Bewegt sich ein Unternehmen im Markttrend – oder entfernt es sich davon? Sind die zugrunde liegenden Annahmen plausibel? Dies sind für Alexander Neu, Partner bei der Kanzlei KONLUS in Bergisch Gladbach, zentrale Fragen, wenn er den Lagebericht eines Mandanten prüft oder eine Planungsrechnung macht. Seit einigen Monaten greift er dafür auf ein zusätzliches Instrument zurück: den DATEV Mittelstandsindex. 

Ein Beispiel: Ein Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe beschreibt in seinem Lagebericht ein schwieriges Jahr. Es verzeichnet rückläufige Absatzmengen in bestimmten Produktbereichen, während andere Segmente wachsen. Der Umsatz des Unternehmens ist leicht gestiegen, die Personalkosten jedoch deutlich stärker. Das Unternehmen bewertet seine Lage als stabil. 

Die Einordnung des Mandanten stützt sich auf Verbands- und Branchenberichte sowie eigene Kennzahlen. Der Mittelstandsindex ergänzt diese um eine zusätzliche, aktuelle Vergleichsebene. Er zeigt, wie sich Umsätze im Markt allgemein entwickeln, wie stark Löhne steigen und was mit den Beschäftigten in der Region passiert. „Der DATEV Mittelstandsindex ist für mich eine wichtige Referenz, um Aussagen meiner Mandanten zur wirtschaftlichen Lage einzuordnen und auf Plausibilität zu prüfen“, erklärt Neu. 

Diese Perspektive half ihm auch, die Entwicklung des Unternehmens aus dem verarbeitenden Gewerbe zu analysieren. Der Abgleich zeigte: Die Branche schrumpfte insgesamt, während das Unternehmen wuchs. Diese Entwicklung ist positiv, aber erklärungsbedürftig. „Wenn ein Mandant sagt, ihm gehe es sehr gut, der Branchenindex aber seit Jahren sinkende Umsätze zeigt, ist das für mich ein klares Signal, genauer hinzuschauen“, sagt Neu. Mögliche Ursachen können eine klare Marktpositionierung, Preisstrategien oder Sondereffekte sein. 

Referenzrahmen für Planungsrechnungen

Auch bei Planungsrechnungen ist der DATEV Mittelstandsindex nützlich. Plant ein Unternehmen etwa ein deutliches Umsatzwachstum, während die Branche insgesamt stagniert oder rückläufig ist, wird der Vergleich zum Realitätscheck. Gleiches gilt für die Personalkosten: Wenn branchenweit Löhne um fünf oder sechs Prozent steigen, in der Planung aber nur zwei Prozent berücksichtigt sind, lohnt sich eine vertiefte Diskussion. 

Dass der DATEV Mittelstandsindex als Referenzrahmen so gut funktioniert, liegt an seiner Datengrundlage. „Er basiert auf realen Daten aus dem Kanzleialltag“, erläutert Thomas Söllner, Senior Economist bei DATEV. „Deshalb zeigt er zeitnah, wie sich der Mittelstand entwickelt – nach Branchen, Regionen und Unternehmensgrößen.“ Die Daten fließen in DATEV-Systemen zusammen, werden anonymisiert und anschließend aggregiert ausgewertet. Auf diese Weise aufbereitet, fließen sie als Orientierungshilfe zurück in die Kanzleien. 

Für Alexander Neu ist der Index inzwischen ein fester Bestandteil seiner Arbeit. Er kann damit noch schneller und präziser erkennen, ob sich ein mittelständischer Mandant entsprechend dem Marktumfeld entwickelt oder ob Risiken bestehen, die bisher nicht aufgefallen sind. Auch in der Vorbereitung von Jahresabschlussgesprächen ist der Index hilfreich. Selbst wenn ein Mandant keinen Lagebericht erstellen muss, wird in diesem Termin besprochen, wie die Geschäfte gelaufen sind, wie sich die Branche entwickelt und was für das kommende Jahr zu erwarten ist. 

Handlungsbedarf erkennen

Mit dem DATEV Mittelstandsindex lässt sich auch Beratungsbedarf identifizieren. „Steuerberaterinnen und Steuerberater können die gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Trends analysieren und anschließend prüfen, welche eigenen Mandate davon besonders betroffen sein könnten“, sagt Söllner. So lässt sich erkennen, ob Firmen in schrumpfenden Branchen tätig sind oder in Regionen mit schwächerem Wachstum agieren. Ebenso werden Mandate sichtbar, deren Entwicklung deutlich vom Markttrend abweicht. 

DATEV Spotlights und Sonderstudien, etwa zur Mindestlohnerhöhung oder zu regionalen Ereignissen, liefern zusätzliche Anknüpfungspunkte. Während der Index kontinuierlich Trends sichtbar macht, liefern Spotlights punktuelle Vertiefungen und helfen, die Ursachen besser zu verstehen.  

Für die Beratungspraxis entsteht so ein doppelter Mehrwert: ein verlässlicher Überblick und zugleich konkrete Impulse für die Mandantenansprache. 

Besser informiert beraten

DATEV Mittelstandsindex und DATEV Spotlights liefern präzise Vergleichsdaten und Hintergrundinformationen. Wie Kanzleien sie nutzen können, um Risiken frühzeitig zu erkennen und ihre Beratung zu verbessern. 

  1. Vergleichsdaten einbeziehen: Nutzen Sie aktuelle Markt- und Branchendaten, um Aussagen von Mandanten zu überprüfen, zu spiegeln und wirtschaftliche Entwicklungen fundiert einzuordnen. 
  2. Risiken früh erkennen: Abweichungen vom Branchentrend oder ungewöhnliche Kostenentwicklungen liefern gezielte Hinweise auf kommenden Handlungsbedarf und damit Ansätze für die Beratung. 
  3. Spotlights gezielt nutzen: Ergänzende Analysen und aktuelle Sonderstudien liefern regelmäßig vertiefte Einblicke, damit Sie Ihre Beratung noch präziser und proaktiver gestalten und anbieten können.