Digitalisierungsfortschritte in den Steuerberatungskanzleien

DATEV Digitalisierungsindex für Steuerberater mit deutlichem Plus

Nürnberg, 10. Juli 2020: Der DATEV-Digitalisierungsindex für Steuerberater zeigt, dass die Steuerberatungskanzleien im vergangenen Jahr bei der Digitalisierung ihrer Kanzleiprozesse einen deutlichen Schritt vorangekommen sind. Mit einer Steigerung um 10,0 Indexpunkte erreicht der aktuelle Digitalisierungsindex insgesamt einen Wert von 112,4 Punkten. Hauptsächliche Treiber dieser Entwicklung sind die Teilindizes Prozesse (+14,9 Punkte) und Strategie (+12,7 Punkte). Kleine Kanzleien mit bis zu 4 Mitarbeitern haben im vergangenen Jahr besonders intensiv ihre Digitalisierung vorangetrieben. Ihr Indexwert steigt um 14,1 Punkte auf 99,8. Mittlere Kanzleien (5-13 Mitarbeiter) legten um 7 Punkte auf 115,1 zu, große Kanzleien mit mehr als 14 Mitarbeitern steigerten sich auf 136,2 (+13,4 Punkte).

Der Erhebungszeitraum fiel größtenteils in die Zeit vor dem bundesweiten Lockdown am 22. März, so dass die Ergebnisse weitgehend die Situation vor der Corona-Krise wiedergeben. Im Herbst wird die Untersuchung wiederholt, um die Auswirkungen der Corona-Situation auf die Digitalisierung im Berufsstand zu erfassen. „Ich bin gespannt, wie sich die Zahlen bei unserer nächsten Erhebung im Herbst verändern werden“, so Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. „Unsere Erfahrungen der letzten Wochen sprechen dafür, dass in der Corona-Krise vor allem die Prozesse in den Kanzleien einen deutlichen zusätzlichen Digitalisierungsschub erfahren haben. Die positiven Erfahrungen mit der Digitalisierung im Krisenmodus müssen wir nun auch für den normalen Regelbetrieb weitertragen. Wenn dies gelingt, dann haben wir – der Berufsstand und seine Genossenschaft – die Chancen der Krise gemeinsam und zukunftsorientiert genutzt.“

Als wichtigsten Treiber der Digitalisierungsprozesse nennen die Steuerberater ihre Zukunftssicherung (71 Prozent). Ein weiterer wichtiger Treiber ist beispielsweise die Zeitersparnis/Optimierung (60 Prozent). Als Hemmnisse werden unter anderem die Bereitschaft der Mandanten (65 Prozent) genannt sowie der zeitliche Aufwand der Implementierung (55 Prozent).

Wie hoch das Digitalisierungsniveau einer Kanzlei ist, hängt stark vom Digitalisierungsgrad des Dateninputs ab. Je stärker die Digitalisierung der eingehenden Daten fortgeschritten ist, desto einfacher können die weiteren internen Prozesse und der Datenoutput digitalisiert und Organisationsanpassungen vorgenommen werden. Das haben auch die Steuerberatungskanzleien erkannt, wie die diesjährige Erhebung zeigt. Der Dateninput in digitaler Form hat stark zugelegt, insbesondere über direkte Schnittstellen (+7,0 Prozentpunkte). Weniger als die Hälfte der eingehenden Dokumente werden noch auf Papier angeliefert. Gerade die kleinen Kanzleien haben sich hier enorm weiterentwickelt: Der Anteil der eingehenden Dokumente in Papierform sinkt von 67 auf 51 Prozent, dafür steigt der Anteil des originär-digitalen Inputs von 11 auf 25 Prozent. Auch die Archivierung der Dokumente findet in den Kanzleien mehrheitlich (63 Prozent) in digitaler Form statt.

Eine besondere Herausforderung ist allerdings der Personalmangel. Die Rekrutierung neuer Mitarbeiter wird bei den Kanzleien aller Größen als zunehmend schwierig empfunden – insgesamt sind es knapp 80 Prozent. Die problematischen Auswirkungen dieser Hürde auf das Tagesgeschäft sehen insgesamt fast zwei Drittel der Befragten. Insgesamt ist die Arbeitslast durch die Personalknappheit häufig so hoch, dass die Kanzleien die digitale Weiterentwicklung nur schwerlich vorantreiben können.

Dass die zunehmende Digitalisierung Auswirkungen auf ihr Dienstleistungsangebot hat, bestätigen gut drei Viertel aller Kanzleien – das sind 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die größte Zustimmung findet sich in großen Kanzleien, in denen 90 Prozent die Auswirkungen spüren, mittlere Kanzleien haben um 10 Prozentpunkte zugelegt auf 82 Prozent. Kleine Kanzleien liegen bei 64 Prozent, die Zustimmung ist aber um 11 Prozentpunkte gestiegen.

Zur Methodik

Der DATEV-Digitalisierungsindex besteht aus fünf Teilindizes. Im ersten Teilindex geht es um eine Selbsteinschätzung der Steuerberater in Bezug auf das Vorhandensein einer Digitalisierungsstrategie sowie deren Umsetzungsbestrebungen in der eigenen Kanzlei, also die „digitale Affinität“. Im Gegensatz dazu geht es bei den vier anderen Teilindizes um den ganz konkreten und aktuellen Digitalisierungsstand in vier maßgeblichen Bereichen: im Belegeingang, in den Prozessen, im Kanzleimanagement und in der Verbreitung digital unterstützter Dienstleistungen. Die Teilindizes fließen jeweils zu einem Fünftel in den Gesamtindex ein.

Das Ergebnis rangiert in einem Wertebereich zwischen 0-200, wobei der Wert 0 für einen keinen wahrnehmbaren Digitalisierungsgrad steht. Je höher der Wert, desto weiter fortgeschritten ist die Digitalisierung. Der Wert von 200 bedeutet eine nach heutigem Technologiestand maximale Digitalisierung der relevanten Prozesskreisläufe.

Die Erhebung wurde mittels eines Online-Fragebogens vom 12. bis 30. März 2020 durchgeführt. Es wurden 10.000 Steuerberater eingeladen, wobei auf eine repräsentative Verteilung nach Region und Kanzleigröße (nach Mitarbeiteranzahl) geachtet wurde. Teilgenommen haben 298 Steuerberater. Aufgrund der COVID-19 Krise wurde nach der initialen Einladung auf weitere Erinnerungen zur Teilnahme verzichtet, so dass die Teilnehmerzahl unter den früheren Wellen liegt. Auch die telefonische Befragung der Nicht-Mitgliedskanzleien von DATEV wurde unterbrochen und nicht zu Ende geführt, weshalb in dieser Frühjahrswelle die Wettbewerbskanzleien nicht Teil der Stichprobe sind. Dennoch sind die Ergebnisse repräsentativ für DATEV-Mitglieder.

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