In einer Großkanzlei wird Networking auch innerhalb der Firma wichtig.
Als Geschäftsführerin der wetreu KG weiß Dajana Schmitz, was zu tun ist, damit Teams sich richtig gut vernetzen.

 

Text: Christian Gottwalt, Martina Mendel 

Die meisten Menschen verbinden Networking mit dem Besuch von Tagungen, Konferenzen und Eventssowie einem gelegentlichen Business Lunch. Schließlich geht es darum, neue Kundenzu gewinnen, potenzielle Geschäftspartner kennenzulernenoder die Kanzlei bekannter zu machen. Wer so denkt, übersieht etwas: das Networking im eigenen Unternehmen.

„Ein funktionierendes internes Netzwerk ist für uns ein echter Wettbewerbsfaktor, fachlichund auch wirtschaftlich“, sagt Dajana Schmitz, Geschäftsführerin der Großkanzlei wetreu KG. Denn ein Team aus starken Partnern, das überStandorte und Fachgebiete hinweg harmoniert, verbessert die Qualität und produziert Sicherheitim gesamten Kanzleiverbund.

Dajana Schmitz leitet einen von 60 Standorten der Großkanzlei. Für eine Firma, in der 850 Menschen weit verteilt arbeiten, ist ein funktionierendes internes Netzwerk essenziell, weshalb die wetreu vielfältige Netzwerke geschaffen hat. Für Auszubildende beginnt das Networking mit einer einwöchigen Auftaktveranstaltung und der Integration ins bestehende Azubi-Netzwerk. Dajana Schmitz sieht in den jungen Leuten eine Bereicherung fürs Unternehmen: „Sie bringen neue Perspektiven ein, bewegen sich selbstverständlich in digitalen Umgebungen und können als Botschafter der Kanzlei nach außen wirken.“

"Netzwerke sind ein echter Wettbewerbsfaktor – fachlich undwirtschaftlich."

Dajana Schmitz,
Geschäftsleiterin wetreu KG

Entscheidend sind geschützte Räume

Die tägliche Zusammenarbeit wird durch spezielle Austauschformate ergänzt, die bei wetreu Menschen mit ähnlichen Aufgaben und Interessen zusammenbringen: die Auszubildenden, aber auch die Mitarbeitenden im Sekretariat oder die angehendenSteuerberater und Steuerberaterinnen. Manche Gruppen begegnen sich remote, andere persönlich. Die einen runden ihr Programm miteiner Stadtführung ab, andere sehen sich regelmäßig zum Yoga. „Es sollen geschützte Räume entstehen, in denen Fragen gestellt, Fehler besprochenund Beziehungen aufgebaut werden können“, sagt Dajana Schmitz.

Auch die Führungskräfte, Geschäftsführer und Prokuristen treffen sich einmal im Jahr für zwei Tage an einem der Standorte. Die Tagung bietet Einblicke in andere Arbeitsweisen und lässt Raum für Zwischentöne und subtile Emotionen: „Viele werden dabei wieder daran erinnert, wie groß die wetreu ist“, sagt Dajana Schmitz, „und viele nehmen die gemeinsame Zeit als Ausdruck großer Wertschätzung wahr“.

Beim Sommerfest treffen sich standortübergreifendalle Mitarbeiter. Sie können sich dort inlockerer Atmosphäre austauschen und zusammen feiern. Für das Unternehmen sind gut gepflegte interne Netzwerke Gold wert, gerade bei komplexen Mandaten. Schließlich gibt es immer wieder Situationen, in denen der Austausch mit anderen zusätzliche Sicherheit schafft. Netzwerke helfen, Fehler zu vermeiden, indem sie eine Fehlerkultur befördern, in der Erfahrungen aus vielschichtigen, rechtlich sensiblen Situationen oder beruflichen Grauzonen offen geteilt werden dürfen, damit andere daraus lernen können.

Dajana Schmitz hat selbst früh erfahren, dass gute Beziehungen auch wichtig für die persönliche Entwicklung sind. Erfahrene Kollegen haben sie über viele Jahre unterstützt und gefördert. Bis heute arbeitet sie mit einem persönlichen Führungskräfte-Coach zusammen, der ihr hilft, neue Perspektiven einzunehmen und eigene Denkmuster zu hinterfragen.

Mit guten Kontakten freigiebig sein

Ihr eigener Netzwerkstil lässt sich als strukturiert, authentisch und verbindlich beschreiben. Im Gespräch wirkt sie energiegeladen, umtriebig und offen. Eine Persönlichkeit, die gerne mit Menschen zu tun hat. Dajana Schmitz geht gezielt auf andere zu und freut sich, wenn es menschlich oder fachlich gut passt. „Man muss schon bereit sein, sich zu öffnen“, sagt sie, „Kontakte entstehen nicht zufällig“.

Das gilt auch für die Kontakte nach außen. Besonders wichtig sind Dajana Schmitz der Verband und die Kammer, wo sie sich auf Landes- und Bundesebene engagiert, besonders für die berufsrechtliche Ausbildung. Oder beim Kolleginnen-Forum der Steuerberaterkammer Niedersachsen. Auch beim DATEV Grünen Tisch trifft sie Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kanzleien.

Viele Kanzleien stehen vor den gleichen Aufgaben: Digitalisierung, Fachkräftemangel, Employer Branding, Führung, Spezialisierung, Wissensmanagement und Regulatorik. „Wir sind eigentlich alle Verbündete. Wir haben alle ähnliche Probleme und Fragen“, sagt Dajana Schmitz. Trends zu spät zu erkennen, könne zu Fehlern führen. Deshalb brauche es mehr Austausch.

Und natürlich kann gute Netzwerkarbeit auch neue Kunden bringen. Dajana Schmitz empfiehlt dabei eine gewisse Uneigennützigkeit. Das Prinzip „Geben vor Nehmen“ ist für sie selbstverständlich. Dass so die Chance steigt, selbst von einer uneigennützigen Empfehlung zu profitieren, hat sie schon erfahren: Ein früherer Kollege hatte sie gebeten, das Mandat seines Freundes zu übernehmen, er wollte Berufliches und Privates nicht vermischen. So kam sie zu einem großen Mandat, das sonst für sie unerreichbar gewesen wäre.

Die Kanzlei

  • Die wetreu Steuerberatungsgesellschaft ist in neun Bundesländern vertreten. Die Bandbreite reicht von privaten, freiberuflichen und gewerblichen Mandaten bis zu Großbetrieben in der Agrarwirtschaft.
  • 130 Jahre besteht die wetreu KG. Nachfolger finden sich bevorzugt in den eigenen Reihen und Mandate werden oft über Generationen betreut.
  • 60 Standorte gehören zur wetreu KG. Am Hauptsitz in Kiel betreibt sie ein eigenes Rechenzentrum.
  • 850 Mitarbeitende sindin den einzelnen Gesellschaften tätig, manche von ihnen über Jahrzehnte.