An der Dr.-Schindler-Straße in Untergriesbach, 30 Autominuten östlich von Passau, steht ein lang gestrecktes Gebäude mit bewegter Geschichte. Einst hatte eine Landwirtschaftsschule dort ihren Sitz, später zog ein Schullandheim ein. Heute arbeitet die Steuerkanzlei Schurm, Granat & Partner in dem zweigeschossigen Bau. Drinnen herrscht eine offene, beinahe seminarartige Atmosphäre. Die Büros sind hell, die Technik ist modern.
Die Themen, die das Team bewegen, sind oft die Klassiker der Branche. Mal geht es um Betriebsstätten, mal um Mandanten, die beruflich nach Österreich pendeln – die Grenze verläuft nur wenige Kilometer entfernt. Auch die KI-gestützte Buchhaltung findet Einzug in den Alltag.
Aus dem Finanzamt München in die „steuerberatende Diaspora“
Kanzleigründer Ludwig Schurm legt Wert auf flache Hierarchien. „Ich sehe mich nicht als Chef“, sagt er, „ohne Mitarbeiter könnte ich hier gar nicht agieren.“ 1991 kehrt er dem Finanzamt in München den Rücken. Er sucht fachliche Vielfalt – und findet sie ausgerechnet dort, wo es damals „im Umkreis von 20 Kilometern keinen Steuerberater“ gibt – im ländlichen Raum an der österreichischen Grenze. Die Lage ist bewusst gewählt: Die Strukturen sind überschaubar, zugleich bietet die Region eine enorme inhaltliche Spannbreite. Der Mandantenstamm wächst, er reicht von Grenzpendlern bis zu international tätigen Unternehmen.
Gemeinsam mit seiner Frau führt Schurm die Kanzlei viele Jahre als Einzelpraxis. Mit gewachsenem Mandantenstamm und klarer Nachfolge entsteht daraus 2022 die Partnerschaftsgesellschaft. Mit Partnerin Anna Granat, seit 2012 an Bord und heute Fachberaterin für Unternehmensnachfolge, ist die Kanzlei nun auf eine breite, generationenübergreifende Führung ausgerichtet. Tochter Hannah Schurm arbeitet ebenfalls schon mit.
Die Grenzlage macht die Arbeit interessant, aber auch komplex
Die geografische Lage prägt die Kanzlei wie kaum ein anderes Merkmal. „Wenn wir aus dem Fenster schauen, sehen wir Österreich“, sagt Granat. Doch was idyllisch klingt, ist vor allem: komplex. Da sind zum einen die zahlreichen Grenzgänger – Österreicher mit Einkünften in Deutschland und Deutsche mit Tätigkeiten auf der anderen Seite der Grenze. Zum anderen gründet eine wachsende Zahl österreichischer Unternehmen GmbHs oder Betriebsstätten in Deutschland, um bessere Konditionen und Aufträge im europäischen Umfeld zu erhalten.
Die Kanzlei begleitet diese Unternehmen beim Aufbau des deutschen Standorts, von der Rechtsform über laufende Deklarationen bis hin zur Gestaltung der grenzüberschreitenden Steuerstruktur. Dass es trotz EU noch lange keine vollständige Angleichung der Systeme gibt, spüren die Steuerberater täglich. Deshalb arbeitet die Kanzlei eng mit einer österreichischen Steuerkanzlei zusammen. Es ist kein formelles Netzwerk, eher ein kurzer Draht über die Grenze. „Man kann nicht beide Länder in voller Tiefe abdecken“, sagt Granat, „aber man kann sich gegenseitig schnell fragen: Wie ist das bei euch?“
Wer die Teamfotos sieht, erkennt sofort die Stimmung: viel Lächeln, flache Hierarchie. Die Kanzlei pflegt ein Miteinander ohne Chefetage. Man begegnet sich in der Küche, auf dem Flur oder auf der Terrasse, isst gemeinsam Mittag und stößt donnerstags nach Feierabend zur „Halben“ zusammen.
Die Verantwortung ist über das Team geteilt. Es gibt eigene Zuständigkeiten und Entscheidungen, nach oben wird nur wenig delegiert. Einmal im Quartal kommen alle zur Kanzleibesprechung zusammen, die nächste wird vollständig vom Team organisiert. Ein kleiner, aber konsequenter Schritt hin zu echter Augenhöhe.
Die Kanzlei setzt früh auf digitale Prozesse – und entwickelt sie weiter
Die fortschreitende Digitalisierung ist für die Kanzlei längst gelebter Alltag. Früh stieg man bei DATEV Unternehmen online ein, ein DATEV DigiCheck half später, Prozesse und Kommunikation zu schärfen. Heute arbeiten Automatisierungsservices und eine spezialisierte Steuer-KI mit, während ChatGPT Pro für Recherche und Formulierungen eingesetzt wird. Das fachliche Urteil bleibt jedoch beim Menschen. Für Partnerin Anna Granat ist klar: Wenn KI Routinen übernimmt, entsteht Raum für echte Beratung – für Auswertungen, Gestaltungsideen und Gespräche auf Augenhöhe. Mandanten, die sinkende Honorare erwarten, begegnet die Kanzlei daher mit einer einfachen Frage: Was ist Ihnen eine intensivere, vorausschauende Betreuung wert?
Weiterbildung hat in der Kanzlei hohes Gewicht. Fortbildungen sind nach kurzer Abstimmung jederzeit möglich; eine Absage gab es nach Granats Worten noch nie. Neben klassischen Seminaren nutzt das Team eigene Kurzformate, in denen Mitarbeitende neu erarbeitetes Wissen teilen. Lernplattformen und Arbeitskreise wie DATEV Next Generation ergänzen das Angebot. Wer beruflich weitergehen will, bis hin zum Steuerberaterexamen, wird finanziell und per Freistellung unterstützt. Konkurrenzängste kennt man nicht.
Ein Telefonjingle, der beim Bayerischen Rundfunk landet
Bekanntheit weit über die Grenzen Niederbayerns hinaus erlangte die Kanzlei vor einiger Zeit durch das Radio – mit einem eingängigen Jingle. Was wie ein ausgeklügelter Marketingcoup klingt, war in Wahrheit eher ein Zufallsprodukt gelebter Kanzleikultur. Zu den Mandanten zählt eine regional bekannte Mundart-Band, die mit der Erstellung eines Jingles beauftragt wurde. Entstanden ist dabei eine unverwechselbare Eigenkomposition: augenzwinkernd, im breiten Bairisch und mit jener Selbstironie, die hier zum Selbstverständnis gehört. Gedacht war das Stück zunächst ganz pragmatisch – als Warteschleife für Anrufer. Dass daraus mehr werden könnte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Zufällig suchte der Bayerische Rundfunk im Rahmen eines Wettbewerbs zu dieser Zeit nach originellen Telefonjingles für eine Radiosendung. Eine Mitarbeiterin reichte den Kanzleijingle ein, ohne große Erwartungen. Kurz darauf folgte eine zweite, gänzlich unerwartete Empfehlung: Auch das örtliche Finanzamt hatte unabhängig von der Kanzlei die Warteschleifenmelodie von Schurm, Granat & Partner für den Wettbewerb des BR vorgeschlagen.
Am Ende reichte es für Platz drei. Eine messbare Mandantenflut blieb aus, ebenso ein nachhaltiger PR-Effekt im klassischen Sinn. Was blieb, war etwas Subtileres: Sympathie, Wiedererkennung und ein Moment öffentlicher Aufmerksamkeit, in dem Steuerberatung ungewohnt leicht, nahbar und menschlich wirkte. In Redaktionen wurde der Jingle weitergereicht, Kolleginnen und Kollegen hörten genauer hin – nicht zuletzt, weil er ein Bild des Berufs zeichnete, das man so selten hört. Der Jingle ist bis heute auf der Website der Kanzlei zu hören, unverändert, dieselbe Melodie, derselbe Text. Ein kleines akustisches Markenzeichen, das weniger für Marketing steht als für eine Haltung.
Dass die Kanzlei zugleich selbstverständlich über künstliche Intelligenz, New Work und internationale Strukturen spricht, hat einen einfachen Grund: Sie hat früh begonnen – mit Digitalisierung, Nachfolge und neuen Arbeitsformen. Fachlich anspruchsvoll, menschlich nah, mit einem Augenzwinkern. Und mit dem Blick nach Österreich aus dem Fenster.
Standortvorteile nutzen
1. Lage, Lage, Lage:
Wo andere die Diaspora sehen, liegt oft eine Chance: Die Grenzlage und der ländliche Raum verschaffen der Kanzlei Mandate aus einem breiten thematischen Feld.
2. Flache Hierarchien:
In der Kanzlei wird die Verantwortung geteilt. Wer Entscheidungen ins Team gibt, gewinnt Eigeninitiative. Fort- und Weiterbildungen fördern den Zusammenhalt zusätzlich.
3. Fokus auf das Wesentliche:
Bei Routineaufgaben assistiert die KI. Das verschafft dem Team Raum für echte Beratung – eine höherwertige Leistung, die Mandanten entsprechend entlohnen.
Die Kanzlei
Die 1991 gegründete Kanzlei Schurm, Granat & Partner mbB in Untergriesbach (Niederbayern) hat sich besonders in den Bereichen internationales Steuerrecht, Unternehmensnachfolge und Steuergestaltung profiliert. Die inhabergeführte Kanzlei begleitet mit ihrem 18-köpfigen Team Mandanten aus der Region und international.