DATEV Corona-Barometer: Steuerberater mit ambivalenter Lageeinschätzung

Kanzleien beurteilen Lage einiger Mandanten weiterhin als kritisch

Grafik_2
Quelle: DATEV eG

Nürnberg, 10. Juli 2020: Trotz des umfangreichen Konjunkturpakets, das die Bundesregierung am 1. Juli verabschiedet hat, zeichnen die Steuerberater hinsichtlich der Zukunft ihrer meist mittelständischen Mandanten ein ambivalentes Bild: 38 Prozent der Kanzleien halten weitere Insolvenzen aus ihrem Mandantenstamm in den nächsten sechs Monaten für wahrscheinlich. Genauso viele Kanzleien sind aber auch optimistisch, dass ihr Mandantenstamm in den nächsten sechs Monaten von Insolvenzen verschont bleibt. Auch im Hinblick auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Konjunkturpakets ist eine polarisierte Meinung der Steuerberater zu verzeichnen: Für 34 Prozent kommen die Maßnahmen zu spät. 27 Prozent sind wiederum der Ansicht, dass die Maßnahmen noch rechtzeitig in Kraft treten, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Ein Großteil (39 Prozent) hat zum zeitlichen Timing der Maßnahmen eine eher neutrale Haltung. Das zeigt die inzwischen sechste Befragungswelle des DATEV Corona-Barometers.

Gefährdungslage bei mittelständischen Unternehmen

Die aktuelle Gefährdungslage bei den mittelständischen Unternehmen hat sich nach Einschätzung der Steuerberater seit Beginn der Corona-Krise allerdings spürbar gebessert, auch wenn sie noch immer keinen Anlass zur Beruhigung bietet. Die Studienteilnehmer stufen momentan 22 Prozent ihrer Mandanten ohne staatliche Unterstützung als insolvenzgefährdet ein. In der ersten Befragungswelle Ende März gingen sie noch von 40 Prozent aus, deren Existenz durch die Pandemie bedroht sei. Der Anteil der Existenzgefährdungen trotz staatlicher Hilfen wird aktuell unverändert mit durchschnittlich 4% beziffert. Vor allem mit Beginn der Lockerungen der Corona-Maßnahmen ab der zweiten Maihälfte hat sich die Situation in den Unternehmen etwas entspannt. Diese rückläufige Tendenz zeigt sich unter Einbezug der Maßnahmen aus den bisherigen staatlichen Unterstützungspaketen: Der Anteil trotz staatlicher Hilfen insolvenzgefährdeter Mandanten sank im Vergleich zur ersten Befragungswelle sukzessive um insgesamt sieben Prozentpunkte auf vier Prozent. Allerdings stagniert der Anteil der Unternehmen, die den Eingang staatlicher Fördermaßnahmen verzeichnen konnten, seit Ende Mai bei knapp einem Drittel.

Grafik_1
Quelle: DATEV eG

Während anfangs 21 Prozent der Steuerberater davon ausgingen, dass die Fördermaßnahmen mit Rückzahlungsverpflichtung rechtzeitig bei ihren Mandanten eintreffen, um Insolvenzen zu vermeiden, sind mittlerweile 33 Prozent dieser Ansicht. Noch etwas besser bewerten sie den Zeitpunkt der Auszahlung von Fördermitteln ohne Rückzahlungsverpflichtung. Im Vergleich zur ersten Befragungswelle (31 Prozent) sind 49 Prozent der Meinung, dass die Unterstützungsleistungen rechtzeitig bei ihren Mandanten eintreffen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei der Höhe der Hilfszahlungen ab: Bei den Fördermaßnahmen mit Rückzahlungsverpflichtung sind 32 Prozent der Befragten der Meinung, dass sie ausreichend sind, um Unternehmen vor dem Aus zu bewahren, ein Plus von vier Prozentpunkten zur ersten Befragungswelle. 43 Prozent der Kanzleien gehen davon aus, dass die Höhe der Fördermittel ohne Rückzahlungsverpflichtung ausreichend ist. In der ersten Befragungswelle waren 31 Prozent dieser Meinung.

Grafik_5
Quelle: DATEV eG

Lage in den Kanzleien

Trotz des Lockdowns konnten und können die Steuerberater ihren Mandanten in der Corona-Zeit wirkungsvoll zur Seite stehen. Die Pandemie machte sich nur begrenzt in der Leistungsfähigkeit der Kanzleien bemerkbar. Über alle sechs Befragungswellen lag diese im Vergleich zur Normalsituation - nach Einschätzung der Steuerberater - zwischen 84 und 90 Prozent.

Allerdings gehen 88 Prozent der Steuerberater davon aus, dass durch das neue Konjunkturpaket neben den bisherigen Mehrbelastungen weiterer größerer Aufwand im Kanzleigeschäft entstehen wird. Dabei steht vor allem die neue Rolle als Compliance-Instanz für die Beantragung der Überbrückungshilfen im Fokus. Der Gesetzgeber hatte damit auf die Zielgenauigkeit und Betrugsanfälligkeit der Maßnahmen aus dem ersten Unterstützungspaket reagiert.

Informationen zur Studie

Auch in Corona-Zeiten vertrauen viele mittelständische Unternehmen auf die Expertise ihrer Steuerberater. Diese haben fundierte Einblicke in die wirtschaftliche Situation und die Auswirkungen der Corona-bedingten Beschränkungen auf das jeweilige Geschäft. Um einen breiteren Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage im Mittelstand zu erlangen, führt DATEV seit dem 27.3. regelmäßige Befragungen ihrer Mitgliedskanzleien durch. Je 7.500 Kanzleien werden dabei per E-Mail eingeladen, sich per Online-Fragebogen zu beteiligen. An der nunmehr sechsten Befragungswelle vom 19.-23. Juni haben 416 Kanzleien teilgenommen. Die Ergebnisse dieser Befragung wie auch der vorhergehenden fünf Wellen sind unter www.datev.de/corona-barometer veröffentlicht.

Pressekontakt

DATEV eG

Till Stüve
Telefon 0911 319-51223
till.stueve@datev.de
twitter: @DATEV_Sprecher