Nürnberg, 09. September 2026: Überregulierung und Bürokratie sind nach Einschätzung der steuerlichen Berater weiterhin die größte Hürde für den Erfolg mittelständischer Unternehmen. In der aktuellen Welle der Studie DATEV-Seismograf sehen 83 Prozent der Befragten ihre Mandanten davon betroffen. Auf Rang 2 finden sich die gestiegenen Energiekosten mit 71 Prozent, während dem Fachkräftemangel (nun auf Platz 3) mit 65 Prozent deutlich weniger Gewicht zukommt als noch in der Befragung im Jahr zuvor.
Hinzu kommt, dass im Vergleich zum Vorjahr tendenziell eine stärkere Betroffenheit der Unternehmen von den genannten Problemfeldern konstatiert wird. Das ist bei nahezu allen identifizierten Herausforderungen so, zu denen beispielsweise auch gestiegene Rohstoffpreise, Inflation, steigende Finanzierungskosten oder wegfallende Absatzmärkte zählen. Lediglich bei den Punkten Fachkräftemangel und Personalausfall hat sich der Grad der Betroffenheit nach Ansicht der Steuerberater verringert.
Eingetrübte Geschäftsprognosen für die Unternehmen
Die wirtschaftlichen Aussichten ihrer Mandanten bewerten die steuerlichen Berater insgesamt schwächer als noch im Vorjahr. Während das Gros der Befragten sich weiterhin neutral äußert und dieser Anteil mit 57 Prozent konstant bleibt, steigt der Wert bei den negativen Erwartungen deutlich um 10 Prozentpunkte auf nun 28 Prozent an. Bei der Frage, wie viele Unternehmen in ihrer Mandantschaft die Berater als existenzgefährdet ansehen, bleibt der Durchschnitt mit 7 Prozent nahezu konstant gegenüber dem Vorjahr (8 Prozent). Auffällig ist aber, dass der Anteil an Kanzleien, die kein einziges ihrer Mandanten als existenzgefährdet einstufen, um 6 Prozentpunkte auf 14 Prozent sinkt.
Zunehmende Basis für die digitale Zusammenarbeit
Erfreulich ist die Entwicklung im Bereich der digitalen Zusammenarbeit der Unternehmen mit ihren steuerlichen Beratern, die hilft, den Aufwand auf beiden Seiten zu senken. So sind inzwischen in 91 Prozent der Kanzleien Prozesse und Softwarelösungen etabliert, mit denen die Mandanten ihnen die für die Finanzbuchführung benötigten Belege digital bereitstellen können. 76 Prozent können auch weiterführende Auswertungen digital zurückspielen und 73 Prozent sind in der Lage, Buchungsvorschläge aus den Vorsystemen der Mandanten zu übernehmen. Auch bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung verliert das Papier an Bedeutung. 78 Prozent der Kanzleien nutzen bereits die Option, Gehaltsinformationen elektronisch an die Unternehmen zu übermitteln, beim Großteil davon (71 Prozent) ist es sogar möglich, diese direkt an die Beschäftigten der Betriebe zu senden.
Zur Methodik
Aus dem seit März 2020 regelmäßig erhobenen Corona-Barometer ist nach dem Abklingen der Pandemie im Juni 2022 der DATEV-Seismograf hervorgegangen. Es handelt sich dabei um die wiederkehrende Befragung einer repräsentativen Stichprobe von DATEV-Mitgliedern mit jeweils aktualisierten Fragen. Ergänzend zum monatlich erscheinenden DATEV Mittelstandsindex, der auf aggregierten und anonymisierten Unternehmensdaten basiert, erfasst der DATEV Seismograf die subjektive Einschätzung der Mitglieder zur aktuellen Lage und Entwicklung des Berufs- und Mittelstands.
Gegenstand der Untersuchung ist stets ein doppelter: Einmal geht es um die wirtschaftliche Lage im Mittelstand und die Auswirkungen der veränderungsbedingten Herausforderungen auf das jeweilige Geschäftsfeld. Das zweite Thema ist die aktuelle Einschätzung der Lage in den Kanzleien selbst und damit ein Blick auf die Situation im steuerberatenden Berufsstand. Wie bei den vorherigen Befragungswellen waren 7.500 Kanzleien per E-Mail dazu aufgerufen, sich an der Online-Umfrage zu beteiligen. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 08. und 15. Juni 2026. Insgesamt 398 Kanzleien haben den Fragebogen ausgefüllt.
Die Ergebnisse werden unter go.datev.de/seismograf regelmäßig veröffentlicht. Dort stehen auch Grafiken zur Illustration bereit.