Ziele des Vorstandes der WPK für die Amtszeit 2026 bis 2030
Wirtschaftsprüfung ist eine Vertrauensdienstleistung von zentraler Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Dieses Vertrauen gilt es zu bewahren, kontinuierlich zu stärken und auch unter veränderten wirtschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen zu festigen.
Der Wirtschaftsprüferberuf steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verändern die Prüfungspraxis, neue Wettbewerber und Geschäftsmodelle stellen gewachsene Strukturen infrage, und zugleich gilt es, die Attraktivität des Berufs für die nächste Generation zu sichern. Die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) muss diese Entwicklungen aktiv begleiten und die Interessen ihrer Mitglieder wirkungsvoll vertreten.
Daraus ergeben sich zwölf zentrale Ziele für die berufspolitische Arbeit des Vorstandes in den Jahren 2026 bis 2030:
1. Den Berufsstand gegenüber Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit selbstbewusst vertreten
Die WPK wird die beruflichen Belange ihrer Mitglieder frühzeitig und wirkungsvoll in politische und gesellschaftliche Debatten auf nationaler und internationaler Ebene einbringen. Dabei gilt:
- Keine weitere Regulierung um ihrer selbst willen. Neue Vorgaben müssen auf ihre Notwendigkeit, Praxistauglichkeit und Verhältnismäßigkeit überprüft werden.
- Das Berufsbild stärken. Die Bedeutung der Wirtschaftsprüfung für Vertrauen, Transparenz und die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft muss weiter verdeutlicht werden.
2. Die berufliche Selbstverwaltung festigen
Berufliche Selbstverwaltung ist ein wesentlicher Bestandteil eines starken und unabhängigen Berufsstandes. Sie muss erhalten, weiterentwickelt und dort gefestigt werden, wo sie die Eigenverantwortung und die fachliche Qualität des Berufsstandes sichert.
3. Ein modernes Berufsbild in die Zukunft tragen
Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung verändern die Tätigkeit der Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer. Das Berufsbild muss diese Entwicklungen aufnehmen, ohne seine Kernaufgaben und seine besondere Verantwortung aus dem Blick zu verlieren.
4. Nachwuchs gewinnen und das Berufsexamen zukunftsfest machen
Ein attraktiver Beruf braucht zielgerichtete und zeitgemäße Zugangswege. Das Berufsexamen muss den fachlichen Anforderungen gerecht werden, zugleich aber unnötige Hürden abbauen und die Lebenswirklichkeit der Kandidatinnen und Kandidaten stärker berücksichtigen. Dazu gehören auch das E-Examen und die umfassendere Anerkennung von Leistungen aus Hochschulstudiengängen.
5. Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit im Wettbewerb sichern
Die WPK stellt Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit auch unter veränderten Marktbedingungen sicher. Zu diesen gehört ein Wettbewerbsumfeld, das auch von Private Equity und Mitarbeiterbeteiligungsmodellen beeinflusst wird.
6. Mitglieder bei der Integration Künstlicher Intelligenz unterstützen
Künstliche Intelligenz verändert die Wirtschaftsprüfung nachhaltig. Die WPK soll ihre Mitglieder dabei unterstützen, die neuen Möglichkeiten fachlich fundiert, verantwortungsvoll und rechtssicher in die Prüfungspraxis zu integrieren. Dazu gehören Orientierung, Information und praxisnahe Unterstützung bei den sich daraus ergebenden Fragen sowie die Erläuterung und Entwicklung des berufsrechtlichen Rahmens.
7. Qualitätskontrolle praxisgerecht gestalten
Qualitätssicherung ist unverzichtbar. Die angemessene Qualitätskontrolle muss weiterhin auf Praxistauglichkeit, Verhältnismäßigkeit und Effizienz ausgerichtet sein.
8. Die WPK als starke Dienstleistungskammer für ihre Mitglieder weiterentwickeln
Die Mitglieder können sich darauf verlassen, dass ihre Kammer sie bei der Wahrnehmung ihrer beruflichen Aufgaben wirksam unterstützt. Die Serviceorientierung der WPK bleibt dabei ein zentrales Anliegen.
9. Digitalisierung der WPK fortführen
Digitale Prozesse halten weiter Einzug in die Kammerarbeit. Ziel ist eine WPK, die Verwaltungs- und Kommunikationsprozesse nach Maßgabe ihrer Aufgaben zunehmend einfacher, schneller und zeitgemäßer gestaltet.
10. Prüfung und Beratung aus einer Hand
Prüfung und Beratung aus einer Hand entspricht einem einheitlichen Dienstleistungsansatz. Die Rahmenbedingungen müssen so weiterentwickelt werden, dass Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer diese Leistungen auch künftig verantwortungsvoll, unabhängig und unter Wahrung der beruflichen Anforderungen erbringen können.
11. Die berufspolitische Arbeit konsequent fortsetzen
Es gilt, die bestehenden berufspolitischen Aktivitäten fortzuführen. Zu diesen gehören insbesondere die Novellierung der Wirtschaftsprüferordnung, die Vorbehaltsaufgabe der Pflichtprüfung von Nachhaltigkeitsberichten und die Zusammenführung der Prüferberufe.
12. Modernisierung des Wahlverfahrens
Auch die Beteiligung der Mitglieder an der beruflichen Selbstverwaltung hat den digitalen Möglichkeiten zu entsprechen. Der Vorstand wird hierzu die Voraussetzungen schaffen.
Quelle: Wirtschaftsprüferkammer