Erst wenn Daten standardisiert, strukturiert und mit Fachwissen verknüpft werden, schaffen sie die Basis für mehr Transparenz und werden zu einer wichtigen strategischen Ressource – für Kanzleien und Mandanten. Stephan Greulich, Mitglied der Geschäftsleitung bei DATEV, erläutert, wie DATEV ihren Mitgliedern diese Ressource zur Verfügung stellt und was die Kanzleien selbst beitragen können. 

Text: Martina Mendel

 

 

Gut aufbereitete, aktuelle Daten sind ein klarer Wettbewerbsvorteil: für eine stärkere, proaktive Beratung, die auf Mandantenseite ein bessere Entscheidungsgrundlagen bereitstellt.  Während unverarbeitete Daten oft ohne Kontext und somit Rohinformationen sind, haben verarbeitete Daten dagegen eine deutlichhöhere Datenqualität, sind kontextuell leicht verständlich und verwendbar. Eine datenbasierte Beratung kann schneller auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Sie hilft, Entwicklungen einzuordnen, bevor sie zum Problem werden.

Im Online-Portfolio setzt DATEV hier an: Die vorhandenen Daten werden im Hintergrund sicher, standardisiert und verlässlich nutzbar gemacht. Diese Daten bilden die Grundlage für Prognosen, Risikofrüherkennung und strategische Entscheidungen.

Auf welchen Bedarf in den Kanzleien geht DATEV damit ein?

Stephan Greulich: Kanzleien stehen heute unter einer großen zeitlichen und personellen Belastung. Da wird die Prozesseffizienz zum entscheidenden Hebel. Durch den Einsatz von KI sowie eine bessere Auswertbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten über verschiedene Kanzlei-Prozesse hinweg lässt sich diese Effizienz deutlich steigern.

Zum Beispiel wird die

  • Beurteilung einer Mandantensituation schneller, professioneller und fundierter,
  • stehen dafür Kennzahlen, Benchmarks und Trendanalysen schneller zur Verfügung,
  • statt einer rein rückblickenden Betrachtung erfolgt eine objektive Einordnung anhand aktueller Daten. 

    Laufende Finanz-, Lohn- und Bankdaten zeigen früh, wenn Kosten steigen, Erträge wegbrechen, sich die Liquidität verengt. Lange bevor Mandanten üblicherweise reagieren.  

Wie macht DATEV Daten noch besser nutzbar? Wie wird ein Mehrwert generiert?

DATEV verfügt über eine Vielzahl von Daten, die strukturiert und mit Fachwissen verknüpft, also angereichert werden, damit sie für Mensch und Maschine lesbar und interpretierbar werden. Wir betrachten Daten nicht isoliert, sondern analysieren ihre fachliche Bedeutung und die Beziehungen zwischen ihnen – und folgen damit konsequent einem semantischen Ansatz.

Das findet schon seit einiger Zeit statt beim Liquiditätsmonitor oder den Automatisierungsservices im Rechnungswesen, die für verbesserte Buchungsvorschläge auf KI-Modelle zurückgreifen. Im Auftragswesen hat man zum Beispiel die Möglichkeit, aufbauend auf den Daten individuelle Auswertungen mit KI zu generieren.

Hier wird durch die Verwendung von KI den Datenfluss schneller und durchgängiger oder sie macht bestimmte Daten sichtbar und verknüpft sie miteinander. Auch übergreifend zeigen Daten Mehrwert, z. B. im Mittelstandsindex für Branchenvergleiche und Standortbestimmungen.

Auf unterschiedliche Weise unterstützen also KI und Analytics, stellen verlässliche Ergebnisse als Auswertungen, Reports oder Benchmarks bereit und weiten den wirtschaftlichen Blick, um Unternehmen auf einer aktuellen Basis beraten zu können. Algorithmen können Muster in Vorgängen und Abläufen erkennen, aus denen sich unternehmerische Entscheidungen ableiten lassen. Alles vor dem Hintergrund der steuerlichen Expertise, die Branchen- und Mandantenkenntnis verbindet.

In der Praxis stammen Daten aus vielen unterschiedlichen Quellen und Systemen. Oft werden gleiche Sachverhalte unterschiedlich benannt oder strukturiert. Ohne ein gemeinsames Bedeutungsverständnis entstehen Missverständnisse, aufwendige Abstimmungen oder fehlerhafte Auswertungen. Um das zu vermeiden, ist eine klare Semantik zu den zugrundeliegenden Daten nötig. Semantik beschreibt die Bedeutung von Daten und sorgt dafür, dass Informationen sowohl für Menschen als auch für Maschinen verständlich und nutzbar sind – dabei hilft uns auch KI, indem wir aus Daten und Informationsdokumenten semantische Strukturen automatisiert ableiten.

Welche Rolle spielt das Online-Portfolio der DATEV dabei?

In der On-Premises-Welt sind die Daten nur eingeschränkt nutzbar und übergreifende Analysen schwer möglich. Die Online-Welt eröffnet neue Möglichkeiten, Daten effizient zu verbinden und auszuwerten. Ein Beispiel dafür ist DATEV LEXchat, ein KI-gestütztes Recherche-Tool, das internes und externes Fachwissen aus der LEXinform-Datenbasis zusammenführt und Kanzleien schnell fundierte Antworten auf steuerliche und rechtliche Fragen liefert.

Im Ausbau des Online-Portfolios wird DATEV weiter auf Daten und KI setzen, um Prozesse für Kanzleien noch effizienter zu machen. Daher ist auch für die Kanzleien der Einstieg in das Online-Portfolio wichtig. 

 

Wie lässt sich eine so hohe Datenqualität herstellen?

In bestehenden Lösungen nutzt DATEV bereits heute Daten, um Prozesse und Analysen in den DATEV Anwendungen kontinuierlich zu verbessern. Um weiteres Potenzial zu erschließen, bauen wir unsere Datenbasis im DATEV  Cloud‑Portfolio gezielt und qualitätsgesichert aus.

Datenqualität entsteht dabei nicht allein durch möglichst viele Daten, sondern vor allem durch einheitliche und klare Standards. Genau hier setzt die Standardisierung im DATEV Cloud‑Portfolio an: Daten aus unterschiedlichen Anwendungen werden schrittweise so aufbereitet, dass gleiche Sachverhalte überall einheitlich beschrieben, strukturiert und interpretiert werden. Auf dieser Basis lassen sich Informationen produktübergreifend zusammenführen und auswerten.

Für Kanzleien bedeutet das: Auswertungen beruhen auf einer verlässlichen und konsistenten Datengrundlage. Zahlen lassen sich besser einordnen, Vergleiche werden aussagekräftiger und Analysen liefern belastbare Ergebnisse. Standardisierung ist damit ein zentraler Baustein, um Daten über Produktgrenzen hinweg sinnvoll zu nutzen und qualitativ hochwertige Entscheidungsgrundlagen für die Beratung von Mandantinnen und Mandanten zu schaffen.

Der Schritt in die Cloud eröffnet DATEV und auch den Mitgliedern neue Perspektiven. 

Was Kanzleien tun können

Auch Kanzleien können aktiv dazu beitragen, sich gut auf den Weg in das DATEV Cloud‑Portfolio vorzubereiten. Eine frühzeitige Information über die vorbereitenden Maßnahmen für den Einstieg in die Cloud schafft dafür eine wichtige Grundlage. 

Es empiehlt sich

  • eine Umstellung auf das DATEV Konto und das Hochladen der Basisdaten online, 
  • der Einsatz des DATEV-Kontos und die Umstellung aller Nutzer,
  • die Daten der eigenen Organisation und der Mandanten zu prüfen und in die DATEV-Cloud zu übertragen,
  • die Rechte- und Nutzerverwaltung zu zentralisieren,
  • Schnittstellen zu Mandanten und Partnern zu prüfen und einzurichten,
  • Benutzerlizenzen zu prüfen und ggf. umzustellen.

Mehr dazu

Weitere Informationen zu KI-basierten Lösungen auf go.datev.de/beratungsprodukte

Hilfe-Dokumente, Schulungen und Kommunikationshilfen sind hier  zusammengefasst: 
Bereit für die Cloud

Automatisierungsservices Rechnungswwesen: go.datev.de/asr

KI bei DATEV: go.datev.de/ki