Eine Organisation wie DATEV lebt vom Mitwirken ihrer Mitglieder – gerade dann, wenn sich Technologien und Prozesse so grundlegend verändern, wie dies in den vergangenen Jahren geschehen ist. Und wie es dank Digitalisierung und künstlicher Intelligenz auch künftig sein wird. Wer sich in diesen Zeiten einbringt, engagiert und beteiligt, kann Entwicklungen nicht nur begleiten, sondern auch eine ganze Branche aktiv prägen. Auch das gehört zum Wesen einer Genossenschaft. 

Ein gutes Beispiel ist Christoph Behn. Er wurde 2017 Partner in einer Steuerkanzlei in Hannover; seit 2023 ist er alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. Ein Jahr später stellte sich Behn schließlich für die Wahl zum Vertreterrat auf. Er wurde prompt in das Gremium gewählt und dort zu einem von mehreren Prozessverantwortlichen. „Ausschlaggebend war für mich die anstehende Cloudumstellung“, erinnert sich Behn. Er ist überzeugt: „Die stellt eine echte Zeitenwende dar – nicht nur für die Kanzleien, auch für DATEV selbst.“ Dieser Umbruch erschien ihm als idealer Zeitpunkt, um einzusteigen und sich zu engagieren: Bestehende Strukturen werden hinterfragt, Prozesse neu gedacht, Entscheidungen haben langfristige Konsequenzen und weitreichende Folgen. „In einer solchen Phase halte ich es für besonders wichtig, den Blick aus der Kanzleipraxis früh und konsequent einzubringen.“ 

 

Ein kontinuierlicher Dialog

Prozessverantwortliche stehen im fachlichen Austausch mit den zuständigen Produktverantwortlichen (Product Owner) bei DATEV und bringen Impulse der Mitglieder ein. Die so gewonnenen Informationen spiegeln sie in den Vertreterrat zurück. Umgekehrt nehmen sie Themen und Rückmeldungen aus dem Vertreterrat auf und bringen sie wieder in den Austausch mit DATEV ein. „So entsteht ein kontinuierlicher Dialog, der fachliche Themen frühzeitig aus Anwendersicht begleitet“, erläutert Volker Andres, stellvertretender Vorsitzender des Vertreterrats, die Rolle der Prozessverantwortlichen.  

Christoph Behn betreut parallel zwei sogenannte Workstreams: Kanzleimanagement und Basis-Services. „Ich verstehe die Aufgabe als kontinuierliche Mitwirkung.“ Der zeitliche Aufwand liege im Schnitt bei mehreren Stunden pro Monat, mit einigen Spitzen bei strategisch wichtigen Themen. Das Engagement zahle sich für ihn aber aus: „Zum einen erhalte ich einen frühen Einblick in Entwicklungen, was mir hilft, meine eigene Kanzlei strategisch vorzubereiten. Zum anderen nehme ich Impulse für Prozessdenken, Priorisierung und Change-Management mit, die ich unmittelbar nutzen kann.“ Ein gutes Beispiel ist für ihn die Suche nach einer Lösung für den Mandantentyp „Einzelunternehmer“, der demnächst wegfällt. „Hier war mir wichtig, dass nicht halbe Lösungen entstehen, sondern ein tragfähiges, verständliches Konzept, auf das sich die Kanzleien vorbereiten können.“

Ein weiterer Punkt war sein Einsatz für eine schnelle Freigabe der Cloudversion des Kanzleimanagements, damit Kanzleien frühzeitig produktiv in den neuen Strukturen arbeiten konnten. „Aktuell berate ich bei der Einführung des Nachfolgeprogramms für die Dokumentenablage DMS als Cloudversion.“ 

Stefan Wingert

Ortswechsel nach Mühlhausen, einer gemütlichen thüringischen Kreisstadt nahe der hessischen Grenze. Dort betreibt Stefan Wingert seine Kanzlei. Er ist Prozessverantwortlicher für Jahresabschluss und Wirtschaftsprüfung. „Die Zusammenarbeit mit DATEV ist durch regelmäßige Jours fixes geprägt. Zusätzlich tausche ich mich intensiv mit Kolleginnen und Kollegen über ihre Wünsche, Erfahrungen und Best Practices aus und lasse diese in Beratungsaufträge einfließen“, sagt Wingert. „Pilotierungen und Feedback zu Produkteinführungen gehören ebenfalls dazu.

“Ein aktueller Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Verankerung klarer Qualitätskriterien in der neuen, mit künstlicher Intelligenz gestützten Buchhaltungs- und Jahresabschlusssoftware. „Ziel ist, die Vorteile technologischer Innovation mit den hohen qualitativen Anforderungen unseres Berufsstands zu verbinden. Dieser Entwicklungsprozess läuft derzeit noch und wird von uns eng begleitet.“ 

Eintauchen in komplexe Produkte

Seine Rolle habe auch seinen Blick auf DATEV verändert, sagt Wingert „Die Aufgabe hat mir einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise der Genossenschaft ermöglicht. Ich habe ein viel größeres Verständnis für die Komplexität der Produktentwicklung gewonnen und nehme wahr, mit welchem Engagement dort gearbeitet wird.“ In seinen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen werbe er daher immer wieder für eine differenzierte Betrachtung. „DATEV leistet insgesamt hervorragende Arbeit – auch wenn es, wie bei jeder Organisation, stets Potenzial für weitere Verbesserungen gibt.“