Millionen von Unternehmen, Kanzleien und Beschäftigten arbeiten heute täglich digital zusammen. Das wirkt selbstverständlich. Doch richtet man den Blick auf 60 Jahre DATEV-Geschichte, zeigt sich, wie viel gemeinsame Entwicklung dahintersteckt - von den ersten Großrechnern über vernetzte Systeme bis hin zu Cloud-Anwendungen und Künstlicher Intelligenz. Dabei ist eines immer geblieben: der klare Blick nach vorne mit dem Ziel, die Arbeit für den steuerberatenden Berufsstand und seine Mandanten – vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen – effizienter undleichter zu machen.
Jede Entwicklung der vergangenen 60 Jahre hat DATEV zu dem gemacht, was es heute ist: Eins der größten IT-Unternehmen Europas, genossenschaftlich organisiert und mit mehr als 40.000 Mitgliedern: Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern sowie Rechtsanwälten. Über 850.000 Kunden vertrauen auf die Lösungen der Genossenschaft, die über 9.000 Mitarbeitende an 22 Standorten beschäftigt. Monatlich werden rund 14,7 Millionen Lohn- und Gehaltsabrechnungen über DATEV-Software erstellt. Der Jahresumsatz liegt bei über 1,5 Milliarden Euro.
Eine Genossenschaft entsteht
1966 herrschte in den Kanzleien eine angespannte Stimmung. Wirtschaftswachstum, Fachkräftemangel und die Einführung der
Mehrwertsteuer machten computergesteuerte Datenverarbeitung notwendiger denn je. Die EDV steckte allerdings noch in den Kinderschuhen, Computer gab es nur in Form von Großrechnern in Rechenzentren – und Rechnerleistung war extrem teuer. Die Lösung: die Gründung einer Genossenschaft. “Die Idee ist, gemeinsam anzupacken, was jeder Einzelne von uns nicht geschafft hätte“, so Dr. Heinz Sebiger, einer derDATEV-Gründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender.
Aus diesem Gedanken gründeten 65 Steuerbevollmächtigte des Kammerbezirks Nürnberg am 14. Februar 1966 die Genossenschaft DATEV (“Datenverarbeitungszentrale der steuerberatenden Berufe Nürnberg eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht“). Von Anfang an waren die DATEV-Mitglieder nicht nur eine Interessengemeinschaft, sondern eine Community, die sich gegenseitig unterstützt.
Erstes Rechenzentrum mit 320 Kilobyte Speicher
Nach der Gründung wurden die auf Lochstreifen erfassten Buchführungsdaten der Mitglieder zunächst in einem externen Rechenzentrum verarbeitet. Durch das starke Anwachsen der Mitgliederzahl stand aber bald die erste Großinvestition an: Am 31. Januar 1969 wurde das erste eigene Rechenzentrum in der Paumgartnerstraße eingeweiht. Ehrengast war der damalige Bundesfinanzminister und spätere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Die Ausstattung: Vier gemietete Großrechner von IBM mit einer Gesamt-Speicherkapazität von 320 Kilobyte. Die Monatsmiete: 245.000 Deutsche Mark.
1971 folgten die Eröffnungen verschiedener DATEV-Niederlassungen: Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf, Hannover und Frankfurt machten den Anfang, um bestmöglich mit den Mitgliedern vernetzt zu bleiben - deutschlandweit.
Derweil war der technische Fortschritt rasant: 1974 stand die Datenfernübertragung (DFÜ) in den Startlöchern. Man könnte sie als eine Art Vorstufe des Internets bezeichnen: Damit eröffnete die Genossenschaft ihren Mitgliedern die Möglichkeit, am Terminal auf Magnetband erfasste Daten "online" über die Telefonleitung in das DATEV-Rechenzentrum nach Nürnberg zu übertragen. In heutigen Zeiten des Remote-Arbeitens ein Standard, damals visionär.
Eine integrierte Prozess- und Datenwelt entsteht
Die nächste Evolutionsstufe folgte in den 1980er Jahren mit dem DATEV-Verbundsystem (DVS), einer Weiterentwicklung der Datenfernübertragung. Das DVS war der entscheidende Schritt von isolierten Programmen hin zu einem integrierten, zentralen Verarbeitungssystem. Vorher liefen viele Anwendungen nebeneinander; Daten mussten mehrfach erfasst oder manuell übergeben werden. Nun entstand eine plattformartige Prozess- und Datenwelt – und eröffnete den Kanzleien den Weg zu effizienterem, sichererem Arbeiten.
Die Leistungsfähigkeit und die Zuverlässigkeit der Genossenschaft sprachen sich herum und die Mitgliederzahl wuchs stetig. 1985 konnte mit Ruth Kranz, einer Steuerberaterin aus München, das 25.000. DATEV-Mitglied begrüßt werden.
Mit der wachsenden Vernetzung zwischen Kanzleien und Rechenzentrum weitete sich der digitale Austausch in den 1990er Jahren auch auf die Finanzverwaltung aus. Nach der rechtlichen Freigabe, Daten der Steuererklärung elektronisch an die Finanzbehörden zu übermitteln, entwickelte DATEV die Elektronische Datenübertragung (EDÜ). Die spätere ELSTER-Anwendung der Finanzbehörden basiert auf dem EDÜ-Verfahren von DATEV.
Drei Vorstandschefs in sechs Jahrzehnten
1996 erwirtschaftete die Genossenschaft einen Jahresumsatz von fast einer Milliarde D-Mark, zählte über 35.000 Mitglieder und rund 4.700 Mitarbeitende. Im selben Jahr verabschiedete sich mit Dr. Heinz Sebiger der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand. Für seine prägende Rolle wurde er zum Ehrenvorstandsvorsitzenden ernannt. Die Nachfolge trat zum 1. Juli 1996 Prof. Dieter Kempf an, der dem Vorstand bereits seit fünf Jahren angehörte. Seit 2016 steht Prof. Dr. Robert Mayr an der Spitze – als erst dritter CEO in der Geschichte des Unternehmens.
Mit dem Wechsel ins neue Jahrzehnt richtete DATEV den Blick über die deutschen Grenzen hinaus. Im September 2000 gründete sie gemeinsam mit der tschechischen Steuerberaterkammer eine Genossenschaft in Tschechien. Heute ist DATEV auch in der Slowakei, Polen, Italien und Österreich mit eigenen Ländergesellschaften vertreten und arbeitet in Spanien, Lateinamerika und Ungarn mit Kooperationspartnern zusammen.
Mit DATEV Unternehmen online in die Cloud
Was mit dem Rechenzentrum und der DFÜ begann, führte über das Verbundsystem und die digitale Steuererklärung in Richtung Cloud. Seit 2007 arbeiten Kanzleien und Mandanten mit DATEV Unternehmen online standortunabhängig zusammen. Heute profitieren rund 750.000 Nutzer der Anwendung von nahezu in Echtzeit laufenden Prozessen.
Heute ist DATEV allerdings weit mehr als ein Softwareanbieter. Vielmehr agiert die Genossenschaft als Brückenbauer und vernetzt Kanzleien, Unternehmen und Partner zu einem digitalen Ökosystem. So können Daten sicher ausgetauscht und Abläufe reibungslos gestaltet werden – von der Erfassung der Belege bis zur fertigen Buchführung. Auch Partneranwendungen können direkt angebunden werden. DATEV ermöglicht ihren Kunden damit durchgängige Prozesse in der Cloud.
Mittlerweile hält auch die Künstliche Intelligenz Einzug in den Kanzleien und revolutioniert den Alltag. DATEV gestaltet diesen Wandel aktiv – gemeinsam mit ihren Mitgliedern: In der DATEV KI-Werkstatt können diese zum Beispiel Prototypen neuer KI-Anwendungen testen und mitentwickeln.
Genossenschaftsform als Fundament
DATEV hat sich in sechs Jahrzehnten ständig weiterentwickelt – immer mit dem Ziel, die Arbeit der Mitglieder zu erleichtern und zukunftssicher zu gestalten. Die Genossenschaftsform bleibt dabei ihr Fundament. Mitglieder sind Mitgestalter, Entscheidungen werden langfristig und vorausschauend getroffen.
Technologische Umbrüche und neue Anforderungen haben das Unternehmen geprägt, und auch heute richtet sich der Blick nach vorne: auf vollständig digitale, cloudbasierte Zusammenarbeit, auf KI-gestützte Prozesse und auf Lösungen, die den Berufsstand nachhaltig stärken.