Die EU-weite digitale Identitäts-Wallet EUDI wird in Deutschland unter dem Namen d-you starten. Sie soll EU-Bürgern die volle Kontrolle über ihre persönlichen Daten geben.

Mit ihr lassen sich der Personalausweis, der Führerschein und andere Dokumente in einer App auf dem eigenen Smartphone speichern und EU-weit verwenden. Sie soll zum Beispiel beim Kontakt mit Ämtern und Behörden behilflich sein. Unternehmen und Organisationen können damit die Identitäten und Nachweise ihrer Kundinnen und Kunden effizient, kostengünstig und rechtssicher prüfen. 

Circa 170 Unternehmen haben sich bereit erklärt, die Technik für die eigenen Angebote nutzen zu wollen. 40 von ihnen werden beim Start dabei sein. Projektteilnehmer sind u. a. die Bundesagentur für Arbeit, die Deutsche Post, der Hamburger Verkehrsverbund, Vodafone sowie DATEV eG. Die aktuellen Launch-Partner der Wallet sehen Sie in dieser Pressemitteilung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung . 

Wer ist an der Entwicklung beteiligt?

Im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung BMDS leitet die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) das EUDI Wallet-Projekt und verantwortet die Entwicklung der staatlichen EUDI-Wallet d-you sowie den Aufbau des Ökosystems. Daran beteiligt sind u. a. die Bundesdruckerei mit ihrem Know-how für sichere Software-Architektur, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Fraunhofer Institut. 

Viel Interesse

Laut Bitkom-Umfrage zeigten 54 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger Interesse an der digitalen Brieftasche. 82 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigte in Deutschland würden ebenfalls die Wallet verwenden.

Bitkom-Chef Dr. Ralf Wintergerst: „Damit die digitale Brieftasche ein Erfolg wird, muss sie zum täglichen Standard werden, so wie wir das zum Beispiel vom elektronischen Bezahlen kennen. Dazu braucht es vor allem viele Anwendungsfälle mit echtem Mehrwert.“ Darauf müsse in den nächsten Monaten die Priorität liegen.  

Eingesetzt werden soll sie zum Beispiel auch bei der Paketabholung, bei Bankdienstleistungen oder Telekommunikationsverträgen. Damit die App künftig auch die hohen Sicherheitsanforderungen bei der Authentifizierung erfüllt, werden die Sicherheitsfaktoren derzeit geprüft. 

Mehr Details zu Nutzungsoptionen und Ausbaustufen der Wallet auf der Website der Bundesrepublik Deutschland.

Ausblick für Unternehmen: European Business Wallet (EUBW)

Als Gegenstück zur EUDI-Wallet für Privatpersonen plant die EU eine digitale Brieftasche für Unternehmen und andere Organisationen: die European Business Wallet (EUBW). Damit sollen sich Unternehmen künftig europaweit digital identifizieren, ihre Vertretungsberechtigungen nachweisen und Dokumente sicher austauschen können.

Das könnte beispielsweise die Anmeldung bei Behörden, die Beantragung von Genehmigungen oder den Austausch von Unternehmensnachweisen mit Geschäftspartnern erleichtern. Auch elektronische Signaturen und Siegel sind vorgesehen. Ziel ist es, Verwaltungsaufwand zu verringern und grenzüberschreitende Geschäftsprozesse zu vereinfachen.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen könnten von europaweit einheitlichen Standards profitieren. Wenn sich Nachweise künftig automatisiert austauschen und prüfen lassen, könnte das Verwaltungsprozesse vereinfachen und Kosten senken. Auch die technische Einbindung in bestehende Unternehmenssysteme dürfte dadurch leichter werden. Die EU-Kommission hat im November 2025 einen entsprechenden Verordnungsvorschlag vorgelegt. Anders als die EUDI-Wallet ist die European Business Wallet damit noch nicht einsatzbereit.