Zwischen den Jahren – das ist für mich eine ganz besondere Zeit. Wenn das Handy öfter mal stumm bleibt, der Kalender nicht von einem Termin zum nächsten springt und man das Gefühl hat, einen Moment durchatmen zu können. Diese Stille zwischen den Feiertagen nutze ich ganz bewusst: für Reflexion, für die Familie, für das, was sonst zu kurz kommt. Und ich nehme mir jedes Jahr aufs Neue vor, etwas davon mit in den Alltag zu retten: weniger Informationsoverload, mehr Fokussierung. Ein Wunsch – und eine Führungsaufgabe zugleich. 

Denn was mir neulich an einem Montagmorgen passierte, ist längst kein Einzelfall mehr: Drei Newsletter gleichzeitig geöffnet, das Smartphone vibriert im Minutentakt, Teams fordert mich zur nächsten Besprechung auf, das Telefon klingelt. Ich hatte wichtige Informationen gelesen, aber die Inhalte nicht wirklich verinnerlicht. Ich war informiert, aber nicht fokussiert.

Wir verlieren den Fokus

Zahlreiche Erhebungen belegen: Immer mehr Beschäftigte finden im Arbeitsalltag kaum noch ungestörte Zeit für konzentriertes Arbeiten. Ständige Unterbrechungen durch E-Mails, Chats oder Meetings verhindern, dass wir in komplexe Aufgaben wirklich eintauchen. Die Folge: Unsere Aufmerksamkeit zerfällt in Fragmente – und damit sinkt auch die Qualität unserer Entscheidungen.

Ich bin überzeugt, dass Informationskompetenz die Schlüsselqualifikation unserer Zeit ist. Wir müssen nicht alles wissen – sondern wissen, was zählt. Dafür braucht es Mut zur Lücke. Gerade in Führungspositionen ist es essenziell, Prioritäten zu setzen und bewusst auszuwählen. Wer versucht, auf jedem Kanal mitzuhalten, verzettelt sich. Gute Entscheidungen entstehen nicht aus Geschwindigkeit, sondern aus Klarheit.

Genau hier setzen wir bei DATEV an. Unsere Lösungen – von MyDATEV Kanzlei über die Automatisierungsservices bis hin zur KI-Werkstatt – helfen, Informationsflüsse zu ordnen. Künstliche Intelligenz kann heute schon Mails sortieren, Dokumente zusammenfassen und Themen clustern. Unser Ziel: weniger Dauerfeuer, mehr Tiefenarbeit. 

Denn unser Berufsstand steht für Urteilskraft, Sorgfalt und Weitblick. Genau deshalb müssen wir uns Räume für konzentriertes Denken zurückerobern. Wenn wir keine Zeit mehr haben, Sachverhalte wirklich zu durchdringen, leidet die Qualität unserer Arbeit – und das Vertrauen unserer Mandanten gleich mit. 

Klarheit braucht Rituale. Und Puffer

Auch LinkedIn-Gründer Jeff Weiner reservierte sich täglich 60 Minuten „Pufferzeit“. Nicht als Luxus, sondern als Führungsprinzip. Mein Appell an Sie: Schaffen wir solche Rituale auch in unseren Kanzleien – durch feste Zeitfenster, Meetingpuffer oder das gezielte Abschalten von Benachrichtigungen. Führung beginnt im Kalender.

Klarheit bedeutet aber auch, Entscheidungen zu hinterfragen: Müssen wirklich alle Informationen gleichzeitig verarbeitet, alle Themen sofort bearbeitet werden? In einer zunehmend komplexen Welt ist es eine Stärke, differenziert zu priorisieren – und Dinge bewusst aufzuschieben, um sie mit der nötigen Tiefe zu betrachten. Nur wer Raum zum Nachdenken schafft, kann Orientierung geben.

Wenn ich auf unsere Branche blicke, sehe ich nicht nur technischen Wandel. Ich sehe die Chance, wieder mehr zu gestalten als zu reagieren. Klarheit ist kein Zustand. Klarheit ist eine tägliche Entscheidung. Und sie beginnt nicht im Posteingang, sondern im Kopf.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten – und einen klaren Blick fürs neue Jahr!

Nutzen Sie die Feiertage, um Kraft zu schöpfen, innezuhalten und mit Zuversicht auf 2026 zu blicken. Möge es ein Jahr werden, das Ihnen Orientierung, Gesundheit, Freude und viele gute Entscheidungen bringt.