Die elektronische Rechnung ist längst kein nationales Einzelthema mehr. Nahezu alle europäischen Staaten digitalisieren Rechnungsstellung und umsatzsteuerliche Meldesysteme. Ein einheitliches europäisches Verfahren existiert bislang jedoch nicht. Stattdessen haben die Mitgliedstaaten auf Grundlage ihrer nationalen Gesetzgebung unterschiedliche Modelle eingeführt oder angekündigt.

Viele Länder, unterschiedliche Wege zur E-Rechnung

Zu den Vorreitern zählt Italien mit der seit 2019 verpflichtenden elektronischen Rechnungsstellung über das staatliche System Sistema di Interscambio (SdI).

Polen führt mit KSeF ein nationales System für strukturierte elektronische Rechnungen ein.

Frankreich startet seine Reform am 1. September 2026 mit einer verpflichtenden elektronischen Rechnungsstellung für inländische B2B-Umsätze sowie einem elektronischen Umsatzreporting für relevante Geschäftsvorfälle.

Belgien hat die strukturierte B2B-E-Rechnung auf Basis der EN 16931 eingeführt. Deutschland verfolgt einen stufenweisen Übergang zur verpflichtenden elektronischen B2B-Rechnung.

Kroatien setzt auf ein eigenes 5-Corner-Modell zur Übermittlung von Tax Data.

Auch die Slowakei, Spanien, Norwegen (ab 2027) sowie Estland, Luxemburg, Slowenien (nach 2028) und UK (2029) arbeiten an entsprechenden Regelungen.

Diese Vielfalt ist rechtlich möglich. Seit Inkrafttreten des ViDA-Pakets am 14. April 2025 dürfen Mitgliedstaaten verpflichtende nationale E-Rechnungssysteme ohne gesonderte Ausnahmegenehmigung des Rates der Europäischen Union einführen. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2025/516 zur Änderung der Mehrwertsteuersystemrichtlinie.

Gemeinsame Standards schaffen die Basis

Trotz der unterschiedlichen nationalen Ausprägungen beruhen viele Regelungen auf gemeinsamen europäischen Grundlagen. Für die semantischen Inhalte elektronischer Rechnungen bildet die EN 16931 den zentralen Standard. Nationale Formate wie XRechnung, Factur-X/ZUGFeRD oder Peppol BIS Billing orientieren sich daran oder bauen darauf auf.

Syntax und Übertragungsweg werden weiterhin national festgelegt. Gleichzeitig zeichnet sich ein Trend ab, OpenPeppol mit seinen EN-16931-konformen Standards als europaweit interoperables Netzwerk zu etablieren.

ViDA schafft einen europäischen Rahmen

Mit VAT in the Digital Age (ViDA) harmonisiert die Europäische Union die umsatzsteuerliche Digitalisierung für grenzüberschreitende B2B-Umsätze. Ab dem 1. Juli 2030 gelten hierfür harmonisierte Digital Reporting Requirements (DRR) auf Basis strukturierter elektronischer Rechnungsdaten. Gleichzeitig wird die elektronische Rechnung zum Regelfall. Bestehende nationale Echtzeit-Meldesysteme sind bis spätestens 1. Januar 2035 anzupassen.

ViDA ersetzt nationale Systeme nicht, sondern schafft einen gemeinsamen Rahmen für grenzüberschreitende Umsätze. Nationale Besonderheiten bleiben für inländische Geschäftsvorfälle bestehen.

Für Unternehmen mit grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen bedeutet dies, nationale Gesetze und technische Spezifikationen sowie die europäischen Vorgaben aus der Mehrwertsteuersystemrichtlinie, der EN 16931 und künftig den ViDA-Regelungen berücksichtigen zu müssen.

Interoperabilität wird zum entscheidenden Faktor

Die Entwicklung zeigt eine klare Richtung: Nationale Systeme werden weiter ausgebaut, gleichzeitig entsteht schrittweise ein gemeinsamer europäischer Rahmen für den elektronischen Rechnungsaustausch und die digitale Umsatzsteuerberichterstattung. Damit gewinnt die Interoperabilität zwischen den nationalen Lösungen zunehmend an Bedeutung.

Das TRAFFIQX® Netzwerk spielt hierbei eine zentrale Rolle: Als international ausgerichtetes E-Invoicing-Netzwerk verbindet es Unternehmen mit unterschiedlichen nationalen Systemen in Europa und ermöglicht einen durchgängigen elektronischen Rechnungsfluss über Ländergrenzen hinweg. Durch die umfassenden Länderanbindungen des TRAFFIQX® Netzwerks profitieren DATEV Mandanten und ihre Kunden per DATEV SmartTransfer dabei, nationale Anforderungen effizient zu erfüllen und den Weg in einen harmonisierten europäischen Datenaustausch zu ebnen.