Doch zwischen Beschluss und Wirkung liegt ein weiter Weg – und für den steuerberatenden Berufsstand entscheidet sich hier, ob Modernisierung endlich Alltag wird oder erneut Ankündigung bleibt. Die Bonpflicht soll fallen, Registerauskünfte sollen digitalisiert werden. Alles richtig. Für uns im Berufsstand ist schon lange klar: Ohne Bürokratieabbau, schnellere Verfahren und effizientere Strukturen kann die Mittelstandsförderung ihr Potenzial nicht voll entfalten. Jetzt braucht es Taten statt Worte – in Berlin und in den Ländern. 

Ein zukunftsfähiges Betriebssystem

Als DATEV sehen wir täglich: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern nur so gut wie das System, in das sie eingebettet ist. Hier liegt die Parallele zur öffentlichen Verwaltung: Auch der Staat braucht mehr als digitale Produkte. Er braucht ein neues, zukunftsfähiges Betriebssystem, das föderale Kleinteiligkeit überwindet, Standards definiert und echte Automatisierung ermöglicht. Daten müssen Ende-zu-Ende fließen, Formvorgaben durch digitale Identitäten ersetzt, lange Bearbeitungszeiten durch Genehmigungsfiktionen abgelöst werden. Dafür braucht es Führung – auch gegen Widerstände.

Viele DATEV-Mitglieder berichten, wie sehr die Bürokratie ihre Mandanten lähmt. Der DATEV Mittelstandsindex zeigt: Umsatz und Beschäftigung gehen zurück. Dabei könnte der Staat – richtig aufgestellt – ein echter Ermöglicher sein. So, wie Cloudlösungen in Kanzleien neue Freiräume schaffen, kann auch eine digitale Verwaltung Innovation ermöglichen. Ein Blick über die Grenzen zeigt, was möglich wäre: Estland bietet fast alle Verwaltungsleistungen digital an. Im Vergleich dazu hinkt Deutschland laut Bitkom-DESI-Ranking hinterher.

Mut zur Veränderung ist gefragt. Nicht nur technischer Mut, sondern auch struktureller. Es braucht verbindliche Zeitpläne, klare Verantwortlichkeiten – und das Vertrauen, dass Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmer keine potenziellen Problemfälle sind, sondern Partner. Wir als Genossenschaft DATEV leben dieses Modell täglich: Verantwortung als Prinzip. Nicht Investorenlogik, sondern Mitgliederorientierung. 

In eigener Sache

Diese Verantwortung beinhaltet, hohe Ansprüche an Sicherheit und Qualität nicht nur zu formulieren, sondern auch vorzuleben. Umso mehr bedauere ich, dass es am 8. Januar 2026 bei der Funktion „Probeabrechnung“ in LODAS zu einer Störung kam, in deren Folge am 9. Januar in Einzelfällen personenbezogene Daten unberechtigt einsehbar waren. Der Kreis der möglichen Einsichtnehmer beschränkte sich dabei auf andere LODAS-Anwender und damit auf einen geschlossenen Nutzerkreis, der berufsrechtlich oder vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Die Ursache des Vorfalls lag in einem Softwarefehler aus der Vergangenheit. Wir haben unverzüglich reagiert: Die Funktion wurde gestoppt, ein bereichsübergreifender Notfallstab wurde aktiviert, die Datenschutzaufsicht informiert. Schon am 9. Januar war der Service wieder verfügbar. Die betroffenen Mitglieder haben wir direkt und umfassend informiert; die fristgerechte Meldung bei der Datenschutzaufsicht erfolgte gesammelt durch DATEV für alle betroffenen Nutzer. Hinweise auf einen Missbrauch von Daten gibt es nicht.

Dennoch nehmen wir diesen Vorfall sehr ernst, denn Datenschutz gehört zur DNA von DATEV. Wir haben umfassende Maßnahmen ergriffen, um die Ursachen zu analysieren – und noch konsequenter für Sicherheit, Qualität und Vertrauen zu sorgen. Ich bitte die betroffenen Mitglieder und Kunden ausdrücklich um Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

Wir überführen unser Portfolio in die Cloud, weil Zukunftsfähigkeit handlungsfähige Systeme braucht. Der Vorfall Anfang Januar zeigt, was das bedeutet: Verantwortung, Transparenz und entschlossenes Handeln.