Nicht verzweifeln, wenn die KI Unsinn erzählt. Mit der richtigen Technik und ein wenig Übung lassen sich die Ergebnisse deutlich verbessern.

Text: Andreas Benkel    llustration: Mina Kim

Es ist wichtig zu verstehen, dass der erste Prompt selten sofort zum perfekten Ergebnis führt. In der Praxis erhöht sich die Qualität der KI-Antworten durch sogenanntes Conversational  Prompting. Das beschreibt einen dialogischen Ansatz, bei dem die Antwort der KI schrittweise weiterentwickelt wird. Man präzisiert seine Anforderungen, stellt Rückfragen, korrigiert  Ergebnisse oder grenzt den Kontext ein. Die KI reagiert auf diese Impulse und passt ihre Antworten entsprechend an. Auf diese Weise entsteht der Output iterativ – ähnlich wie bei einem fachlichen Austausch mit einem Kollegen.

Dieser dialogbasierte Prozess ist besonders in komplexen Bereichen wie der Steuerberatung sinnvoll, da sich Anforderungen oft erst im Verlauf konkretisieren. Entscheidend ist also nicht ein einzelner „perfekter Prompt“, sondern der strukturierte Dialog zwischen Mensch und KI. Um trotzdem eine gute Basis zu haben, sollte man insbesondere vier Merkmale beim Verfassen von Prompts beachten: 

  1. Persona: Für wen ist der Text gedacht? Beschreiben Sie die Zielgruppe so konkret wie möglich.  
  2. Sache: Um welches Thema geht es konkret? Formulieren Sie klar, worum es geht. Geben Sie bei Bedarf Daten oder Inhalte mit.  
  3. Ziel: Was soll das Ergebnis leisten? Geben Sie an, was Sie mit dem Text erreichen möchten.  
  4. Rahmen: Welches Format, welcher Stil, welche Länge? Begrenzen oder formatieren Sie die Antwortvorgabe.  

Was sich beim Prompting verändert hat – und was nicht 

Das grundlegende Vorgehen und die Prinzipien für gutes Prompting sind - wie in der Infografik zu sehen ist - gleichgeblieben. Vielmehr hat sich die Leistungsfähigkeit der KI‑Modelle verändert. Sie können komplexere Zusammenhänge erfassen, untereinander und ohne den Eingriff durch Menschen kommunizieren und anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Ergebnisse weniger fehleranfällig sind. Es ist nach wie vor wichtig, Antworten der KI durch einen Menschen prüfen zu lassen und kritisch zu hinterfragen, um so Halluzinationen zu erkennen. 

Halluzinationen: Entstehung, Risiken und Gegenmaßnahmen 

Halluzinationen sind plausible, aber inhaltlich falsche Aussagen, die von KI‑Modellen erzeugt werden können. Sie entstehen nicht aus Absicht, sondern sind systembedingt und daher ein grundsätzliches Merkmal dieser Technologie. Die Antworten der KI basieren darauf, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für mögliche Wort‑ und Satzfolgen im jeweiligen Kontext sind. Diese entsprechen nicht immer der Wahrheit. Unpräzise Prompts erhöhen den Interpretationsspielraum und begünstigen fehlerhafte Antworten. Zusätzlich können das Fehlen oder die Vermischung von Quellen etwa durch internationale Regelungen oder häufige Gesetzesänderungen im Steuerrecht zu falschen Aussagen führen. Bestehen Wissenslücken, werden diese von der KI häufig mit plausibel klingenden Annahmen gefüllt. 

In Steuerkanzleien sind Halluzinationen besonders problematisch, da das Steuerrecht hochreguliert und zugleich dynamisch ist. Bereits kleine Fehler können finanzielle oder haftungsrechtliche Folgen nach sich ziehen. Mandanten erwarten fachlich korrekte und verlässliche Auskünfte. Deshalb gilt der klare Grundsatz: KI ist Assistenz, keine fachliche Entscheidungsinstanz. 

Wie lassen sich Halluzinationen minimieren? 

Halluzinationen lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber deutlich reduzieren. Dafür sollten Sie folgende Punkte beachten.  

  1. Präzise Prompts verwenden 
    Je klarer der Auftrag, desto geringer das Fehlerrisiko.  
    „Erkläre die steuerliche Behandlung von Bewirtungskosten nach deutschem Steuerrecht (EStG), Stand 2025, ausschließlich für betrieblich veranlasste Bewirtungen.“  
  2. Quellen explizit einfordern 
    Die KI muss ihre eigenen Aussagen begründen.  
    „Nenne zu jeder Aussage die Rechtsgrundlage (Paragraf, BMF‑Schreiben, BFH‑Urteil). Wenn keine sichere Quelle vorliegt, kennzeichne dies.“  
  3. Unsicherheiten sichtbar machen 
    Ein guter Prompt erlaubt der KI, zuzugeben, wenn sie etwas nicht weiß.  
    „Stelle unterschiedliche Auffassungen dar und markiere bestehende Unsicherheiten.“  
  4. Selbstkritische Prüfung integrieren  
    Ein wirksames Mittel ist der sogenannte Meta‑Prompt. Er bringt die KI dazu, ihre eigenen Schwächen offenzulegen.   
    „Welche Teile deiner Antwort könntenn potenziell falsch, veraltet oder unvollständig sein? Begründe.“  
  5. Ergebnisse fachlich validieren 
    beim Menschen, insbesondere bei Mandantenauskünften, Rechtsauslegungen und der Gestaltungsberatung.  

 Beispiel: Anti‑Halluzinations‑Prompt  

„Verwende ausschließlich Informationen aus deutschem Steuerrecht.  
Wenn du unsicher bist oder keine Quelle hast, sage explizit: ‚Ich bin unsicher.‘  
Gib alle Aussagen mit Quellen (Paragrafen, BMF‑Schreiben, BFH‑Urteile) an.  
Kennzeichne Vermutungen als ‚Hypothese‘ und prüfe am Ende selbstkritisch mögliche Fehlerquellen.“  

So wird Prompting zu einem verlässlichen Werkzeug im Kanzleialltag – zur Aufbereitung von Informationen, zur Strukturierung von Sachverhalten und zur Unterstützung bei der Formulierung fachlicher Inhalte.

Fünf Prompts, die Steuerkanzleien besonders helfen 

1. Verfahrensdokumentation & interne Richtlinien 

KI kann bei der Erstellung oder Pflege von Verfahrensdokumentationen unterstützen.  

Beispiel‑Prompt: „Formuliere eine Mandanteninformation zum Thema ‚Anforderungen an elektronische Rechnungen ab 2026‘. Verwende einfache Sprache, gib praktische Beispiele und nenne die wichtigsten To-dos für Mandanten.“  

2. Mandantenkommunikation klarer und einheitlicher gestalten 

Ob Steuervorauszahlungen, Fristen oder Nachforderungsfragen – KI kann helfen, komplexe Inhalte verständlich zu formulieren.  

Beispiel‑Prompt: „Formuliere eine Mandanteninformation zum Thema ‚Anforderungen an elektronische Rechnungen ab 2026‘. Verwende einfache Sprache, gib praktische Beispiele und nenne die wichtigsten To-dos für Mandanten.“  

3. Fachliche Erstanalysen & Rechtsprechungsüberblicke 

KI ersetzt kein Fachwissen – aber sie beschleunigt die Vorbereitung.  

Beispiel‑Prompt:  „Fasse die  aktuellen  BMF-Schreiben und BFH‑Urteile zum Thema ‚Bewirtungskosten‘ zusammen. Gib zu jedem Dokument  

  • die Kernaussage,  
  • Auswirkungen auf die Praxis  
  • und mögliche Risiken für Mandanten.“  

(Hinweis: KI liefert hier einen Überblick. Für konkrete Fälle ist die rechtliche Prüfung Pflicht.)  

4. Prozessoptimierung & Qualitätsmanagement 

Kanzleien können KI zur internen Prozessanalyse nutzen.  

Beispiel‑Prompt: „Analysiere unseren Prozess der Einkommensteuererklärungen und schlage Verbesserungsschritte vor. Fokus: Automatisierung, Kommunikation und Fehlerquellen. Stelle die Vorschläge tabellarisch dar.“  

5. Wissensvermittlung und Schulungen 

Steuerfachangestellte und Werkstudierende profitieren besonders von didaktisch guten Erklärungen.  

Beispiel‑Prompt: „Erkläre die Voraussetzungen des Investitionsabzugsbetrags für Berufseinsteiger. Verwende Beispiele, typische Fehler und eine einfache Sprache.“  

Dieser Beitrag ergänzt den Artikel Prompting in der Steuerkanzlei der Magazinausgabe "Alles wird möglich" aus dem September 2025.