Das Fahrzeug mit den Flügeltüren und der schwarzen Karosserie beschleunigt mit rasanter Geschwindigkeit. Die Kamera schwenkt auf den Tachometer des DeLorean DMC-12, so dass die Zuschauer sich selbst in den Sitz gepresst fühlen. 76 Meilen pro Stunde, 80 Meilen pro Stunde…. 
Als der Wagen endlich die angepeilten 88 Meilen pro Stunde erreicht hat, formieren sich blaue Blitze ringsum. Die Reifen hinterlassen Feuerspuren auf dem Asphalt, ein gleißender Lichtblitz erscheint und verfrachtet die beiden Insassen des Gefährts „Zurück in die Zukunft“.  

Die legendäre Filmtrilogie aus den 80er Jahren erzielte weltweit ein Box-Office-Einspielergebnis von fast 1 Milliarde Dollar. Die Abenteuer rund um Marty McFly und Doc Brown gelten als ikonisch und zählen bis heute zu generationsverbindenden Kultfilmen. 

Das zentrale Thema der Trilogie, in die Zukunft zu reisen, fasziniert die Menschheit seit jeher. Doch manche brauchen für diesen Trip keinen Fluxkompensator, denn sie waren schon immer dort und streckten ihre Fühler ins „Morgen“ aus. 

So wie die Genossenschaft, von der in den kommenden Zeilen die Rede sein soll. Nicht erst seit heute hat sich DATEV seit der Gründung mit visionären Ideen und Zukunftstechnologien auseinandergesetzt. Es ist ein Identitätskern des Unternehmens, das in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag begehen darf und immer wieder aufs Neue beweist, dass Zukunft für manche kein Ziel, sondern ein Zuhause ist.  

 

Gemeinsam statt einsam – der Geist von 1966

Von Anfang an, 1966, zählt bei DATEV ein simpler, aber enorm wirkungsvoller Gedanke: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“. Das Mantra des Genossenschafts-Vordenkers Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde auch von der prägendsten Persönlichkeit bei DATEV, Dr. Heinz Sebiger, aufgegriffen und beherzigt.  

Computer hielten gerade Einzug in die Wirtschaft und die Steuerberatung stand vor der Herausforderung, die immer komplexer werdenden Datenmengen zu verarbeiten – ein Vorgang, der unter dem Kürzel EDV in die Sprachwelt eingesickert ist.  Die sündhaft teuren Großrechner waren in der Anschaffung für eine Einzelkanzlei jedoch viel zu kostspielig.  

Vordenker um Dr. Heinz Sebiger, der bis heute als einer von lediglich drei DATEV-Vorstandsvorsitzenden in die Geschichte eingegangen ist, beschlossen die Großrechner gemeinsam zu finanzieren und zu betreiben. Buchführung, Lohnabrechnung und Steuerberechnung erfuhren in den 65 Mitgliedskanzleien des Gründungsjahres einen enormen Effizienzschub: Die Zukunft hatte begonnen. 

Die Bodenplatte für künftige Entwicklungen – das DATEV-Rechenzentrum

Eine echte Großinvestition steht nur wenige Jahre später ins Haus: DATEV nimmt am 31. Januar 1969 das Rechenzentrum, im internen Sprech künftig nur liebevoll „RZ“ abgekürzt, in Betrieb. Eine Investition, die ordentlich ins Kontor schlägt, schließlich werden für die beiden IBM-Großrechner eine monatliche Miete von 245.000 Deutsche Mark fällig. Bundesfinanzminister Franz-Josef Strauß und später langjähriger Ministerpräsident Bayerns, lässt es sich nicht nehmen, persönlich bei der Einweihung des technischen Herzstücks der Genossenschaft anwesend zu sein. Softwareentwickler, die man damals noch Programmierer nannte, hatten bereits vor der Inbetriebnahme des RZ die Programme 100 (Finanzbuchführung) und 200 (Kostenrechnung) entwickelt. Der anvisierte Effizienzgewinn schlägt sofort durch: Die Auswertungszeiten von Daten werden enorm verkürzt, der Preis pro Buchungszeile kann durch die Automatisierung deutlich reduziert werden.  

Was aus heutiger Sicht antiquiert anmutet, sind die Speichermengen, mit denen man damals hantierte. Beide IBM-Großrechner verfügen zusammen über eine Speicherkapazität von 320 Kilobyte, der Untereinheit von Megabyte. Jedes einzelne Smartphone-Foto beansprucht heute ein Vielfaches an Datenkapazität. 
Innovativ war das dennoch. Auch wenn man noch nicht in der Cloud und im virtuellen Raum unterwegs war, das Medium der Stunde waren die Lochkarten und später Lochstreifen, auf denen Daten erfasst wurden.  

Lochstreifen, Leitungen, Leidenschaft

Doch DATEV wäre nicht DATEV, wenn nicht auch schon damals ein technisches Schmankerl ersonnen worden wäre: Telebanda. Ein System, das bereits in den 70er und 80er Jahren digitale Vernetzung und sichere Datenübertragung ermöglichte. Ein Kommunikationssystem, das die elektronische Nachrichtenübermittlung zwischen DATEV und Kanzleien ermöglichte und letztlich eine Vorstufe der heutigen E-Mail und Chats darstellte, lange, bevor das Internet in seiner heutigen Form erfunden war.  
Der Name Telebanda ergab sich dabei aus der Wortverbindung von Telekommunikation und Magnetbändern, auf denen die Informationen gespeichert wurden. Eine frühe Form eines Messengerdienstes – und schon damals: Zukunft.  

Visionär war bereits damals etwas, was heute, in Zeiten von Homeoffice und Remote-Arbeit, ein absoluter Standard ist: die Datenfernübertragung (DFÜ). Während andere Daten noch immer auf Lochkarten über Kurierdienste durch die Republik fuhren und in Rechenzentren gebracht wurden, ermöglichte DATEV frühzeitig einen elektronischen Zugriff auf das unternehmenseigene Rechenzentrum: Die Stunde der Telefonleitungen und Modems begann zu schlagen und ein Vorläufer des heutigen Internets bahnte sich seinen Weg – eine punktuelle und sichere Verbindung der Kanzleien mit dem DATEV-Rechenzentrum.   

Die Vernetzung beginnt

Die nächste Evolutionsstufe erfolgte ab den späten 80er Jahren mit dem DATEV-Verbundsystem, einer konsequenten Weiterentwicklung der DFÜ. Schon damals existierte die Vision, Steuerberater, Mandanten und DATEV miteinander digital zu vernetzen. Mit dem Verbundsystem wurden erstmals lokale Anwendungen, die auf den Rechnern in den Kanzleien installiert waren, mit zentralen DATEV-Anwendungen aus dem Rechenzentrum in Nürnberg intelligent gekoppelt. Ein technisch hochambitioniertes Unterfangen für den damaligen Technologiestand. Enorme Sicherheitsanforderungen mussten erfüllt werden, verschiedene Rechnerarchitekturen (Mainframe und PC) trafen aufeinander und gleichzeitig galt es, eine performante Leistung abrufen zu können.

Die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Genossenschaft sprach sich schnell herum im steuerberatenden Berufsstand: 1985 konnte mit Ruth Kranz einer Steuerberaterin aus München das 25.000. DATEV-Mitglied begrüßt werden. 

Kein Bierdeckel, sondern die digitale Lösung – nach DATEV-Standards

Wer Mitte der 1990er Jahre den Begriff „Elster“ hörte, dachte zunächst und vermutlich ausschließlich an den heimischen Rabenvogel. Heute dürfte die Wortbedeutung von ELSTER für viele zurecht mit den Finanzbehörden verbunden sein, denn das Akronym steht für Elektronische Steuererklärung und damit für eine Anwendung, die letztlich auf einem DATEV-Verfahren basiert. Nachdem die Behörden 1995 die Voraussetzungen dafür ins Leben gerufen hatten, die Steuererklärung auch digital bei den Finanzämtern einreichen zu können, entwickelte DATEV die Elektronische Datenübertragung (EDÜ). Im Oktober 2002 war es dann so weit und DATEV versendet die erste digitale Steuererklärung mit elektronischer Unterschrift (ELSTER II): Früchte, die dank vorausschauender Entwicklung und EDÜ geerntet werden konnten.  

Ausgeprägte Werteverbundenheit

Während neue Technologien den Berufsstand veränderten, blieb eines unverändert: das Fundament der Genossenschaft – ihre Werte. 
Die DATEV-Markenwerte „partnerschaftlich“, „vertrauenswürdig“, „leistungsstark“, „führend“ und der zuletzt hinzugekommene Wert „nachhaltig“ bilden über die Jahrzehnte hinweg ein konsistentes Wertegerüst, die das Handeln der Genossenschaft auf den Punkt bringen.  
Keine Person verkörpert diese Werte derart wie einer der Gründerväter der Genossenschaft: Dr. Heinz Sebiger begleitete „seine“ DATEV die Hälfte ihrer Lebenszeit, also 30 Jahre lang und prägte das Unternehmen mit seiner Handschrift.  
Er schloss Freundschaft mit dem japanischen Softwarehaus TKC aus Japan, die ein ganz ähnliches Geschäftsmodell wie die Nürnberger verfolgen. Nur eben am anderen Ende der Welt. Die Freundschaft der beiden Unternehmen dauert bis heute an, japanische und deutsche Delegationen besuchen sich im jährlichen Rhythmus, pflegen die Tradition und blicken gemeinsam auf die Entwicklungen von Morgen.  

Genossenschaft als Glücksfall

Mit dem im Jubiläumsjahr 2016 verstorbenen Dr. Heinz Sebiger findet sich im DATEV-Kosmos eine Identifikationsfigur, die durch ihren Pioniergeist bis heute ins Unternehmen wirkt und inspiriert. Die Unternehmensform von DATEV als Genossenschaft erweist sich von Anfang an als echter Glücksfall: es gibt kein kurzfristiges Agieren, lange Entwicklungslinien können verfolgt und die Schienenstränge in Richtung Zukunft verlegt werden. Was mit dem Rechenzentrum und der DFÜ begann, führt über das Verbundsystem und die digitale Steuererklärung in Richtung Cloud.  

Diese Form von nachhaltiger Entwicklung zeigt sich auch an der Unternehmensspitze. Nach Prof. Dr. Dieter Kempf steht seit 2016 mit Prof. Dr. Robert Mayr erst der dritte Vorstandsvorsitzende bzw. CEO der gesamten Unternehmensgeschichte an der Spitze bei DATEV.  

Bühne frei für KI

Noch bevor die sprachbasierten KI-Modelle wie ChatGPT ab November 2022 auf einmal weltweit für Furore sorgten und heute aus dem Alltag und Berufsleben nicht mehr wegzudenken sind, saß ein Unternehmen nicht nur im staunenden Publikum, sondern hatte sich längst einen Platz als Akteur auf der Bühne gesichert. Richtig, es ist DATEV. Ab 2021 gingen mit dem Automatisierungsservice Rechnungen und Automatisierungsservice Bank Lösungen an den Start, die einmal mehr die Zukunft antizipierten und für enorme Effizienzgewinne in den Kanzleien sorgten. 

Mit der rasanten Verbreitung der Large Language Models begann auch bei DATEV eine neue Epoche. Einmal mehr zeigte sich nicht nur die Zukunftsorientierung des Unternehmens, sondern auch der genossenschaftlich-gelebte Geist und das partnerschaftliche Handeln.  
In der „KI-Werkstatt“ können Mitglieder die Chancen generativer KI anhand von Prototypen testen und werden so an der Hand genommen, um Erfahrungen mit KI-Lösungen zu sammeln. Einer der ersten Prototypen: der KI-Einspruchsgenerator, der bereits kurz nach dem Aufkommen von ChatGPT den DATEV-Mitgliedern zur Verfügung stand.  

Der Blick weitet sich

Die 60-jährige Unternehmensgeschichte verpflichtet auch, über den bisherigen Wirkungskreis hinauszudenken und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die unzähligen Daten, die im Rechenzentrum der Genossenschaft schlummern, bergen ein enormes Potenzial und eine konkurrenzlose Aussagekraft über den Zustand des deutschen Mittelstandes. Nicht auf Umfragen oder auf Stimmungen, sondern auf realen, belastbaren Daten fußt ein Produkt der Genossenschaft, das seit Oktober 2024 in der Öffentlichkeit präsent ist. Der DATEV-Mittelstandsindex. Gewissermaßen in Echtzeit lässt sich seismografisch genau der Zustand des deutschen Mittelstands erfassen und kann dadurch auch für die Politik zum wertvollen wirtschaftspolitischen Steuerungsinstrument werden. Einmal mehr denkt DATEV nach vorne.

Wenn man die Entwicklung der vergangenen sechs Dekaden des Geburtstagskindes überblickt, zeigt sich ein durchgängiges Muster im unternehmerischen Handeln. DATEV hat nie den Fuß vom Gaspedal genommen und war bei allen technischen Entwicklungen vorne mit dabei. Wegbereiter und Pionier.   
Dort, wo andere erst via Zeitmaschine hinreisen müssen, ist und bleibt DATEV zu Hause: In der Zukunft.