Nürnberg, 17. Juli 2026: Auch im 60. Jahr ihres Bestehens laufen die Geschäfte bei der DATEV eG gut. Zum 30. Juni 2026 erreichte der IT-Dienstleister einen Umsatz in Höhe von 881,0 Millionen Euro (Vj. 810,2 Millionen). Bei der Kundenbasis wurde im Juni der Wert von einer Million übertroffen, zum Stichtag lag die Zahl der Kundinnen und Kunden bei 1,01 Millionen. Seit Jahresbeginn ist das ein Zuwachs von mehr als 80.000. Gleichzeitig zählte die Genossenschaft 40.176 Mitglieder und 9.015 Beschäftigte. Das starke Umsatz- und Kundenwachstum wertete CEO Prof. Dr. Robert Mayr auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens als Zeichen des Vertrauens und betonte insbesondere die damit verbundene Verantwortung: „Die entscheidende Frage ist nicht, wie DATEV heute dasteht. Die entscheidende Frage ist, wie wir unsere Mitglieder und Kunden so unterstützen, dass sie auch morgen und übermorgen erfolgreich arbeiten können.“

Aktuell führt die Antwort auf diese Frage in die Cloud und zur entsprechenden Weiterentwicklung des Produktportfolios. Als wichtigen Meilenstein bewertete Mayr die Cloud-Lösung DATEV Kanzleimanagement, eine der Kernanwendungen des Unternehmens, auf die die Anwender ab Oktober migrieren werden. Sie unterstützt Steuerberatungskanzleien dabei, ihre internen Abläufe effizient und auftragsbasiert zu steuern – von der Mandatsanbahnung über die Organisation der Leistungserstellung bis hin zur Rechnungsstellung mit begleitendem Controlling.

Selbstbestimmt bleiben mit eigenen Rechenzentren

Eng verknüpft mit der Cloud ist die aktuelle Diskussion um das Thema digitale Souveränität. Im Dreiklang von technologischer Souveränität, operativer Souveränität und Datensouveränität sorgt DATEV mit einer Reihe von Maßnahmen dafür, auch im Cloud-Umfeld so selbstbestimmt wie möglich agieren zu können. Ein zentraler Punkt: „DATEV hat sich für eine klare Strategie entschieden und betreibt eigene Cloud-native Rechenzentren. Damit schaffen wir die Grundlage, zentrale Teile der Infrastruktur selbst zu steuern und weiterzuentwickeln. Elementar ist für uns dabei das eindeutige Bekenntnis zum Standort Deutschland und zur Metropolregion Nürnberg“, so DATEV-CTO Prof. Dr. Christian Bär. 

Auch wenn gerade im technologischen Bereich derzeit keine vollständige Unabhängigkeit realisierbar ist, so ist DATEV sehr gut aufgestellt, um sich Datenhoheit und größtmögliche Kontrolle beim Betrieb der Anwendungen zu sichern. Bärs Fazit: „Digitale Souveränität bedeutet für uns nicht vollständige Unabhängigkeit. Sie bedeutet, jederzeit selbst entscheiden und auch unter veränderten Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben zu können.“

KI in der Softwareentwicklung und im Kundeneinsatz

Eine stetig wachsende Bedeutung erfährt auch das Thema künstliche Intelligenz bei DATEV. Um schnell qualitativ hochwertige Softwarelösungen auf den Markt zu bringen, ist sie bereits heute ein fester Bestandteil der Softwareentwicklung des Unternehmens. Von der Durchführung einzelner Entwicklungsschritte (etwa bei Konzepten), Coding, Reviews, Tests, Dokumentation, Analysen und Modernisierung der Codebasis bis hin zu KI-Agenten, die Entwicklungsaufgaben eigenständig vorbereiten und ausführen können, unterstützt KI über die gesamte Prozesskette. Wichtig dabei: KI-Werkzeuge agieren immer als Assistenz- und Unterstützungssysteme – verantwortlich für Architektur, Qualität, Sicherheit und fachliche Entscheidungen bleiben aber stets die menschlichen Entwicklerinnen und Entwickler.

Über den Einsatz im eigenen Haus hinaus erschließt DATEV die Vorteile von KI auch flächendeckend für die Kunden. Neben einem dezidierten KI-Angebot mit Lösungen wie Automatisierungsservices im Rechnungswesen, dem Liquiditätsmonitor online, dem Einspruchsgenerator oder dem DATEV Copilot wird der IT-Dienstleister KI in allen angebotenen Anwendungen überall dort verfügbar machen, wo sie einen Nutzen stiften kann. „Wir nennen diesen Ansatz „AI-integrated“, erläuterte Christian Bär. „Unsere Kunden sollen KI einfach anwenden können, ohne selbst erst zu Experten zu werden. Wir reduzieren Komplexität für die Anwender und geben ihnen Sicherheit.“

Dass der Bedarf dafür existiert, zeigt die stark zunehmende Nutzung bei den Mitgliedern der Genossenschaft. In der DATEV Digitalisierungsumfrage aus dem Frühjahr 2026 gab gut die Hälfte der Kanzleien an, KI bereits regelmäßig zu nutzen – im vergangenen Jahr war es noch ein knappes Drittel. Bei großen Kanzleien ist dieser Anteil sogar auf fast drei Viertel gestiegen – von gut der Hälfte im Vorjahr.

Die nächste Stufe der E-Rechnungspflicht

Als weiteres Mittel, um Effizienz in den Unternehmen durch schlankere, teilautomatisierte Prozesse zu steigern, gilt die E-Rechnung. Bei deren Aufkommen stellt DATEV bereits eine zunehmende Dynamik fest. Über DATEV-Systeme liefen bereits im ersten Halbjahr 2026 mehr als 51 Millionen E-Rechnungen. Im gesamten Jahr 2025 waren es gut 64 Millionen. In der Gesamtbetrachtung sei dies allerdings immer noch ein geringer Anteil am Rechnungsaufkommen in Deutschland, so Robert Mayr. „Bei einem Großteil insbesondere der kleineren Mittelständler steht das Thema nach wie vor nicht im Fokus. Von vielen Steuerberaterinnen und Steuerberatern wissen wir, dass ihre Mandanten die Übergangsfrist ausreizen wollen.“ Vor diesem Hintergrund appellierte er ein weiteres Mal an die Unternehmen, sich die Vorteile der E-Rechnung frühzeitig zu erschließen und nicht bis zum Auslaufen der Übergangsfristen zu warten. Für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro werde die Ausstellung einer E-Rechnung sowieso bereits ab dem 1. Januar 2027 verpflichtend.

 

Basis für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik

Verantwortung für den steuerberatenden Berufsstand wie auch für den von ihm betreuten Mittelstand übernimmt DATEV unter anderem mit dem DATEV Mittelstandsindex. Nahezu in Echtzeit liefert er einen datenbasierten Blick auf die Lage des Mittelstands. Die Datengrundlage stammt aus der täglichen Arbeit zehntausender Steuerberatungskanzleien. Diese Daten fließen anonymisiert und aggregiert in ein Instrument, das über die Wirtschaft hinaus auch eine hervorragende Basis für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik liefert. 

Aus den Werten lässt sich ablesen, dass der Mittelstand bereits seit drei Jahren mit einer Umsatzschwäche zu kämpfen hat und seine Lage durch vielfältige Herausforderungen geprägt bleibt. „Wo Kosten – insbesondere für Löhne und Gehälter – nach wie vor stärker steigen als Umsatzerlöse, lässt sich die Situation bestenfalls als Stillstand unter Druck beschreiben“, konstatierte Robert Mayr. Der Mittelstand brauche mehr politische Verlässlichkeit und schlankere staatliche Strukturen. In der aktuellen Befragung DATEV Seismograf nennen die steuerlichen Berater Überregulierung und Bürokratie an der Spitze der Problemfelder, die Unternehmen in ihrem Erfolg beeinträchtigen. 83 Prozent der Beraterinnen und Berater sehen ihre Mandanten davon betroffen. „Wir brauchen also einfachere Verfahren, verständliche Regeln und digitale Prozesse, ohne zusätzliche Komplexität zu schaffen”, so Mayr. „Wenn der Mittelstand wieder in bessere Zeiten kommen soll, müssen wir ihn entlasten.“

In diesem Kontext warf der DATEV-CEO auch einen Blick auf die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Einkommensteuerreform und wies darauf hin, welche Folgen diese Vorhaben für den Mittelstand haben können. Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine Erhöhung oder eine Absenkung der Einstiegsschwelle für die sogenannte Reichensteuer mahnte er: „Es darf nicht vergessen werden, dass Personengesellschaften und Einzelunternehmen etwa 73 Prozent der Unternehmen in Deutschland ausmachen. Viele davon würde eine solche Mehrbelastung treffen, denn ihre Unternehmensteuer ist die Einkommensteuer.“ Für die Betriebe werde dann der Spielraum für die dringend notwendigen privatwirtschaftlichen Investitionen weiter eingeengt.