Der weltweite Containerumschlag ist im September gegenüber dem Vormonat kräftig gestiegen. Vor allem in den chinesischen Häfen legte er nach einer längeren Schwächephase um sechs Prozent stark zu. Ein Grund dafür dürften Vorzieheffekte vor den Feiertagen Anfang Oktober sein. Auch in den übrigen Weltregionen zog der Containerumschlag an. Darin dürfte sich in Teilen der weltweite KI-Boom widerspiegeln, der den Handel mit Elektrotechnik antreibt.
Der vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) berechnete Containerumschlag-Index ist im September kräftig von 142,4 (revidiert) auf 146,8 Indexpunkte gestiegen. Inzwischen scheinen sich viele Unternehmen auf die Lieferschwierigkeiten aus der Golfregion eingestellt zu haben, sodass deren dämpfende Wirkung weniger spürbar ist.
Unterschiede in wichtigen Hafenregionen
Der Containerumschlag stieg in den Weltregionen mit unterschiedlicher Dynamik. In den chinesischen Häfen kletterte der Index besonders stark – von 156,5 (revidiert) auf 165,9 Punkte. Der Nordrange-Index, der als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichen Euroraum gilt, legte im September ebenfalls zu. Mit einem Anstieg von 123,9 Punkten (revidiert) auf 124,5 Punkte fiel der Zuwachs jedoch weniger deutlich als in den chinesischen Häfen und war nicht so kräftig wie im Vormonat.
Welthandel bleibt robust
Zur Entwicklung des Containerumschlag-Index sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Der Welthandel erweist sich als robuster, als wir im Verlauf des Iran-Kriegs angenommen hatten. Ruhig schlafen können wir deswegen allerdings nicht. Der kräftige Anstieg im September dürfte zu einem großen Teil auf einen Sondereffekt in China zurückgehen: Vor der ‚Goldenen Woche‘ rund um den Nationalfeiertag, in der viele Fabriken stillstehen, haben Exporteure in diesem Jahr wohl besonders viele Lieferungen vorgezogen. Im Oktober dürfte der Umschlag in den chinesischen Häfen daher wieder nachlassen. Vor allem aber sind die Folgen des Krieges noch nicht ausgestanden: Die hohen Energiekosten arbeiten sich durch die Lieferketten und verteuern nach und nach immer mehr Waren. Ein strenger Winter oder eine erneute Eskalation am Golf könnte die Knappheit bei Diesel und Heizöl verschärfen und die ohnehin hohe Inflation weiter nach oben treiben.“
Quelle: Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung (RWI Essen)