Portrait Sebastian Koch

Wenn Sebastian Koch von seiner neuen Aufgabe spricht, wirkt er konzentriert, zugleich aber nahbar. Kein Funktionärsdeutsch, keine gestanzten Floskeln – vielmehr der Ton eines Menschen, der zuhört und gestalten will. Seit Ende des letzten Quartals verantwortet der 50-Jährige bei DATEV in Nürnberg das Ressort „Chief Business Development Officer“. Für die Genossenschaft markiert sein Amtsantritt mehr als nur eine Personalie: Er verbindet die gewachsene Nähe zu den Mitgliedern mit einer klaren Vision für die Zukunft.

Ein Weg nach Nürnberg

Kochs Biografie spiegelt das Spannungsfeld wider, in dem er nun wirkt: Wirtschaft, Recht, Regulierung und Beratung. Geboren im Saarland, aufgewachsen im Ruhrgebiet, entschied er sich nach dem Abitur für ein duales Kombimodell aus Ausbildung und Studium: Er lernte Steuerfacharbeit von der Pike auf kennen, durchlief die Ausbildung zum Steuerfachangestellten  selbst in einer Kanzlei – und ergänzte die praktische Erfahrung mit einem betriebswirtschaftlichen Studium. Später folgten Stationen in der Unternehmensberatung. Besonders prägend: seine Zeit in einer großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wo er für die strategische und technologische Weiterentwicklung von Dienstleistungen verantwortlich war.

Die letzten Jahre verbrachte er in Berlin bei der Inhouse-Beratung der Bundesrepublik Deutschland – mit engem Kontakt zu Ministerien und politischen Entscheidungsträgern. Diese Erfahrung prägt bis heute seinen Blick: Er kennt nicht nur die Kanzleiperspektive, sondern auch die Sicht der Politik und der Verwaltung. Ein doppelter Zugang, der ihm im aktuellen Umbruch von besonderem Nutzen sein dürfte.

Mitgliederorientierung als Haltung

Für Sebastian Koch ist Veränderung kein Risiko, sondern eine Einladung zur Gestaltung. „Veränderung kann als Risiko betrachtet werden“, sagt er, „doch wenn wir sie aktiv annehmen, haben wir die Chance, die Zukunft selbst mitzugestalten.“ Für ihn steht fest: Noch sind längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Durch neue Modelle der Zusammenarbeit und durch technologische Entwicklungen entstehen beinahe täglich neue Chancen, Kanzleiarbeit und Mitgliederservice weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht für Koch daher die Frage, wie die Genossenschaft gemeinsam mit ihren Mitgliedern Zukunft formt – nicht durch abstrakte Visionen, sondern durch konkrete, tragfähige Lösungen. Dabei setzt er auf das Prinzip Transformation by Design: strategisch geplante Innovation, die Mehrwert schafft, ohne bewährte Stabilität preiszugeben. „Schnelligkeit allein bringt uns nicht weiter. Entscheidend ist, dass neue Ideen praxistauglich sind – und Vertrauen stiften.“ Und immer bleibt der genossenschaftliche Gedanke leitend: „Wir wollen mittel- und langfristige, tragfähige Lösungen entwickeln, die uns ein hohes Maß an Zukunftssicherheit bieten.“

Praktischer Mehrwert – und der Blick darüber hinaus

In seinen ersten Tagen bei DATEV nimmt Koch vor allem eines wahr: Vieles ist bereits auf den Weg gebracht, um den Berufsstand zu stärken – von digitalen Prozesslösungen bis hin zu Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz. Sein neues Ressort Business Development knüpft daran an und wagt den Blick nach vorn. Die Steuerberatung, so Koch, habe einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Strategien müsse deshalb immer entlang der Eckpfeiler Vertrauen, Sicherheit und Stabilität erfolgen. Für Koch bedeutet Geschäftsentwicklung daher mehr, als nur neue Angebote zu schaffen. Es geht um Orientierung im Wandel – beim Kanzleimanagement, bei Nachwuchsthemen, bei Technologien. „Natürlich werden wir nicht jede Herausforderung lösen. Aber wir können die Kanzleien so begleiten, dass sie in den entscheidenden Fragen zukunftsfähig bleiben – und ein profitables, kontinuierliches Wachstum ermöglichen.“

Ihn beschäftigt nicht nur, wie sich Kanzleiprozesse digitalisieren lassen, sondern auch, wie sich der Berufsstand als solcher wandeln wird. „Die Technologie entwickelt sich derzeit in rasantem Tempo. Das betrifft nicht nur die Kanzleien, sondern alle Beteiligten – von den Mitgliedern bis hin zur Finanzverwaltung.“ Wenn KI in dieser Geschwindigkeit Einzug hält, so Koch, werden manche Abläufe schlicht verschwinden, automatisiert abgewickelt. Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Tätigkeiten bleiben? Welche neuen entstehen? Welche Fähigkeiten werden Kanzleien künftig benötigen – und welche Auswirkungen hat dies auf Kooperation und Kollaboration innerhalb des steuerlichen Ökosystems? Dabei richtet er den Blick auch auf die staatliche Seite. Seine Berliner Jahre haben ihm gezeigt, wie intensiv sich Ministerien und Finanzverwaltung selbst mit Digitalisierung befassen. „Wir müssen verstehen, wie sich die Verwaltung neu aufstellt – und welche Rolle der Berufsstand dabei einnimmt“, sagt Koch. Zugleich gehe es darum, die Gestaltung der Zukunft gemeinsam mit den Marktakteuren in die Hand zu nehmen. Ziel müsse es sein, aktiv auf die Entwicklungen einzuwirken und den Wandel im Sinne eines sich transformierenden Berufsstands zu denken. DATEV solle hier Orientierung geben –mit klarem Weitblick.

Haltung zu Zukunftsthemen

Fragt man Koch nach seinen Schwerpunkten, landet man rasch beim Thema Zukunft. Digitalisierung ist für ihn kein Selbstzweck, sondern ein Gestaltungs-Werkzeug, um Kanzleiarbeit zu erleichtern, Beratungsqualität zu sichern und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Auch bei Künstlicher Intelligenz plädiert er für Augenmaß: „KI wird den Berufsstand verändern – doch Vertrauen und Verantwortung bleiben unersetzlich.“ Für Koch bedeutet Business Development daher nicht nur technologische Weiterentwicklung, sondern auch, gemeinsam mit den Mitgliedern die Zukunft des Berufsstands und der Genossenschaft zu gestalten. Gerade in einer Zeit, in der globale Plattformanbieter immer größeren Einfluss gewinnen, sieht er DATEV in einer besonderen Verantwortung: Stabilität sichern, Unabhängigkeit wahren, gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen – genossenschaftlich, unabhängig, den Mitgliedern verpflichtet. “Wir müssen für uns selbst die Frage beantworten, wie wir zukünftig arbeiten wollen”, sagt er. 

Über die Technik hinaus denkt Koch die Rolle von DATEV im größeren Zusammenhang. „Wir tragen Mitverantwortung für Stabilität und Vertrauen in die Wirtschaft.“ Sicherheit, Verlässlichkeit und klare ethische Leitplanken sieht er als Fundament jeder Entwicklung. Ebenso zentral ist für ihn das Thema Nachhaltigkeit – ökologisch wie ökonomisch. Und bei aller technologischen Dynamik gilt für ihn ein Grundsatz: Der Mensch sollte stets im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen. Denn nur so bleibt die Genossenschaft auch für kommende Generationen ein verlässlicher Partner.

Persönlichkeit mit Bodenhaftung

Privat schöpft der dreifache Vater Kraft aus Familie und Hund – und aus seiner Leidenschaft fürs Kochen. Kochkunst liegt bei Koch nicht nur im Namen, sondern auch auf dem Teller. Für ihn ist Kochen mehr als ein Hobby: Es bringt Struktur und Kreativität zusammen – und findet seinen schönsten Ausdruck im gemeinsamen Essen am Tisch. 

Mit Sebastian Koch beginnt bei DATEV ein neues Kapitel. Seine Vision lässt sich auf eine Formel bringen: Nähe und Zukunft verbinden. Er bringt strategische Erfahrung und Gestaltungswillen mit, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Doch er weiß, dass der Weg nur gemeinsam zu gehen ist. „Ich verspreche den Mitgliedern: Ich werde zuhören, den Dialog suchen – und dafür arbeiten, dass DATEV auch in zehn Jahren das Rückgrat der steuerberatenden, prüfenden und juristischen Berufe bleibt.“