Eine bestehende Kanzlei zu übernehmen ist ein großerSchritt für junge Steuerberater. Sabrina Maier und Sebastian Siegmund sind ihn erfolgreich zusammengegangen – obwohl vieles ganz anders kam als gedacht. 

Text: Martina Mendel  Fotos: Nói Crew

Als Kind sortierte Sabrina Maier Belege in der Steuerkanzlei ihres Vaters. Dass auch sie eines Tages in diesem Beruf selbstständig sein würde, empfindet sie als natürliche Entwicklung. „Als Arbeitnehmerin wäre es nicht immer möglich, sich bewusst für bestimmte Mandate oder auch mal gegen ein Thema zu entscheiden“, sagt die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin. Sie schätzt die Freiheit, Themen aktiv voranzutreiben – oder gegebenenfalls auch mal bewusst zu bremsen.  

Auch Sebastian Siegmund plante schon früh, einmal Partner in einer mittelständischen Kanzlei zu werden. Er arbeitete zunächst in einer der vier großen Beratungs- und Prüfungsgesellschaften sowie bei einer mittelständischen Großkanzlei. Nach dieser Zeit stand für ihn fest, dass ihm der persönliche, wertschätzende Kontakt mit kleineren und regionalen Mandanten lieber ist als das Konzerngeschäft. 

Unternehmerisch denken und dabei bodenständig bleiben, ein Team aufbauen und entwickeln, menschlich und auf Augenhöhe zusammenarbeiten: Sabrina Maier und Sebastian Siegmund merkten schnell, dass sie dasselbe wollten und sich gut ergänzten. Für eine Neugründung schien beiden das wirtschaftliche Risiko zu groß. Also suchten sie nach einer bestehenden Kanzlei in der Region, die Nachfolger suchte. 

Harte und weiche Kriterien

Die beiden stellten dafür Auswahlkriterien auf und suchten anschließend gezielt auf verschiedenen Onlineportalen und in den Kanzleibörsen der Kammern. Die Kanzlei sollte sich größenmäßig für zwei Berufsträger eignen und DATEV-Software einsetzen. Neben einer soliden wirtschaftlichen Lage war auch der Standort ein zentrales Kriterium. Hinzu kamen die Zusammensetzung des Mandantenstamms, das Renommee der Kanzlei, die Rechtsform, die Prozesse und der Digitalisierungsgrad. Über die Filteroptionen der DATEV-Kanzleibörse ergab sich schließlich ein passender Treffer. 

Bei der Herzog & Bischof Steuerberatungsgesellschaft mbH in Aschaffenburg wurden sie fündig. Der richtige und verantwortungsvollere Schritt, finden beide bis heute. „Es war eine Mischung aus wirtschaftlichen Faktoren, Sympathie und Bauchgefühl“, sagt Sabrina Maier. 

Schon vor der ersten Kontaktaufnahme hatten Sabrina Maier und Sebastian Siegmund klare Vorstellungen davon, wie der Übernahmeprozess ablaufen sollte: strukturiert, planbar, mit realistischen Bewertungen. In der Realität war dann allerdings einiges ganz anders. „Bereits bei der Suche zeigte sich, dass viele Verkäufer ihre Kanzleien deutlich höher bewerteten, als sie tatsächlich wert waren“, sagt Sebastian Siegmund. „Vor allem der tech­nische Fortschritt wurde oft nicht beachtet. Der muss aber natürlich in den Businessplan eingepreist werden.“ 

Anderen Steuerberatern, die überlegen, eine bestehende Kanzlei zu übernehmen, rät er, auch auf die Zusammensetzung des Teams und der Mandanten zu achten. Von Vorteil sei eine gute Mischung aus jungen Kolleginnen und Kollegen sowie erfahreneren Teammitgliedern. Der Mandantenstamm sollte nicht überaltert sein, auch kritische Abhängigkeiten von einem oder wenigen Großkunden gilt es zu vermeiden. 

Da viele Steuerberatungskanzleien gerade nach Nachfolgern suchen, schätzt Siegmund den Markt eher als Käufermarkt ein. Anders gesagt: Die Gelegenheit, gerade jetzt eine passende Kanzlei zu finden, ist günstig. 

Das allein reicht jedoch nicht, denn eine solche Übernahme muss auch finanzierbar sein und der Kapitaldienst für das benötigte Fremdkapital in die Planung einfließen. Für Sabrina Maier und Sebastian Siegmund bedeutete die Finanzierung eine zusätzliche Verantwortung, die ihren Übernahmeplan noch herausfordernder machte.

Bei der Umsetzung zeigte sich aber auch, dass mit guter Vorbereitung, klarem Zahlenverständnis und einem ehrlichen Blick auf Chancen und Risiken eine tragfähige Lösung möglich ist. Mit dem früheren Kanzleiinhaber wurde eine Kommunikations- und eine Überleitungsphase vereinbart. Alle Mandanten wurden schriftlich über die Kanzleinachfolge informiert, beide Seiten erstellten gemeinsam einen Infoflyer, der in der Kanzlei auslag. Mit dem Kanzleiteam und ausgewählten Großkunden fanden vorab persönliche Kennenlerntermine statt.  

Wenn Pläne auf Realität treffen

Ursprünglich hatten sich die Beteiligten auf eine Übergangszeit von einem Jahr verständigt. Eine Phase, in der der Verkäufer das wertvolle spezifische Mandatswissen und seine Erfahrung an die Nachfolger weitergeben kann, und die Käufer sich in ihre neue Rolle als Kanzleiinhaber einfinden können. Aus gesundheitlichen und organisatorischen Gründen musste das alles am Ende in nur drei Monaten über die Bühne gehen – und dann kamen auch noch weitere Herausforderungen hinzu, etwa der Ausfall der Telefonanlage nur zwei Wochen nach der Übernahme. 

Ihren Plan haben die beiden Jungunternehmer trotzdem nicht aus den Augen verloren, sie setzen ihn nur variabler um als gedacht, Stück für Stück, wie es gerade passt und erforderlich ist. Mit dem Team, das sie übernommen haben, sind sie mehr als glücklich. Seit Januar 2026 heißt die Kanzlei Siegmund & Maier, im Sommer zieht sie innerhalb von Aschaffenburg an einen neuen Standort um. Sabrina Maier und Sebastian Siegmund tun das, was sie von Anfang an wollten: Themen vorantreiben und unternehmerische Entscheidungen treffen. 

Die Kanzlei

Langjährige Erfahrung trifft auf engagierte junge Führung: Die Siegmund & Maier GmbH Steuerberatungsgesellschaft in Aschaffenburg besteht seit 1990. Im vergangenen Jahr übernahmen die neuen Inhaber das Steuer.

Sabrina Maier studierte an der TH Aschaffenburg und der Frankfurt School of Finance & Management. Nach ihrer Prüfung zur Wirtschaftsprüferin hängte sie direkt das Steuerberaterexamen dran.

Sebastian Siegmund arbeitete als Steuerberater für große Beratungs- und Prüfgesellschaften. 2025 übernahm er mit Sabrina Maier eine bestehende mittelständische Kanzlei.