marktfreigabe spekulieren, dafür ist es noch zu früh. Wir müssen dem Anlernen der KI noch Zeit geben. Aber wir wissen, dass die Technologie funktioniert und dass wir den Weg weitergehen werden.

Plattform für Privatpersonen

Dies waren einige Entwicklungen, die sich in unserem angestammten Geschäft tun. Doch ich weiß, Sie scharren schon mit den Hufen wegen unserer geplanten Plattform für Privatpersonen. Ich will Sie nicht weiter auf die Folter spannen:

Kern unseres Vorhabens ist der Aufbau eines Angebots für steuerpflichtige Privatpersonen, die nicht steuerlich beraten sind. Dabei setzen wir konsequent auf einen Plattformansatz. Lassen Sie mich dies kurz erläutern. Jahr für Jahr treten rund 750.000 Digital Natives ins Arbeitsleben ein. Bis 2020 werden Sie die Mehrheit der Marktteilnehmer stellen. Sie sind es gewohnt, Plattformen zu nutzen, beispielsweise um Reisen zu buchen oder einzukaufen. Sie genießen dabei den Komfort einer einheitlichen Anlaufstelle, um die gewünschte Leistung zu suchen, den passenden Anbieter auszuwählen, mit ihm zu kommunizieren und am Ende zu bezahlen. Eine Plattform, ohne Medienbruch.

Was für den Kunden ein echter Mehrwert ist, bedeutet für den eigentlichen Leistungsersteller: Er verliert den direkten Kundenkontakt, verschwindet hinter der Plattform und wird auswechselbar. Wir sehen, dass diese sogenannte Plattformökonomie in allen Branchen um sich greift, auch vor der Steuerberatung macht sie nicht halt. Doch die Angebote für private Steuererklärungen haben alle eine entscheidende Lücke: Sie dürfen keine fachliche Beratung anbieten, wenn es etwas komplizierter wird. Dies ist dem Steuerberater vorbehalten. Sie bieten aber auch keine Abzweigung zum Steuerberater an. Im Gegenteil, sie wollen ja den Kunden möglichst lange auf der eigenen Plattform halten.

Als IT-Organisation der steuerberatenden Berufe sind wir in der idealen Position, um ein für die Steuerpflichtigen attraktives Angebot zu machen und gleichzeitig im Interesse des Berufsstands zu handeln: Unser Ziel ist es, möglichst viele bisher nicht steuerlich beratene Bürger zur Teilnahme an einer von der Genossenschaft betriebenen Plattform zu motivieren. Und natürlich werden wir damit sowohl neu angebahnte als auch bestehende Privatmandate durch eine optimale Zusammenarbeit zwischen Mandant und Steuerberater unterstützen.

Unter dem Dach der DATEV Tax-Plattform werden deshalb drei Lösungen entstehen: Dazu gehört eine attraktive DATEV-Plattform für Steuerpflichtige, bestehend aus einem Angebot von App- und Web-Lösungen. Wir glauben, dies durch eine Kombination von drei Features erreichen zu können: eine sichere und einfache digitale Verwaltung von Dokumenten und vor allem steuerrelevanten Belegen; einen schnellen Überblick über die eigenen Finanzen; sowie die Vorbereitung der Steuererklärung bis hin zu deren Übermittlung. Die App wird jedoch immer wieder Hinweise auf möglichen Beratungsbedarf geben, wenn dieser sinnvoll erscheint, und die Expertise von DATEV-Mitgliedern anbieten, wenn der Nutzer dies wünscht.

Doch wie gesagt: Wir haben noch mehr Ideen im Rucksack. Die zweite Komponente beinhaltet eine Lösung zur Vermittlung eines passenden DATEV-Steuerberaters. Dadurch wird dieser neuen Zielgruppe der privaten Steuerpflichtigen die Expertise und Community der DATEV-Mitglieder und deren genossenschaftlichem IT-Anbieter einfach zugänglich gemacht. Im Falle jedes auftretenden Beratungsbedarfs können die Nutzer schnell und einfach auf die Hilfe eines DATEV-Mitgliedes zurückgreifen.

Die Suchfunktion profitiert nun davon, dass der Nutzer vorher schon Angaben eingetragen hat und die Anfragen mit den Leistungsschwerpunkten aus der Kanzleisuche abgeglichen werden können. So finden Privatpersonen genau die Berater mit dem richtigen Portfolio – und die Berater erhalten nur Anfragen von Fällen, für die sie sich auch interessieren. Für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Und schließlich „Meine Steuern": Unsere Lösung zur digitalen und komfortablen Zusammenarbeit von Steuerberatern und deren Mandanten: Damit bieten wir für alle Privatpersonen als Mandant eines DATEV-Mitglieds eine Plattform zur Selbst- und Belegverwaltung, bei der der Steuerberater bei Bedarf quasi stets nur „einen Klick entfernt" ist und sich jederzeit einklinken, unterstützen und beraten kann.

Ich sehe schon Ihre fragenden Gesichter: Wann wird es die DATEV Tax-Plattform geben? Wir gehen hier in aufeinander abgestimmten Schritten vor. Wie Sie sicherlich verfolgt haben, wurde in der Genossenschaft in den letzten Monaten intensiv über eine Satzungsänderung diskutiert – dabei ging es um eine Änderung, die Voraussetzung für einen Teil dieses Szenarios war, nämlich die direkte Ansprache von Nichtmitgliedern und das Angebot von Lösungen für diese Zielgruppe. Nicht betroffen sind die Suche mit Vermittlungsfunktion und das Kollaborationsportal „Meine Steuern" für bestehende Mandatsbeziehungen. Deshalb konnten wir für die letztgenannten Produkte unsere Entwicklungen bereits vorantreiben und einen engen Zeithorizont ankündigen.

Beide Lösungen sind mittlerweile so weit gediehen, dass wir demnächst mit ersten Funktionalitäten in kontrollierte Freigabeprozesse starten: Die Verfügbarkeit der Steuerberatersuche wird abhängig von der Menge der zu findenden Kanzleiprofile sein. Bei einer erwartet regen Beteiligung unserer Mitglieder gehen wir hier von Ende 2018 aus. Gleichzeitig wird dann auch für die bestehenden Mandanten der Einstieg in die kollaborative Zusammenarbeit mit ihrem Steuerberater zugänglich sein und schrittweise ausgebaut. Die erste Lösungsstufe hierfür befindet sich aktuell erfolgreich in einer Pilotphase.

Anders sieht es bei der dritten Komponente aus, dem Angebot für noch nicht beratene Steuerbürger. Da diese Lösung auch originäre Kernaufgaben der Steuerberater berührt, war dies nicht durch die bestehende Satzung gedeckt. Als diese vor über 50 Jahren geschrieben wurde, konnte niemand absehen, welche Dynamik und welche Folgen die Digitalisierung einmal auslösen würde.

Deswegen war nun ein Änderungsbedarf entstanden, um die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft unserer Mitglieder und ihrer DATEV zu stellen. Wir haben es uns in der Genossenschaft mit dieser Satzungsänderung sicher nicht leichtgemacht. Beide Seiten haben gute Argumente in die Diskussion eingebracht und sie wurden bei der Ausarbeitung des Änderungsantrags gehört und berücksichtigt. Nun hat am 29. Juni die Vertreterversammlung diesem Antrag des Vorstands zugestimmt, wonach der Geschäftsbetrieb mit Nichtmitgliedern der DATEV auch dort zulässig ist, wo er die originären Aufgaben der Mitglieder berührt. Wichtiger Bestandteil der Satzungsänderung sind gleichzeitig erweiterte Informations- und Zustimmungsrechte des Aufsichtsrats bei der künftigen Produktplanung in diesem Umfeld. Außerdem wurde der Förderzweck der Genossenschaft noch deutlicher in der Satzung verankert.

Das ist eine faire Lösung, die einerseits Handlungsspielräume öffnet, andererseits aber auch für Vertrauen sorgt. Für mich hat dieser Prozess einmal mehr bewiesen, wie wertvoll und sinnvoll eine Genossenschaft ist: nach langer und intensiver Diskussion mit den Mitgliedern können wir nun auf der Basis einer breiten Mehrheit entschlossen und mutig handeln. Nun ist es mir wichtig, dass wir nach dieser intensiven Debatte zusammen unsere gemeinsame Zukunft gestalten. Die Idee unserer Gründer vor 52 Jahren ist heute lebendiger denn je: Was einer allein nicht schafft, schaffen viele gemeinsam.

Mit der Satzungsänderung hat die Vertreterversammlung den Weg frei gemacht für die Realisierung der oben schon beschriebenen Steuerbürgerplattform. Bevor wir ein solches Produkt tatsächlich umsetzen können, brauchen wir – wie schon dargestellt – noch die Zustimmung des Aufsichtsrats. Wenn dieser unseren Plänen zustimmt, dann bin ich zuversichtlich, dass wir erste App-Lösungen für den nicht steuerlich beratenen Bürger 2019 anbieten können. Der Fokus wird dabei auf der unterjährigen Vorbereitung der Steuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2019 liegen. Spätestens Anfang 2020 wird dann auf dieser Basis die Befüllung und Übermittlung der Steuererklärung bzw. der komfortable Übergang auf den Steuerberater möglich sein. DATEV wird dabei stets darauf achten, dass im Nichtmitgliedergeschäft kein funktionaler Vorsprung gegenüber dem Mitgliedergeschäft entsteht.

Ausblick

Damit habe ich Ihnen nun einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Genossenschaft gegeben. Wenn Sie sich einen handfesteren Eindruck von einigen dieser Themen verschaffen wollen, dann lade ich Sie herzlich dazu ein, unsere Showcases im Foyer zu besuchen. Dort können Sie sich näher über folgende Themen informieren:

  • Wie funktioniert die Anbahnung von Mandaten?
  • Was ist das Kassenarchiv online?
  • Wie sieht die mobile Nutzung unserer ASP-Services aus?
  • Was ist eine Blockchain und welche Auswirkungen kann sie beispielsweise auf künftige Lieferketten haben?

Insgesamt blicke ich mit großer Zuversicht in die Zukunft. Wir sind inhaltlich hervorragend aufgestellt, haben viele strategische Themen mittlerweile auf den Weg oder in die Umsetzung gebracht. Das zeigt sich auch in unseren Geschäftszahlen, insbesondere wenn ich auf die Entwicklungen im ersten Halbjahr blicke. Wenn ich daher einen Blick in die Glaskugel wagen darf: Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr die Umsatzmilliarde knacken werden.

Aber ich will Diana Windmeißer nicht weiter vorgreifen, sie wird Ihnen nun die Details zu unserer wirtschaftlichen Situation und den Finanzen erläutern.

Vielen Dank!